Freitag, 6. Juli 2012

Der rechte Weg – zum Fest der hl. Maria Goretti

Wie schön bist du, Jungfrau Christi; * du warst würdig, den Siegeskranz des Herrn zu empfangen. Niemand konnte dir die Palme der Jungfräulichkeit entreißen, keiner dich trennen von der Liebe Christi (Responsorium zur Matutin)

Am 6. Juli feiert die Kirche das Fest der hl. Maria Goretti. Ein Leben und Sterben wie das der hl. Maria Goretti scheint gerade in der heutigen Zeit einen regelrechten Stachel darzustellen.

Nachdem ihr Mörder, Alessandro Serenelli, sie gewürgt und mit vierzehn Messerstichen verletzt hatte, kämpfte Maria noch einige Zeit im Krankenhaus um ihr Leben. Sie starb, nachdem sie ihrem Mörder vergeben und die Sakramente empfangen hatte, in den Händen ein Kruzifix und eine Marienmedaille.

Ihr Mörder empfand zunächst keine Reue. 1910 hatte er im Gefängnis einen Traum, in dem Maria ihm in einem Garten nacheinander vierzehn weiße Lilien reichte, die sich in seinen Händen in stille weiße Flammen verwandelten. Auf diesen Traum hin bekehrte er sich, er bat nach seiner Entlassung 1937 Marias Mutter um Vergebung – die sie ihm mit den Worten gewährte: „Wenn Maria Ihnen verziehen hat, wie könnte ich es nicht?“ – und arbeitete bis zu seinem Tode 1970 als Gärtner bei den Kapuzinern von Macerata. Im Seligsprechungsprozeß sagte er als Zeuge aus. Ein beeindruckendes Argument, wenn es eines bräuchte, gegen die unmenschliche Praxis der Todesstrafe.

Am Ende seines Lebens schrieb Serenelli einen Brief, in dem er Gott und die Familie Marias um Vergebung bat, „für den zweifachen Frevel, den ich der Märtyrin Maria Goretti und der Reinheit angetan habe“, und drückte die Hoffnung aus, daß auch ihm vergeben werden könne.

Hier muß man wirklich an den Schächer am Kreuz denken: Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. Und: es ist niemals zu spät, umzukehren und nach dem rechten Weg zu suchen, die Hand Christi zu ergreifen.

„Ich bin über achtzig Jahre alt und dem Ende nahe. Wenn ich auf meine Vergangenheit zurückblicke, erkenne ich, daß ich in früher Jugend einen schlechten Weg eingeschlagen habe, der mich ins Verderben führte. Ohne nachzudenken, folgten die meisten jungen Leute schlechten Büchern, Darbietungen und schlechtem Beispiel, wie auch ich. Ich machte mir keine Gedanken.

Um mich herum gab es viele gläubige und hingebungsvolle Menschen, aber ich schenkte ihnen keine Beachtung, weil das Böse mich blendete und mich zu einer Lebensweise drängte, die falsch war.

Im Alter von zwanzig Jahren beging ich aus Leidenschaft ein Verbrechen. Die Erinnerung daran ist für mich schrecklich. Maria Goretti, die nun eine Heilige ist, war mein guter Engel, den mir die Vorsehung gesandt hat, um mich zu führen und zu retten. Ihre Worte des Tadels und der Vergebung haben sich tief in mein Herz gebrannt. Sie betete für mich, sie bat für ihren Mörder.

Dreißig Jahre Gefängnis folgten. Wäre ich älter gewesen, hätte man mich zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt, und ich hätte mein ganzes Leben im Gefängnis verbracht. Ich nahm das Urteil hin, weil es meine eigene Schuld war.

Die kleine Maria war wirklich mein Licht, meine Beschützerin; mit ihrer Hilfe ich mich in den Jahren gut geführt und versuchte, ein ehrliches Leben zu führen, als die Gesellschaft mich wieder als einen der ihren aufnahm.

Die Brüder des hl. Franziskus, die Kapuziner von Macerata, nahmen mich mit engelsgleicher Liebe in ihrem Kloster auf, als Bruder, nicht als Diener. Ich habe seit 1936 in ihrer Gemeinschaft gelebt, und nun erwarte ich gelassen, das Antlitz Gottes zu schauen, meine Geliebten wieder zu umarmen und meinem Schutzengel und ihrer lieben Mutter, Assunta, wieder nahe zu sein.

Ich hoffe, daß dieser Brief, den ich schreibe, andere lehrt, das Böse zu meiden und von Kindheit an immer dem rechten Weg zu folgen. Ich glaube, daß der Glaube mit seinen Geboten nicht etwas ist, ohne das wir gut auskommen könnten, sondern daß er vielmehr die wahre Tröstung ist, die wahre Kraft im Leben und unter allen Umständen, auch den schmerzlichsten im Leben, der einzig sichere Weg.“

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Bilder: die nach der Heiligen benannte Amaryllis Maria Goretti; Alessandro Serenelli in Andacht vor einem Bildnis Marias.

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