Dienstag, 26. Juni 2012

Jurassic Park liegt offenbar in weiter Ferne

Die Pintaschildkröte George konnte einem schon wegen des Namens leid tun –, der Spitzname „lonesome George“ deutete schon auf sein Schicksal hin: das männliche Exemplar einer Chelonoidis nigra abingdoni war das letzte seiner Art, die seit 1912 als ausgestorben bzw. wohl eher ausgerottet galt.

Von den fünfzehn Riesenschildkrötenarten der Galapagosinseln sind heute bereits vier ausgerottet, entweder weil man die Tiere zum Fressen gern hatte, weil man Schildpatt wollte oder den Schildkröten das Grünzeug nicht gönnte, was sie fressen. Solche Beispiele des schlechten Umgangs des Menschen mit der Schöpfung finde ich immer etwas bedrückend – so war es nicht gemeint mit der Schöpfung. Nun starb das einsame Männchen gestern im Alter von über 105 Jahren, was für solche Arten offenbar recht früh ist (es sollen auch Riesenschildkröten 250 Jahre alt geworden sein) – vielleicht wollte er auch einfach nicht mehr leben. Einundvierzig Jahre Gefangenschaft ist mehr, als man den meisten Menschen zumutet. Einen wunderschönen und abenteuerlich erscheinenden Film über die Befreiung von Schildkröten – allerdings Meeresschildkröten, die riesige Strecken zurücklegen – aus allzulanger Gefangenschaft in einem Aquarium hat Harold Pinter gedreht, Turtle Diary[1], nach einem Roman von Russell Hoban.

Diverse Versuche, das Erbgut der Chelonoidis nigra abingdoni mit Eiern verwandter Riesenschildkrötenarten zu erhalten, sind leider gescheitert. In Filmen wird die Gewinnung von Erbgut aus Fossilien bzw. konservierten Körpern und die Erzeugung neuen Lebens daraus ja gern mal ziemlich flockig und einfach dargestellt, ganz so einfach ist es nicht. Ersteres kann der Mensch, Leben auf diese Weise erschaffen kann er (noch) nicht. Was die interessante Frage berührt, was passiert, wenn er es kann? Erhebt sich dann der Mensch an die Seite Gottes, indem er Schöpfer wird? Herr, wie zahlreich sind deine Werke, in Weisheit hast du sie alle erschaffen, besingt der Psalmist die Schöpfung. Wird der Mensch das je verstehen und entsprechend handeln?
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[1] Auf deutsch auch Ozeanische Gefühle, von 1985

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