Mittwoch, 16. Mai 2012

…und zum Schluß fehlt nie…

– tada – die kalte Sophie.

Wer in Süddeutschland wohnt, merkt sich Namen und Reihenfolge der Eisheiligen mit dem Merkspruch: „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluß fehlt nie die kalte Sophie.“ Kalt wird sie hierzulande deshalb genannt, weil es zu ihrem Gedenktag, dem 15. Mai, noch einmal frieren kann. (So kalt war die kalte Sophie, hier mit Temperaturen bis zu 17 Grad tagsüber gestern übrigens nicht. Ich glaub, sämtliche Herren Bazi mit Sophie sind dieses Jahr einige Tage früher gekommen.)

Sophia von Rom (zuweilen auch von Mailand) war das, was man im Laufe der Jahrhunderte manchmal geweihte Witwe genannt hat: Nach dem Tode ihres Mannes weihte sie ihr Leben dem Dienst Christi. In den Christenverfolgungen des Kaisers Diokletian erlitt sie mit ihren Töchtern um 304 das Martyrium.

Der Überlieferung zufolge hatte sie drei Töchter, geweihte Jungfrauen, die sie Caritas, Fides und Spes nannte – Glaube, Liebe, Hoffnung, wie schön. (Im Englischen ginge das heutzutage noch: Charity, Faith und Hope. Im Lateinischen scheinen sich als Namen nur zwei gehalten zu haben – im Laufe meines Lebens sind mir zwar Ordenschwestern begegnet, die Caritas oder Fides hießen, aber eine Spes halt noch nicht.)

Interessanterweise bedeutet Sophia Weisheit. Aus der Weisheit gehen Glaube, Liebe und Hoffnung hervor. Die Weisheit gehört zu den Gaben des Geistes. Der Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, und beim Propheten Jesaja lesen wir über den Erlöser die wundervolle Aussage:
Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
Dem Propheten ist diese fast hymnische Aussage über den Geist und die Gottesfurcht so wichtig, daß er sie sogar noch einmal wiederholt: Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.

Als ich neulich drüber nachdachte, kam mir in den Sinn, daß Papst Benedikt mit der Ankündigung eines Jahres des Glaubens diese schöne Trias aus Glauben, Liebe und Hoffnung eigentlich in gewisser Weise vervollständigt hat: er hat zwei Enzykliken geschrieben: Spe salvi und Caritas in veritate. Nun noch das apostolische Schreiben Porta fidei, die Tür zum Glauben. Keine Enzyklika, aber ein ganzes Jahr, das im Oktober beginnt und in dem die Kirche in besonderer Weise über diese Tür zum Glauben nachdenkt, darüber, was es bedeutet, durch sie einzutreten und wie man möglichst vielen Menschen diese Tür zeigen kann. Ich freue mich darauf. – Das Jahr des Glaubens wird auch Thema des Bloggertreffens in Freiburg Anfang Juni sein.
Wir dürfen nicht zulassen, daß das Salz schal wird und das Licht verborgenen gehalten wird. Auch der Mensch von heute kann wieder das Bedürfnis verspüren, wie die Samariterin zum Brunnen zu gehen, um Jesus zu hören, der dazu einlädt, an ihn zu glauben und aus der Quelle zu schöpfen, aus der lebendiges Wasser hervorsprudelt. Wir müssen wieder Geschmack daran finden, uns vom durch die Kirche treu überlieferten Wort Gottes und vom Brot des Lebens zu nähren – Gaben, die allen zur Stärkung angeboten werden, die seine Jünger sind. Die Lehre Jesu ertönt nämlich noch in unseren Tagen mit derselben Kraft: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt“. Die Frage derer, die ihn hörten, ist die gleiche auch für uns heute: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“. Die Antwort Jesu kennen wir: „Das ist das Werk Gottes, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ . An Jesus Christus zu glauben ist also der Weg, um endgültig zum Heil zu gelangen.

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Bild: Ikone der hl. Sophia mit ihren drei Töchtern. Ikonographisch vermute ich mal von links nach rechts: Caritas (in rot), Fides und Spes (in grün).

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