Freitag, 22. Juni 2012

Freut euch, daß ihr Anteil an den Leiden Christi habt – hll. Thomas Morus und John Fisher

Wenn ich an Thomas Morus denke, fällt mir immer auch der Kupferstich ein, auf den man ihn mit seiner Tochter an einem Fenster im Tower stehen sieht – er blickt auf das Martyrium der englischen Kartäuser. Heinrich VIII. in seinem Wahn und seiner Gier nach Besitzungen und Geld ließ die englischen Kartausen auflösen und achtzehn Mönche hinrichten, weil die Priore der englischen Kartausen sich weigerten, den Suprematseid auf den König als Oberhaupt der Kirche zu schwören – ebenso wie es Thomas Morus und der Bischof John Fisher getan hatten, deren Gedenktag wir heute feiern.

Diese Hinrichtung fand auf die denkbar grausigste Weise statt: die Kombination aus Hängen, Strecken, Ausdärmen und Enthauptung. Das Kapitelhaus der Kartause vom hl. Hugo von Parkminster ist mit Darstellungen dieses Martyriums ausgemalt – der Künstler fügte diesen Darstellungen Engel hinzu, die die Seelen der Märtyrer empfangen und in den Himmel geleiten.

Hält man sich vor Augen, daß der hl. Thomas Morus solches mitansehen mußte – ohne einen Blick auf die Engel – im Bewußtsein, daß ihm ein solcher Tod ebenfalls drohte, kann man seinen Mut und seine Treue zur Kirche nur bewundern. An sich macht einen schon der Anblick des Towers schaudern. Ich mußte an Dante denken: Ihr, die ihr hier eintretet, laßt alle Hoffnung fahren.


Vielleicht haben sich diese heiligen Märtyrer vor Augen gehalten, was wir heute in der Lesung hören: Freut euch, daß ihr Anteil an den Leiden Christi habt, denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Die Aufforderung, sich zum Namen Christi zu bekennen, hat der hl. Thomas Morus unmittelbar verwirklicht – „Ich sterbe als treuer Diener des Königs, aber als Gottes Diener zuerst“ – aber zugleich auf die eindeutigste und unwiderruflichste Weise des Bekenntnisses zu Christus, die es gibt.

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Bilder: Sir Thomas More and his daughter, John Rogers Herbert, 1844; das Martyrium der englischen Kartäusermärtyrer im Kapitelhaus von St. Hugh's Charterhouse, Hier sieht man mehr davon.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

War Thomas Morus nicht jener katholische Lordkanzler, der vor der Gründung der anglikanischen Kirche protestantische Ketzer gnadenlos auf dem Scheiterhaufen verheizen ließ? Ob verbrennen bei lebendigem Leib angenehmer ist als Martyrium? Jedenfalls sind diese Häretiker mit der selben Einstellung gestorben wie Thomas Morus: für ihren Glauben.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ach bitte, tell me something new – Braut des Lammes: In te domine speravi – hl. Thomas Morus

Ich hatte über das Martyrium der Tagesheiligen geschrieben, nicht etwa ein Martyrium gegen ein anderes aufgewogen.

jeannedarc hat gesagt…

Wenn ich an die Diskussionen dieser Tage und überhaupt der letzten Zeit denke, wo über die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener diskutiert wird und somit auch an der Unauflöslichkeit der Ehe gerüttelt wird, dann muss ich an den Hl. Thomas Morus und viele Andere denken, die ihrem Gewissen gefolgt und deshalb für ihre Überzeugung in den Tod gegangen sind. Da relatvieren sich m.M. nach solche Forderungen.
L.G.

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