Donnerstag, 12. Juli 2012

404 – help me, Saint Anthony!

Gestern abend bin ich etwas hastig aus dem Internetcafé aufgebrochen. Als ich auf dem U-Bahnsteig ankam und ein wenig lesen wollte, stellte sich heraus, daß meine Brille weg war. Im Internetcafé hatte ich sie aber noch (ohne eine Brille hab ich nicht die geringste Scharfsicht). Also nach fieberhaft durchsuchtem Rucksack zurück, in der Hoffnung, die Brille läge noch dort auf dem Tisch. Unterwegs hab ich ausgiebig den hl. Antonius angerufen, denn so eine Brille ist teuer und ohne sie tappe ich am Arbeitsplatz herum wie ein Maulwurf, was also tun, bis ich gegebenenfalls eine neue hätte?

Zurück im Café stellte sich heraus, die Brille lag nicht dort. Während ich dort noch fieberhaft und unter weiterer Anrufung des Heiligen nochmals meinen Rucksack durchkämmte (ein Riß im Innenfutter ist tückisch, da kann bis hin zum Heiligen Gral alles drin sein), kam Gottseidank der Ladenbesitzer: ein Passant hat meine Brille auf dem Boden vor dem Laden gefunden und drinnen abgegeben. Eigentlich dachte ich, der unseligen Angewohnheit, Brillen in meiner Rocktasche unterzubringen, entsagt zu haben. Aber nein! Jedenfalls hat der hl. Antonius wiedermal bei mir etwas gut, ich meine, die Brille hätte überall auf dem Weg liegen können und wäre dann wahrscheinlich weg gewesen. Deo Gratias, ich bin immer noch ganz glücklich.

Antoniusstatuen findet man in vielen katholischen Kirchen, meist verbunden mit einem Opferkasten, denn es ist alte Tradition, dort etwas einzuwerfen, wenn man das Verlorengeglaubte wiedererlangt hat. Aus diesem Grunde klimperts aus der Ecke des Opferkastens unserer Antoniusstatue oft, manche kommen sogar extra in die Kirche, um beim Heiligen etwas einzuwerfen. Was dort im Opferkasten ist, wird übrigens tatsächlich getrennt behandelt und geht hierzukirch an Waisenkinder.

Die Geschichte mit dem Heiligen und der Wiederbringung verlorener oder vergessener Gegenstände geht auf eine Überlieferung zurück, derzufolge ein Novize, der die Minderbrüder verlassen hatte, das Stundenbuch des hl. Antonius mitgenommen hatte. Antonius betete inständig: nicht nur darum, sein Stundenbuch[1] wiederzubekommen, sondern auch darum, daß der Novize zurückkäme. Der Novize wiederum brachte nicht nur das Buch zurück, sondern er trat auch aufs Neue der Gemeinschaft bei. Aus diesem Grund wird Antonius, von dem schon zu Lebzeiten Wunder berichtet wurden, nicht nur angerufen, wenn man etwas sucht, sondern auch, wenn man eine neue Arbeit braucht und sogar, wenn Menschen vermißt werden. Es gibt auch Geschichten von Menschen, die selbst verlorengingen und, vielleicht durch ein Stoßgebet, den rechten Weg wiederfanden oder glücklich gefunden wurden.

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[1] Bücher waren damals kostbar. Die Regel der Bettelorden legt ausdrücklich fest, daß die Brüder und Schwestern Breviere haben dürfen. Außer einer Tunika war das wahrscheinlich so ziemlich das einzige, was man zum persönlichen Gebrauch hatte. Entsprechend verzweifelt war Antonius wahrscheinlich bei der Entdeckung des Verlusts seines Breviers.


Bild: besonders drolliges Antoniusbildnis: der Heilige predigt den Fischen, hier einem netten Hai, der nichtsdestoweniger leicht gequält dreinschaut.

Kommentare:

Juergen hat gesagt…

Mit Antonius ist das so eine Sache. Da muß man arg aufpassen, nicht falsch zu machen.

Ein Fallschirmjäger springt aus einem Flugzeug. Der Fallschirm öffnet sich nicht. In seiner Verzweiflung ruft er den heiligen Antonius an. Eine riesige Hand kommt daraufhin aus einer Wolke und hält ihn im Fallen auf.
Dann fragt eine Stimme: "Welchen Antonius hast du gerufen?"
"Antonius von Padua", sagt der Fallschirmspringer.
"Tut mir leid", sagt die Stimme, "der bin ich nicht", und öffnet die Hand, wieder...

Cinderella01 hat gesagt…

Der heilige Antonius ist auch mein bester Freund.
Ich würde den Großteil des Tages mit Suchen verbringen, wenn ich ihn nicht hätte. Ganze Romane könnte ich darüber schreiben, wie er immer wieder hilf.
Danke für das schöne Zeugnis...
Die Antonius-Opferstöcke gibt's hier in den Innenstadtkirchen nirgendwo und in den Stadtrandkirchen schon gar nicht. Nur auf dem Land findet man in jeder Kirche einen Antonius-Opferstock. Da werfe ich dann auch immer was rein ....

Cassandra hat gesagt…

Antonius hat dafür gesorgt, dass meine Tante wieder auftauchte nachdem sie verschwunden war.

Seitdem hört er öfter von mir. Damals grad dabei gewesen katholisch zu werden und meine Patin meinte als sie hörte was passiert ist, dass wir mal den heiligen Antonius bitten sollten zu gucken. Ich war skeptisch, aber was konnte es schaden? Schlimmer konnte es kaum werden, also los.

Hat geklappt, es konnte kaum einen besseren Beweis für die Fürsprache der Heiligen geben als heile wiederaufgetauchte Tanten.

Diesem armen Hai wünscht man allerdings die baldige Rückkehr in's feuchte Element :-)

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