Donnerstag, 17. Mai 2012

Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten – Christi Himmelfahrt

Ich bin ausgegangen vom Vater und in die Welt gekommen. Ich verlasse nun wieder die Welt und gehe zum Vater. (Antiphon zur ersten Vesper)
Das schöne an den Festen des Kirchenjahres ist, daß einem in jedem Jahr ein anderer Aspekt deutlicher vor Augen treten mag. Christus fährt zum Vater auf, nachdem er sich volle vierzig Tage seinen Jüngern immer wieder gezeigt hat. Es ist ein Abschied, aber er geht zum Vater. Sie sahen das Ende des Auferstehungsgeschehens, nicht jedoch den Anfang. Sie sahen den Anfang der Himmelfahrt, nicht jedoch das Ende, schreibt der Kirchenvater Chrysostomus. Das Ende ist Christus zur Rechten des Vaters, in Herrlichkeit und Glorie. Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe– nun ist es vollendet.

In vielen Worten hat Jesus seine Jünger immer wieder darauf verwiesen, von wem er stammt und wohin er geht: Er kommt vom Vater und kehrt zu ihm zurück. Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und deshalb erscheint mir das Fest in diesem Jahr als ein sehr tröstliches: es birgt unmittelbar unsere Hoffnung auf den Tag, an dem wir selbst Gott schauen werden, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht, und Wohnung nehmen werden an dem Platz, den Christus für uns vorbereitet hat.

Die Antiphonen und Responsorien des Stundengebets des Tages besingen Christus als den Verherrlichten:
O König der Herrlichkeit und Herr der Scharen! Als Sieger steigst du heute empor über alle Himmel.

Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. (zweite Vesper)

Mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände. (Terz)

Frohlockend wie ein Held vollendet er den Lauf, zum höchsten Himmel kehrt der Herr zurück. (Sext)

Zugleich ist es gleichsam eine Vorwegnahme dessen, was unser eigener Lauf sein kann: Christus, in seinem menschlichen Leib, geht zu Gott ein, ist uns als Mensch vorangegangen in die Herrlichkeit des Vaters. Ich muß dabei an die Gewißheit Hiobs wie Pauli denken, Gott selbst einmal zu schauen, von Angesicht zu Angesicht: Meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Vor kurzem ist völlig unerwartet ein Mann gestorben, mit dem ich in den letzten Jahren viel über solche Fragen diskutiert habe: ob, wie und in welcher Form wir Gott eines Tages schauen werden, wie wir uns die Auferstehung des Leibes vorstellen, alles sowas, nicht zuletzt gerade am Himmelfahrtfest des vergangen Jahres. Nicht nur wegen dieser Gespräche, sondern auch wegen seiner Güte ist er mir in den Jahren sehr lieb geworden, und er fehlt mir. Ich glaube aber, ich daß er es inzwischen selbst sieht, nicht mehr fremd, in einer der Wohnungen, die der Vater bereitet hat.
Jesus, du Quelle unseres Heils
der Liebe und der Sehnsucht Ziel
du Gott und Schöpfer aller Welt
und Mensch am Abend dieser Zeit.

Wie groß muß deine Liebe sein!
Du nimmst der Sünde Last auf dich;
du lieferst dich dem Tode aus,
um uns vom Tode zu befrein.

Mit Macht sprengst du der Hölle Tor
befreist die Deinen aus der Haft.
Als Sieger thronst du jetzt im Licht
zu deines Vaters rechter Hand

Sei unsere Freude, unser Trost,
sei unseres Lebens reicher Lohn
und stille unser Sehnen, Herr,
wenn wir dein Antlitz ewig schaun.
(Hymnus zum Fest)

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