Sonntag, 1. April 2012

O König aller Völker, komm – Palmsonntag

Mit dem Palmsonntag tritt die Kirche in die gesegnete Zeit der Heilige Woche ein, Höhepunkt und Vollendung des ganzen Kirchenjahres – die Kirche nennt das Gedächtnis der heiligen drei Tage Festum summum.

In der Karwoche gehen wir mit Christus die letzte Woche seines irdischen Weges, beginnend mit seinem Einzug in Jerusalem, auf einem jungen Esel, auf dem der Überlieferung zufolge noch niemand geritten ist – ein jungfräuliches Reittier, wenn man so will –, zugleich lassen uns die Evangelien wissen, daß dieser König des Friedens so arm und demütig ist, daß er nicht einmal einen eigenen Esel hat, weshalb er sich einen ausleihen und dem Besitzer ausrichten lassen muß: der Meister bedarf seiner.

Wunderbar und erhaben sind die Prozessionshymnen, die wir zum Kommen dieses Königs singen, denn es ist eine adventliche Stimmung – O König aller Völker, komm!
Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. (Jes. 9, 5-6)
Tochter Zion – bei uns zu Hause wird es am Heiligen Abend am Fackelfeuer gesungen, eigentlich jedoch sollte es ein Prozessionslied für den Palmsonntag sein, denn es bezieht sich unmittelbar auf eine Schriftstelle aus dem Buch Sacharja: Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Seht, dein König kommt zu dir: er ist gerecht und hilft, er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen einer Eselin. Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Euphrat bis an die Grenzen der Erde.
Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst
Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewges Reich, Hosianna in der Höh!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron, du des ewgen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Hosianna in der Höhe – bei diesem Gesang vereinigen wir uns nicht nur mit den Seraphen, die um Gottes Thron stehen und immerfort singen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt (Jes.6.3). Wir rufen Christus auch das zu, was die Menschen Jesus Christus bei seinem Einzug in Jerusalem zugerufen haben: Hosanna, hochgelobt, sei der da kommt im Namen des Herrn. Etwas, das wir Christus zurufen, wenn er bei uns einzieht, bevor wir ihn bei uns, in uns empfangen, in der heiligen Kommunion. Eine Handlung, die sich in der Kirche überall auf der Welt tagtäglich vollzieht.

In seiner ganz schlichten und vielleicht gerade deshalb schönen Predigt wies Pfr. Karlson im vergangenen Jahr am Palmsonntag auf die innige Vereinigung dieser beiden Einzüge hin:
Vielleicht erkennen wir, daß wir, während wir in die Kirche einziehen, nicht irgend etwas nachspielen oder nachahmen, das vor zweitausend Jahren geschehen ist und deshalb mit einigem Aufwand ins Heute hineingeholt werden muß. Sondern wir vergegenwärtigen uns etwas, das sich unsichtbar ständig und unaufhörlich vollzieht: Gott tritt in unsere Welt ein.

Während wir uns bewegen auf ihn hin, uns vielleicht mühen, uns überreden, doch einmal wieder in die Kirche zu gehen, bemerken wir: Er ist es, der in uns einzieht. Er ist es, der die Kirche zu einer Kirche, zu seiner Kirche macht.

Mir scheint, daß wir sehr in Gefahr sind, diese merkwürdige Bewegung zu vergessen. Wir rechnen vielleicht nicht einmal damit, daß Gott tatsächlich durch seinen Sohn in unserer Mitte, in seiner Kirche lebt und mit ihr zieht. Wir wollen versuchen, während wir diese wenigen Schritte tun, diesen Weg zum Altar zurücklegen, uns diese Wahrheit in unsere Herzen zu holen: Christus ist seinen schweren Weg zu und mit uns Menschen gegangen, damit wir einen Weg zu Gott finden – nicht allein, sondern gemeinsam als Glaubende. Gemeinsam als Glaubende ziehen wir durch die Zeit, überschreiten wir die Schwelle. Am Palmsonntag tun wir es mit der Frage im Herzen: „Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn’ ich dir?“ Bin ich bereit, in die Heilige Zeit einzutreten? Möchte ich die Geheimnisse des Todes und der Auferstehung Christi, meines Königs, an mir selbst Wirklichkeit werden lassen?

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...