Sonntag, 29. April 2012

Die eigene Berufung erkennen und Frucht bringen

Das Evangelium des heutigen Tages, nach dem man den Sonntag Guthirtensonntag nennt, verbindet uns mit dem weltweiten Gebet um geistliche Berufe.

Berufung kommt von Ruf, rufen. Der Ruf, den man hört und der, dem man antwortet. Meine Schafe hören auf meine Stimme, sie kennen mich und sie folgen mir. Das ist das unmittelbare Hören auf den Ruf des Hirten, der in der Taufgnade an uns erging. Aus dieser Taufgnade heraus wachsen wir in die Kirche hinein, sind Glieder am Leib Christi, dessen Haupt Christus selbst ist.

Man kann die Kirche auch einem Baum vergleichen und die Entfaltung der eigenen Berufung im Leben der einer Frucht, die dieser Baum hervorbringt. Der Baum wurzelt in Christus und ist ihm begründet. Die Berufung in die Kirche durch die Taufe ist der Stamm, die weit verzweigten Äste die verschiedenen Berufungen, denen wir folgen können. Versinnbildlicht ist dies etwa im „Vocation tree“ (der ein katechetisches Projekt ist, das von Raymond Kardinal Burke empfohlen wird). Leider ist es mir nicht gelungen, eine Abbildung zu finden, auf der man die Schrift (vor allem oben in der Krone des Baums) gut lesen kann, aber der Sinn ist klar – dieser Baum der Kirche hat viele Zweige und bringt eine Fülle verschiedener Früchte hervor, die alle auf Christus zurückgehen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet…

Am an diesem Welttag beten wir besonders um Berufungen zum geistlichen Leben. Ein wenig schade finde ich, daß das mancherorts – obwohl vom Heiligen Stuhl nicht so ausgedrückt – auf das Gebet um Priester- und Ordensberufe verkürzt wird. Der Heilige Stuhl wählt die Bezeichnung Vita consecrata (bzw. consecrated life). Tatsächlich bitten wir dabei um Berufungen zum geweihten Leben, wie sie etwa der sel. Johannes Paul II. in seinem gleichnamigen apostolischen Schreiben Vita consecrata nennt. Wenn man sich etwa den Vocation tree – dessen Hauptäste die Stände „Ordained“, „Consecrated“ und „Laity“ bilden – anschaut, sieht man, daß sich der Ast „Consecrated“ noch ziemlich weit verzweigt und viele verschiedene Früchte trägt (ich glaub, die geweihten Jungfrauen sind die Mirabellen oder Aprikosen…).

Leider sind die Informationen für solche, die sich mit einer Berufungsfrage beschäftigen, auf diözesaner Ebene hierzulande oft erstaunlich mager, so daß man sich wirklich fragen muß, warum macht ihr es eigentlich Leuten, die sich vielleicht nur mal informieren möchten, in einem Zeitalter, das immerhin Informationszeitalter genannt wird, so unnötig schwer? Ein schönes Beispiel, wie man es anders aufziehen kann, ist die Website des Office of Vocations der nordamerikanischen Diözese von Sioux Falls, mit Infos zum Thema Berufung, Bildern und einem danebenstehenden Gebet. Besonders gut gefällt mir die Seite Meet our seminarians – theoretisch und praktisch können die Gläubigen so einen bestimmten Priesteramtskandidaten im Hinblick aufs Gebet „adoptieren“. Darüber hinaus bietet die Diözese auch Informationen für Eltern, deren Kinder einer Berufung folgen wollen, mit einer Art Zusammenstellung von Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) und inklusive kurzem Video. Sehr nachahmenswert!

Ich glaube, die Kirche braucht alle diese Berufungen und deren besondere Gaben, wenngleich uns das Gebet um priesterliche Berufungen besonders am Herzen liegt, denn die Priester spenden uns die Sakramente. Unter den Fürbitten im Rahmen der Gebetsstunde um geistliche Berufungen, die wir seinerzeit im Rahmen der Aktion Vierzig Tage in unserer Gemeinde gehalten haben, war eine, die mich nachdenklich gemacht hat:
Laß uns so leben, daß aus unseren Familien ein Priester hervorgehen kann.
Ergänzt man diese Fürbitte vielleicht noch um den Freundeskreis, so scheint sie nur allzu angebracht. Leben, sprechen und handeln wir so authentisch, daß es in unserer Mitte möglich wäre? Ich glaube, hier wird tatsächlich eine wichtige Aussage gemacht. Wir müssen um Berufungen beten, wir müssen ihre Entstehung und ihr Heranwachsen aber auch fördern, durch Zeugnis, durch guten Zuspruch, durch Ratschlag, durch Mittragen einer solchen Entscheidung und eben zuerst und zuletzt durch unser Gebet.

Das Hören auf den Ruf Gottes in der Stille des Gebets ist auch das, was jemand, der darüber nachdenkt, wie er seine Berufung im Leben finden kann, unmittelbar und zuerst tun sollte. Zwei Punkte, die ich beim Entwurf eines Beitrags, wie man eigentlich geweihte Jungfrau wird (den ich dann doch nicht ganz fertiggeschrieben habe), formuliert habe, treffen eigentlich auf jedwede geistliche Berufung zu:
  • Zunächst bete und frag dich, ob Gott das von dir will – diese Frage mag durchaus später immer wieder einmal auftauchen.

  • Sprich mit einem Priester darüber – das ist immer eine gute Idee. In diesem besonderen Fall wäre es allerdings wünschenswert, daß es einer ist, bei dem man das Gefühl hat, daß er zu Themen wie Berufung, Gebet, Keuschheit eine Beziehung und ein gewisses Gespür für den Umgang mit suchenden Menschen hat.
Das Erkennen und vor allem das Folgen der eigenen Berufung kann, wie es der hl. Benedikt ausdrückt, auch „Hartes und Schweres“ mit sich bringen – jede Berufung im Leben tut das. Sie kann einen auch ganz und gar erfüllen, beglücken und so wirklich reiche Frucht tragen, für das eigene Leben und das der vielen, ja eigentlich für das Heil der Welt. Dazu paßt gut etwas, das die heutige Tagesheilige, die hl. Katharina von Siena, niedergeschrieben hat:
O ewiger Gott, nimm das Opfer meines Lebens in diesem mystischen Leib der heiligen Kirche. Ich kann nichts anderes geben, als was du mir schenktest. Nimm mein Herz und drücke es in die heilige Kirche.

1 Kommentar:

Gertie di Sasso hat gesagt…

Wow, wieder ein wunderschöner, dichter Text zum Thema Berufung und wie man sie findet bzw. erkennt. DANKE!

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