Freitag, 15. Juni 2012

Bloggen – das Unaussprechliche (2)

Eine These bei den Vorträgen in Freiburg sorgte auch in den Diskussionen der Blogger untereinander in den Kleingruppen für regen Austausch: ob die Beschäftigung etwa mit liturgischen Detailfragen (etwa zur Mundkommunion) nicht manchmal dafür sorge, daß man weniger Menschen erreiche?

Das kann sein, allerdings: ich setze mich doch nicht hin und überlege, was möglichst viele Menschen interessiert oder frage mich, womit kann ich möglichst viele Menschen erreichen bzw. bekehren?

Um es mit Gertrude Stein zu sagen: Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog. Ich verblogge, was mir durch den Sinn geht, abzüglich dessen, was mir zwar auch durch den Sinn geht, sich aber nicht zur Veröffentlichung eignet – eher schon dazu, bei der Beichte durchs Gitter gemurmelt zu werden –, und natürlich abzüglich all dessen, was ich schon deshalb nicht verblogge, weil ich außer Bloggen dann und wann noch etwas anderes mache (kein großer Verlust). Unter anderem hier hatte ich mich zu dem Thema ja schon einmal kurz geäußert. Insofern ist das doch vom Ansatz eines Blogs her gar nicht so weit entfernt und insofern hab ich mich über das Statement in einem der Referate (sinngemäß:) „Ursprünglich waren Blogs Online-Tagebücher“ ein wenig gewundert. Eigentlich sind sie das doch immer noch. Wenn das Grundthema ein vorwiegend geistliches ist, mag das daran liegen, daß der Blogger versucht, ein geistliches Leben zu führen. Wenn einer eine reine Materialsammlung ohne ein einziges persönliches Wort zusammenträgt oder die Erfahrungen mehrerer Jahre scheibchenweise hintereinanderweg veröffentlicht, so führt er ganz strenggenommen eigentlich kein Blog, sondern nutzt meines Erachtens nur die Architektur und die gestalterischen Möglichkeiten eines solchen. (Wogegen ich nichts gesagt haben will. Vielleicht ist es auch der Nerd in mir, der zu solchen Unterscheidungen neigt.)

In der Vorstellungsrunde kamen vielfältige Begründungen zum Thema „Warum blogge ich bzw. was hat mich dahin gebracht?“ zur Sprache – vielfältig wie die anwesenden Blogger selbst. Dabei kam Berührendes zutage. Interessante Antworten aus Historie und Film wären auch denkbar gewesen: „Weil wir es können!“ (Die Frauen von Stepford) oder „Weil er da ist!“ (George Mallory über den Everest). Ins Schwarze trifft aber wahrscheinlich: weil es Spaß macht. Bei wohl keinem anderen Medium hab ich überdies derartige Möglichkeiten in Bezug auf Form, Gestaltung und Inhalt. Zu bestimmten Themen findet man sehr wenig bis gar nichts im Netz und ich hab die Möglichkeit, was drüber zu schreiben.

Also, ich setze mich hin und dresche auf meine Tastatur ein, weil ich Lust dazu habe, weil mich etwas umtreibt oder mir in den Sinn kommt. Wenn ich damit einen Menschen erreiche, wenn ihm das Geschriebene gefällt, wenn es jemandem hilft, freue ich mich. Es ist allerdings, um es ehrlich zu sagen, nicht der Grund, warum ich mich hingesetzt habe. Eigentlich wollte ich nur schreiben.

Ich kann mir vorstellen, daß eben die Tatsache, daß man sieht, hier schreibt jemand, was das Leben aus dem Glauben für ihn oder sie konkret bedeutet, was ihn dabei umtreibt, womit er vielleicht auch ringt und nicht zuletzt, was er schön findet, was ihn beglückt und erfüllt, was seine Sehnsucht ist, tatsächlich hohen Zeugnischarakter haben kann – ganz nebenbei.

Kommentare:

ultramontan hat gesagt…

*thumbs-up*

Freiburgbärin hat gesagt…

Es macht einfach nur Freude. Das Schreiben, das Fotodesignen und -montieren, Musik zu arrangieren usw. usw.
Wenn alles zusammenpasst und es auch halbwegs beachtet wird, was will ich mehr.
Allein, die Thematik, mein Glaube, ist die Richtschnur dessen, was ich mache.
Liebe Grüße
Freiburgbärin

Gertie di Sasso hat gesagt…

Das Bild ist ja mal cool!!! :D

Und, sollte ich mich angesprochen fühlen? ;)

Johannes hat gesagt…

Wo hast Du nur immer diese Bilder her

Braut des Lammes hat gesagt…

Wo ich das Bild her hab, weiß ich leider gar nicht mehr, es ist schon etwas älter.

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