Dienstag, 15. Mai 2012

Catholic kitsch

Dorothea führt unter Verweis auf den Artikel von Martin Mosebach im VATiCAN Magazin hier ins Feld, daß Bildnisse unserer lieben Frau von Lourdes ein hohes Maß an katholischer Identifikation und Heimeligkeit ausmachen. (Leider, glaub ich, hat unser Pfarrer gar keinen Garten…)

Zum Thema Kitsch[1] ließe sich tatsächlich viel sagen (mache ich womöglich in den nächsten Tagen auch noch), wobei die Grenze dessen, was ein Mensch als kitschig empfindet, ja durchaus verschieden angesetzt sein kann. Indes gibt es Dinge, wie wohl wirklich, nach jedem Maßstab, kitschig sind – und wir Katholiken lieben sie trotzdem. Ein Beispiel dürfte die Statuette unser lieben Frau von Lourdes sein, die ich vor einigen Jahren aus Rom mitbrachte: aus Gips, mit roten Rosen und stellenweise mit blauem und rotem Flitter besprüht. Diese Madonnenfigur fand auch im Freundeskreis großen Anklang, weshalb ich vom nächsten Romaufenthalt gleich mehrere mitbrachte (einer meiner Freunde hat eine Wohnung, die man diesbezüglich nur als Gesamtkunstwerk bezeichnen kann).

Gern stellte ich ein Bild der besagten Figur ein, leider hat sich meine eigene Kitschmadonna vor einiger Zeit zu Tode gestürzt (weil eine Katze draufsprang – „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, das muß fallen und vergehen…“). Heul. Ich muß dringendst mal wieder nach Rom.

Unsere liebe Frau von Lourdes mit Grotte zum Backen hatte ich vor einiger Zeit schon mal am Gedenktag verbloggt. Im selben Beitrag kann man sich auch Anregungen zum Thema Bathtub-Madonna holen (ist im Grunde ja recht simpel: man nehme zwei Drittel einer alten Zinkbadewanne und eine Statue unser lieben Frau). Und ein Spielset mit heiliger Bernadette und ausziehbarer Grotte für kleine und große Kinder kann man sich hier bestellen.

Nebenbei bemerkt, die hl. Bernadette selbst fand die Statue, die der Künstler auftragsgemäß für die Grotte geschaffen hatte, übrigens ziemlich grauslig. Das kann allerdings auch kaum anders sein, hatte Bernadette doch die Gottesmutter selbst gesehen.

Das Bild oben heißt Ham Radio, stammt von dem Amerikaner Linden Frederick und bringt implizit zum Ausdruck, wie beliebt gerade unsere Liebe Frau von Lourdes ist. Und dabei geht es meinem Gefühl nach nicht vorwiegend um Kitsch. Die Erscheinungen der Gottesmutter in Lourdes sind ein Zeichen ihrer Nähe zu den Menschen. Kein Wunder, daß die Katholiken auch die Gottesmutter nahe bei sich haben möchten.

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[1] Unser Wort „Kitsch“ ist übrigens eines, das unverändert ins Englische eingegangen ist. Neben „Weltschmerz“ und „Kindergarten“.

Kommentare:

johannes hat gesagt…

Dein Posting ermutigt mich, auch bei mir eine Rubrik "kathokitsch" zu eröffnen. Danke! Freue mich schon drauf.

Admiral hat gesagt…

Zu [1]: Du hast 'Fahrvergnügen' vergessen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich glaub, das "Fahrvernügen" hab ich noch nicht gehört.

Ursprünglich dabei hatte ich noch den "Blitzkrieg", bis mir der Gedanke kam, daß das wohl nur eingeschränkt in die Kategorie paßt, weil die Verwendung wohl nur im zeitlichen Kontext erfolgt.

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