Montag, 23. Juli 2012

Der Herr ist mein Hirte…


So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes. (Ez. 34, 11-13)

Das Bild vom Hirten, der sich um seine Herde sorgt, durchzieht die ganze Liturgie des 16. Sonntags im Jahreskreis.

Denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. Dieser Schlußsatz des Evangeliums hat mich begleitet. Benedicte Deus hat dazu ein Bild eingestellt, das den guten Hirten zeigt, wie er ein Schaf aus dem Dornengestrupp befreit – ein schönes Bild des Bußsakramentes.

Der Antwortpsalm zu dieser Messe ist Psalm 23, der Herr ist mein Hirte, den ich sehr liebe. Ein Bild, an dem meine Gedanken schon in Kindertagen hängengeblieben sind, ist der Vers: dein Stecken und Stab trösten mich. Als Kind habe ich das zwar schon als Bild des Hirtenstabes erkannt, der nicht nur den Hirten kennzeichnet, sondern für diesen auch ein Werkzeug ist, mit denen er Schafe vom Abgrund zurückreißen kann. Allerdings habe ich Stecken und Stab als eines angesehen, denn sonst hätte ich keinen Sinn drin gefunden – wie sollte mich ein Stecken trösten können? In der Tat heißt es aber in der lateinischen Fassung: Virga tua et baculus tuus, ipsa me consolata sunt. Hieraus geht vielleicht ein wenig deutlicher hervor, daß es sich um zwei verschiedene Gerätschaften des Hirten
handelt. Das, was als Stecken bezeichnet wurde, war wohl eine Art stachelbesetzter Keule zur Abwehr von Raubtieren. Ich hoffe ja, daß auf der Kinderzeichnung der arme Wolf nicht im nächsten Moment den Stecken zu spüren bekommt, aber der Sinn ist klar: komm meinen Schafen nicht zu nahe!

Unter den vielen Bildern, uns Jesus Christus als den vor Augen stellen, der die Worte des Propheten Ezechiel erfüllt, ist das des guten Hirten eines eines der eindringlichsten und zärtlichsten.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich habe mal die christologische Deutung gehört, dass sich die beiden "Stäbe" letztlich auf das Kreuz beziehen. Herzlichen Dank für Alles!

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