Montag, 14. Mai 2012

Stella matutina – Morgenstern

Das Bild ist sozusagen zwei in eins: neben dem Morgenstern ist ja auch der Mond ein Mariensymbol.

Es gibt kein Symbol in dieser Welt der Zeichen und Sinne, das die Herrlichkeit der jenseitigen Welt besser darstellen könnte als der Morgenstern. Er ist das Zeichen des kommenden Tages, der Vorbote der aufsteigenden Sonne. Sein Erscheinen kündigt dem Kranken in den langen Winternächten den sicheren Tag an. Er ist das Versprechen, die Verheißung des Lichtes. Der Sinn der Verheißung lag schon in dem Titel „mystische Rose“, aber weil auf die Blume nicht immer die Frucht folgt, mußte er in dem Ehrennamen „Morgenstern“ ganz zur Entfaltung kommen. Denn Maria ist wesentliche Verheißung, und der Morgenstern ihr vollkommenstes Symbol.

Die Rose gehört der Erde an, die Sterne aber dem Himmel. Kein Wechsel, keine Feuersglut, keine Stürme, keine Wasserfluten berühren die Sterne – sie leuchten unbeirrt und ruhig über allen Teilen dieser wirren Erde.

Die Rose hat nur ein kurzes Leben. Ihr Zerfall ist da, sobald sie die Höhe der Entwicklung und ihren schönsten Schmuck, ihren feinsten Duft erreicht hat. Maria aber glänzt wie die Sterne, heute noch wie am Tage der Himmelfahrt, und wird in unvermindertem, unverblühtem Glänze leuchten, wenn ihr Sohn am Ende der Tage kommen wird, die Welt zu richten. Sie leuchtet ferner, wie der Morgenstern, nicht von sich und nicht für sich, sondern ist nur der Reflex des Schöpfers und Erlösers, und will nur ihn verherrlichen. Wenn sie im Dunkel erscheint, wissen wir, daß er nahe ist. (aus Der Maimonat des sel. John Henry Kardinal Newman)

Kommentare:

aloysius hat gesagt…

Vielen, vielen Dank für diese schöne Betrachtung!
Vielleicht darf ich, passt passend, hier einfach mal eine Frage stellen:
Oft wird Maria (gemäß der Apokalypse) auf der Mondsichel stehend dargestellt; was bedeutet aber das Gesicht, das diese Mondsichel (oft) hat?

Mit vielen Grüßen aus dem Süden,
aloysius

Braut des Lammes hat gesagt…

Hier mußte ich erst einen Moment überlegen, weil mir bisher, wenn ich mich recht entsinne, nur Mondsichelmadonnen ohne "Mondgesicht" begegnet sind. Dann kam mir in den Sinn, daß es vielleicht wegen der Stelle aus dem Hohenlied ist, in der es heißt:
Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot wie der Mond so schön, strahlend rein wie die Sonne, prächtig wie Himmelsbilder? Wenn man Maria so schön wie den Mond nennt, erschien es dem Künstler vielleicht naheliegend, dem Mond ein Gesicht zu geben.

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