Montag, 16. Juli 2012

Die Wolke und das stille Meer – Hochfest unserer lieben Frau vom Berge Karmel

Alle Welt schweige in der Gegenwart des Herrn.
Denn er tritt hervor aus seiner heiligen Wohnung. (Sach 2,17)


Der Orden der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel beruft sich auf den Prophen Elija, der an diesem Ort, der für seine Schönheit und Fruchtbarkeit berühmt ist, im Gebet für die Errettung seines Volkes eintrat. Vom Karmel aus sah er die kleine weiße Wolke heraufziehen, deren Herannahen das Ende der langen Dürre ankündigte. Von der Gottesbegegnung Elijas an einem anderen Berg wissen wir, daß sich ihm der Herr nicht im Feuer nahte, nicht im Erdbeben und nicht im Brausen des Sturms: Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. In dem Säuseln nahte sich der Herr. Es ist möglich, Gott auch in anderen Dingen zu finden, vor allem aber finden wir ihn in der Stille und im Schweigen. „Was willst du hier Elija?“, fragt Gott diesen zweimal, fast ein wenig unwirsch. Die Antwort könnte sein: ich suche dich, ich wollte vor deinem Angesicht stehen.

Etwas von dem sanften Säuseln ist in den Klöstern des Karmels wahrnehmbar: Orte, an denen es so still ist, daß man nachts die Luft im Gang zum Dormitorium rauschen hören kann, wie ein besonderes Meer der Stille. Ein sehr einprägsamer und charakteristischer Laut im Karmel ist das Geräusch, das im Kreuzgang entsteht, wenn viele Chormäntel zugleich übergeworfen werden.

Teresa legt großen Wert auf die Zeiten des inneren Gebets, je eine Stunde in der Frühe und am Abend sieht die Regel der Unbeschuhten dafür vor. Zeiten, die nie angetastet werden und sei auch noch soviel zu tun. Nun ist es keineswegs so, daß der Beter in diesen Zeiten der Stille mit außergewöhnlichen oder auch nur erfüllenden Erfahrungen geradezu überhäuft wird; da gibt es Trockenheit, Unkonzentriertheit, Anwandlungen von Sinnlosigkeit des Bemühens (während man draußen „viel mehr tun“ könnte). Und doch. Es ist die Regelmäßigkeit des Versuchens, der Ort und die Zeit, den ich dafür in meinem Leben fest einplane, egal wie ich mich fühle, der es dann doch trägt und womöglich auch Frucht tragen läßt, auch wenn der Beter davon nie erfahren mag. Beim Gebet besteht das Wesentliche nicht darin, viel zu denken, sondern darin, viel zu lieben, schreibt die große hl. Teresa in ihrer Vida.

In besonderer Weise ist der Karmel der Gottesmutter, unserer lieben Frau vom Berge Karmel, unterstellt. Dies geht soweit, daß die Klöster keine Äbtissinnen und Äbte haben, sondern Priore, denn der erste Platz im Karmel ist der Gottesmutter vorbehalten, von der wir wissen, daß sie die Worte des Engels bewahrte und in ihrem Herzen bewegte. Der hl. Simon Stock hat die Gottesmutter einst als Blume des Karmels, Flos carmeli, angerufen. Eine andere Heilige des Ordens, eine von gleich fünf heiligen Theresen, die der Orden hervorgebracht hat, wird „die kleine Blume“ genannt. Wo sich einst, vom Meer her kommend, der Regen der kleinen Wolke ergossen hat, dort wächst und gedeiht der Karmel unter dem Schutz der Gottesmutter.

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Bild oben (Lawrence OP): Unsere liebe Frau vom Berge Karmel mit karmelitanischen Heiligen, links Johannes vom Kreuz, rechts die große und die kleine Therese, erstere mit Schreibfeder, während die kleine Therese Rosen auf die Erde regnen läßt. Die Inschrift bezieht sich auf den Propheten Jesaja: Seht, ich und die Kinder die der Herr mir geschenkt hat (…wir sind Israel ein Zeichen, ein Mahnmal vom Herrn der Heere, der auf dem Zion wohnt.)

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