Montag, 9. April 2012

Frohlocket, ihr himmlischen Haarscheren!

mittelalterliche Exsultetrolle
Grad (mehr oder weniger) komm ich aus der Heiligen Messe zum Ostermontag und hab währenddessen festgestellt, daß dieser aufgrund verschiedener Umstände der schönste und würdigste dieses Osterfestes war, zumal der Zelebrant schönerweise angeordnet hatte, daß die Sequenz ein weiteres Mal gesungen wurde (das Lektionar sieht in den Rubriken die Möglichkeit, die Sequenz auch am Oster- bzw. Pfingstmontag zu singen, ausdrücklich vor). Auch hielt er uns eine schöne Predigt über das Emmausereignis und daß man gut täte, sich Gefährten zu suchen, mit denen man auf dem Weg redet.

Ob ein Gottesdienst mich innerlich erhebt und nährt, hat nichts mit Bombastik oder Aufwand zu tun, soviel ist mir schon lange klar. Man kann auch in ganz schlichtem Rahmen wunderschöne Liturgien feiern − oft liegt es an der Haltung des Zelebranten, an dem, was ich einmal seine Verinnerlichtheit nennen möchte: man spürt, ob das, was er vollzieht, ihn selbst innerlich berührt. Von einer solchen Haltung, auch der Mitfeiernden, kann eine hohe Authenzität und Anziehungskraft ausgehen.

Noch kurz vor dem Fest kam mir ein Artikel von Fr. McNamara LC unter: Who should sing the Exsultet? Ich weiß gar nicht mehr, warum ich den Beitrag gelesen habe, denn das Prinzip ist eigentlich klar: man nehme einen Diakon, eine Osterkerze auf ihrem Leuchter, gebe das Ganze bei mittlerer Temperatur in einen Sakralbau und erhalte (hoffentlich) einen erhebenden Gesang. Soweit, so gut. Wir haben in den letzten Jahren mangels Diakon immer einen Priester genommen und das Ergebnis war wirklich wunderbar − etwas, bei dem man als Leuchterträger vom Ambo wegtritt, irgendwo zwischen seligem Lächeln und „Boah, ey!“ und etwas, woran sich die betreffenden Ministranten in diesem Jahr noch voller Dankbarkeit erinnert haben.

Fr. McNamara führt in seinen Zeilen aus, daß es zuallererst am Diakon sei, das Exsultet zu singen und fügt hinzu:
It is always possible, however, that a particular deacon (or priest) overestimates his singing ability, and a musically literate priest realizes that a relatively difficult piece such as the Exsultet is really beyond him. He may therefore decide to sing it himself out of respect for the dignity of the most solemn celebration of the liturgical year, and also so as to save the deacon a moment of embarrassment before the entire parish community.
Den Artikel hätte bei uns besser auch jemand gelesen oder sich etwas ähnliches gedacht. Wie schön wärs jedenfalls gewesen, wenn jemand soviel Fürsorge aufgebracht hätte, denn es fällt mir wirklich keine Erklärung ein, wieso einer, von dem man vorher schon wußte, daß er in etwa so musikalisch ist wie ein Schellfisch (was sich zuletzt am Karfreitag zu den großen Fürbitten eindrücklich gezeigt hat) in der Osternacht das Exsultet singt?

Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen; ich meine, es kann doch nicht der Sinn des wohl wunderbarsten Lobgesangs der ganzen Kirche sein, daß man dabei unwillkürlich Grimassen schneidet und hofft, es möge vorübergehen, damit die Qual etwas abebbt? Jeder kann sich mal versingen, auch hängt die Authenzität der Liturgie nicht am glockenreinen Ton, schließlich ist eine Kirche kein Konzertsaal. Ein gewisses Ausmaß an Gesamtschrägheit des Gesangs könnte meines Erachtens allerdings nur ein erstklassiger Heiliger (oder eben ein Fisch) überhören − beides bin ich nicht. Ich jedenfalls hab mich verzweifelt gefragt, hat er das denn nicht vorher mal jemandem vorgesungen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, was hat derjenige gesagt? Am Karfreitag konnte ich mich zu den großen Fürbitten leider nur mit Mühe bezähmen, das Beuget die Knie in der rechten Tonart mitzusummen (über sowas kann man aber angesichts des Ernstes der Situation hinwegkommen).

Für einen musikalischen Menschen ist es schwer bis unmöglich, sich vorzustellen, wie es ist, wenn einer unmusikalisch ist. Womöglich ist das wie eine dieser Fähigkeiten, die man entweder hat oder nicht (wie etwa das Zungenrollen, das an eine Erbanlage gebunden ist. Hat man die nicht, kann man die Zunge zu rollen versuchen, bis man schwarz wird). Die Frage, hört er das denn nicht?, erübrigt sich womöglich: wahrscheinlich hört er es wirklich nicht. Man kann mit Übung in einem solchen Fall einiges fertigbringen, unter anderem lernen, ganz nett zu intonieren oder den Klang seiner Stimme zu verbessern. Man kann aber keine Wunder tun und sollte sich solches weder selbst zutrauen, noch sollte es einem zugemutet werden.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Nächstes Jahr in der Osternacht singt einer der Kantoren der Schola (unser Organist) das Exsultet. Der Pastor hat es bei und dieses Jahr so was von versemmelt, daß er sofort nach der Osternacht die "Beauftragung" ausgesprochen hat.

(Über unseren Diakon reden wir hier nicht, da er s elbst weiß, das er nicht singen kann und ihm liturgische Dienste aus unverständlichen Gründen ein Graus sind.)

Anonym hat gesagt…

Zuerst einmal möchte ich ein frohes und gesegnetes Osterfest wünschen!!(die Osteroktav dauert noch die ganze Woche)Vielen Dank für die postings während der Kar- und Ostertage, sie haben mich sehr berührt. Ich hatte schöne, teilweise recht emotionale Kartage. Die Messe "in Coena Domini" am Donnertag war schon ein erstes Highlight, mit dem Evangelium der Fusswaschung und vor allem mit dem römischen Kanon , den ich ganz besonders liebe, aber leider selten zu hören bekomme. Bei der übertragung des Allerheiligsten in die Taufkapelle singt bei uns der Chor immer das "Ave verum corpus" von Mozart, was sehr bewegend ist.
Die Strenge und Nüchternheit der Karfreitagsliturgie war wie immer erschütternd.
Die Osternacht durfte ich sehr schön erleben. Die "Performance" des "Exultet" liess etwas zu wünschen übrig, aber im Vergleich zu Ihrer Schilderung, kann man damit zufrieden sein. Auch am Ostermontag hatten wir bei herrlich sonnendurchfluteter Kirche eine wunderschöne hl. Messe.

Viele Grüsse und noch eine gesegnete Osterzeit wünscht M.

P.S. hier ein Link zum Exultet der Osternacht 2011 in Rom das meiner Meinung nach perfekt war. Besser geht's nicht.
http://www.youtube.com/watch?v=kym7UbUDdyc

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Wirklich schön gesungen! Aber Kunstlicht beim Exsultet, das geht ja gar nicht!

Braut des Lammes hat gesagt…

Einen geeigneten Kantoren – der da war und vernünftig singen konnte – hätte man in diesem Fall wahrscheinlich besser gefragt. Wenn sich kein Priester erbarmt oder sich das zutraut, muß es dann halt einmal ohne „die Schar der Leviten“ gehen.

Kunstlicht zum Exsultet ist wirklich nicht so schön, allerdings sehen die Rubriken des Meßbuches das in der Tat vor, man glaubt es fast nicht: [nach dem dritten Lumen Christi:] In der Kirche werden die Lichter angezündet. In diesem Falle ist es einmal nett, wenn sich jemand nicht nach dem Meßbuch richtet ;)

Johannes hat gesagt…

Boah, was für ein klasse Bild oben!

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Oh, die "Lichter anzünden" meint "Lampen anschalten"? Ich habe das immer auf die Apostelleuchter usw. bezogen: Beim ersten Lumen Christi brennt nur die Osterkerze, nach dem zweiten bekommen die Ministranten das Licht und nach dem Dritten wird es in der Kirche verteilt (Gläubige und alle sonstigen Kerzen mit Ausnahme der Altarkerzen). Kunstlicht gab's erst zum Gloria. Sonst ergibt doch auch die Stelle "wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes" keinen Sinn. Im Kunstlicht glänzt nichts mehr.

Admiral hat gesagt…

In der Kirche werden die Lichter angezündet.

Immerhin ist von "anzünden" die Rede. Also geht es um Kerzen.

Allerdings steht nach der 7. Lesung keine Bemerkung über Vollbeleuchtung zum Gloria. Ich unterstütze trotzdem den Usus die Lampen erst zum Gloria einzuschalten. :-)

Cassandra hat gesagt…

Die Osternacht hier war liturgisch im Wildsaumodus (was weniger am Priester als an den im Altarraum rumwuselnden Laien lag), aber der Priester hat eine überragende Singstimme und die Predigt war wunderbar. Jedes Wort sass.

Am Ostermontag merkte ich mal wieder: je schlichter die Messe, desto mehr bin ich berührt. Barocker Bombast ist was für Auge&Ohr, aber ganz minimalistisch-karg lenkt zumindest mich besser auf die Begegnung mit Jesus hin.

Auch hier wieder eine Predigt, die keine 5 Minuten gedauert hat, aber auf den Punkt war: Jesus treffen und es nicht merken. Und trotzdem ist Er da, bei uns. Die Aufforderung, mal drüber nachzudenken, wann wir Jesus bemerkt haben und wann wir Ihn übersehen haben könnten.

Und Zeit für die Kommunion.

Braut des Lammes hat gesagt…

Vincentius, inhaltlich sehe ich das genauso. Angezündet hatte ich wohl deshalb als künstlich interpretiert, weil ich sonst entzündet geschrieben hätte. Bei uns haben wir die Kirche im Dunkeln gelassen, zum Exsultet und den Orationen gabs der Nerven der Sänger wegen Leuchter und Altar- bzw. Apostelkerzen zum Gloria.

Eugenie Roth hat gesagt…

Eine ähnliche Osternacht habe ich vor Jahren erlebt, als die Pastoralreferentin - oder doch so ähnlich an Stelle des Priesters das Exultet gesungen hat.
Der Priester ist stockunmusikalisch, doch die Gemeindereferentin scheint doch auch mit ihm verwandt zu sein. Es war kein Genuss und jeder hat sich gewünscht, dass es bald zu Ende geht ... das wenig musikalische Exultet ...
Und: sie sagt: "Der Herr sei mit euch!" ...

Braut des Lammes hat gesagt…

In Klöstern hab ich mehrfach erlebt, daß Schwestern das Exsultet gesungen haben (selbstverständlich ohne die eingeklammerten Teile) und das auch sehr schön gefunden.

„Der Herr sei mit euch“ ist natürlich indiskutabel; wenn man das Exsultet allerdings einem Kantor überträgt ist es meiner unmaßgeblichen Meinung nach nicht wesentlich, ob dieser männlich oder weiblich ist.

Anonym hat gesagt…

@Eugenie und Braut des Lammes: Entschuldigt die Frage einer Ungebildeten: Warum ist "Der Herr sei mit euch" indiskutabel, wenn eine Gemeindereferentin es sagt? Steht dieser Wunsch nur Priestern zu? Okay, wegen der Antwort ...? (Aber sie hat ja auch einen, wenn auch nicht DEN Geist ...).

Mir stellen sich immer die Haare hoch, wenn ein progressiver Priester in der Nachbarschaft "Der Herr IST mit euch" sagt, aber chronisch und immer!, und von mir wird dann besagte Antwort erwartet. Und ich trotze dann natürlich.

Gesegnete Osterzeit!

Braut des Lammes hat gesagt…

„Der Herr sei mit euch“ steht, genau wie beim Schlußsegen das „Der Herr segne euch“ nur Klerikern zu, alle anderen sagen zum Segen „Der Herr segne uns“. Es geht nicht drum, daß der Grüßende selber keinen Geist hätte, sondern daß er alles vermeiden soll, was dazu führen könnte, daß man ihn mit einem geweihten Amtsträger verwechseln könnte. Nun könnte man meinen, bei Frauen besteht da keine Gefahr, allerdings wollten auch schon Leute in aller Unschuld bei mir beichten.

Im Exsultet gibt es einen Passus, der eben - wie das Hochgebet mit „„Der Herr sei mit euch“ eröffnet wird, diesen singen nur die Diakone oder Priester, sicherheitshalber ist er eingeklammert.

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Das Exsultet ist gattungsmäßig sogar ein Hochgebet. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Auch wieder wahr. :)

Zur Lichtsache oben ist mir später noch eingefallen, wo die Ursache meines Schlusses lag: der Schwabe sagt imner, „das Licht anzünden“, auch wenns elektrisches ist.

Admiral hat gesagt…

Jaja, Schwaben können alles, nur kein Hochdeutsch. :-)

Anonym hat gesagt…

Danke für die Aufklärung!

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