Freitag, 20. April 2012

Stolpersteine


In den Aufarbeitungen der Wende hörte ich in irgendeiner Doku die Antwort einer Anwohnerin auf die Frage, ob sie denn nicht gewußt habe, daß ganz in der Nähe ihres Wohnhauses das Gefängnis Hohenschönhausen gewesen sei? Nein, sie sei die Straße immer in die andere Richtung hinuntergegangen. Damals hielt ich das für eine reichlich blöde Ausrede, vielleicht ist es das auch, immerhin hat sie einen Punkt gemacht: der Mensch neigt dazu, tatsächlich immer wieder denselben Weg zu wählen, schon weil der Körper das oft unwillkürlich tut. So habe ich diese gleich vier Stolpersteine auch erst heute gesehen, weil ich sonst eigentlich immer die andere Seite der Straße benutze (weiter oben an der Straße sind noch viel mehr, auf der „richtigen“ Seite übrigens, aber da gehe ich nie. Siehst du wohl!)

Auch auf dem Gelände des Arbeitsplatzes gibt es seit einigen Jahren Stolpersteine, die an ermordete Wissenschaftler erinnern.

Der Name „Stolperstein“ ist gut gewählt, wie ich finde: man gerät, wenn man ihn erstmals wahrnimmt, tatsächlich aus dem gewohnten Tritt. Auch achte ich drauf, eben nicht auf sie zu treten. Sie sind Mahnmale, eine Art Grabsteine eigentlich, für die vielen, die kein Grab haben, denen es verweigert wurde.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Derartige Stolpersteine sind bei uns in Duderstadt auch in die Straße eingelassen; an Orten, wo bis zur Progromnacht die jüdischen Bürger wohnten, die später nicht mehr da waren. Mir geht es wie Dir. Ich kann da auch nicht drübertrampeln, sondern halte immer kurz inne oder bete wenigstens ein ganz kurzes Gebet, wenn ich wieder mal "drauf stoße".

Anonym hat gesagt…

Bei uns in der Nachbarstadt (in Mittelfranken) hat man die Stolpersteine die an die in der NS Zeit ermordeten Juden erinnern sollten jetzt entfernt mit der Begrindung "So was soll es nicht geben." Da möchte wohl jemand nicht über die Vergangenheit stolpern...

LG und Gottes & Marias Segen

PS Super Blog :)

F. M. hat gesagt…

Dank für Ihren Beitrag! Ich bin in meiner Stadt auch schon auf Stolpersteine gestossen und halte das, ebenso wie Sie, für eine gute Idee, um Gedächtnis zu bewahren.

Unlängst hat der Inititator der Stolpersteine, Gunter Demnig (http://www.stolpersteine.com/) neue Steine in unserer nachbarstadt eingelassen und dabei der Lokalzeitung ein Interview gegeben.
Der Witz an der Sache ist, man SOLL auf die Stolpersteine treten! Nur dann werden sie von unseren Schuhsohlen sauber gehalten und poliert und sind immer gut lesbar. Ich mache das jetzt immer so und denke es ist ähnlich der Geste, mit der unsere älteren Geschwister die Juden (alle mir bekannten Stolpersteine erinnern an ermordetet Juden) Steine auf den Grabstein legen, wenn sie die letzte Ruhestätte eines der Ihren besuchen.

Bellfrell hat gesagt…

Bei uns in Salzburg gibt es auch Stolpersteine und im Internet sogar einen link dazu. Da kann man durch anklicken die Biographie zum jeweiligen Stolperstein nachlesen.

Wen's interessiert:

http://www.stolpersteine-salzburg.at/?page_id=23&lang=de

Anonym hat gesagt…

Ich war vergangenen Sommer im Hohenschönhausener Stasigefängnis. Die Frau konnte gar nicht wissen, daß so eine Anlage in ihrer Nachbarschaft existiert. Denn es war ein ganzes abgesperrtes Viertel, an dem die normale Straße endete. Im Stadtplan war dieses viertel nicht eingezeichnet. Wußte ich früher auch nicht.
Mit Führung sehr interessant!

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