Dienstag, 19. Juni 2012

Camaldoli

Vor etwas mehr als tausend Jahren ließ sich ein ehemaliger Benediktiner aus Ravenna in der Landschaft des Casentino, im Wald um die Stadt Camaldoli nieder, von der der Orden der Kamaldulenser seinen Namen hat. Mit fünf anderen errichtete Romuald dort eine Reihe von Einsiedeleien, ähnlich einer Kartause: Eremiten, die an einem Ort wohnen und sich zum gemeinsamen Gebet versammeln.

Tausend Jahre einsiedlerischen Lebens in Camaldoli – der Orden war nie groß, zur Zeit gehören ihm etwa einhundert Männer weltweit an. Und doch, wer weiß, was ihre Gebete bewirken, wessen Lebenswege sich ändern, weil ein Mönch in der Stille der Nacht für ihn gebetet hat? Die Mönche stehen nachts zum Gebet auf, um 3.30 Uhr in der Frühe, eine Zeit, in der viele Menschen dem Tode nahe sind, die Schwermütigen und Kranken vielleicht keine Ruhe finden.

Die Kraft eines solchen Lebens hat auch in unserer Zeit Anziehung, in Thomas Mertons Berg der sieben Stufen lesen wir, daß, als er seine Berufung schon verloren glaubte, ein Bildband aus Camaldoli ihn so anrührte, daß sich in seinem Herzen etwas auftat „wie eine breite Wunde“. Er trat dann bei den Trappisten ein, die Sehnsucht nach dem Leben in der Einsiedelei verließ ihn jedoch zeitlebens nicht.




Heute feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Romuald. In der Heiligen Messe habe ich die Fürbitte angefügt, Gott möge dem Orden immer wieder Männer zuführen, die zu einem solch verborgenen Leben in der Stille berufen sind.

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Bilder: die Wälder um Camaldoli, in der die Eremo di Camaldoli liegt. Gegenwärtig leben dort achtzehn Mönche.

Kommentare:

Matthäus hat gesagt…

Danke für diesen aufbauenden und wohltuenden Artikel! Möge er viel Segen bewirken!

lG Mt

ultramontan hat gesagt…

Danke.

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