Montag, 23. April 2012

Der große Tiergarten des lieben Gottes. Heute: das Chamäleon


Vergangene Woche erschien beim Herrn Alipius der Beitrag Kommunionempfang als Freestyle. Dazu: Ich achte seltenst drauf, wie andere Menschen kommunizieren (es sei denn, es geschehen dabei vorher oder nachher eigenartige Dinge). Die Antwort „Danke!“ an der Kommunionbank ist allerdings eine, die auch den danksagenden Ministranten die Augen vom Gebet erheben läßt.

Es gibt auch manches, was ein Kommunionspender – sei er Priester oder Kommunionhelfer – unschön machen kann, wobei für den Gläubigen an dieser Stelle schon die Frage aufkommen kann, wieso es gerade hier manchmal zu Eiertänzen kommen muß und der Kommunikant sich nicht in das Wunder der heiligen Kommunion und der Danksagung danach einfach hineinfallen lassen kann?

Man kann als Spender etwa den knienden Kommunikanten anschauen wie ein Schlangenbeschwörer, ob er nicht doch noch aufsteht und die Hände ausstreckt, oder ihm den Leib Christi auf die Zunge knallen oder senkrecht gegen die Oberlippe donnern. Bei einem, der das immer so macht, kann ich leider nicht mehr kommunizieren. Da ich es aber vorher weiß, muß ich den betreffenden Tag halt anders planen.

Alternativ kann man als Kommunionspender den knienden Ministranten ignorieren und so indirekt darauf bestehen, daß er sich erhebt und sich anderswohin begibt, weil er anderenfalls auf die Kommunion verzichten müßte. Im Nachhinein betrachtet wäre letzteres in einem solchen Falle eigentlich der Andacht meist womöglich sogar zuträglicher, indes komme ich ja wegen der heiligen Kommunion zur Messe.

Versucht man, in einem solchen Konstrukt ohne innerliches Murren zu kommunizieren, kann es mit der Andacht schon einmal etwas schwierig werden. Gestern nun: ein Spender der Marke „Du wirst doch bei mir nicht etwa im Knien kommunizieren wollen?“ hat mir, als ich schließlich halbresigniert zu ihm hintreckte und vor ihm stand (!) den Leib Christi soweit vorn auf die Zunge plaziert, daß ich dachte, gleich passierts und der liebe Herrgott gerät ins Trudeln. Von einer Hostienschale unterm Kinn natürlich keine Spur, wiewohl dies wenige tun (warum eigentlich nicht?). Hier half wirklich nur noch eine schnelle Bewegung. Bin ich ein Chamäleon?

Eher drollig, wenn auch etwas ablenkend ist der Priester, der mir den Leib des Herrn zeigt und ihn mit den Worten „Der Leib Christi“ wieder etwas zu sich hinzieht. Ich glaube, er vergißt, daß an der Stelle, an der wir knien, keine Kommunionbank ist, die den Körper gegebenenfalls abstützen könnte. Eines Tages breche ich mir vielleicht beim Kommunionempfang die Nase (weil ich draufgefallen bin), während alle anderen denken werden, ich hätte mich in Anbetung niedergeworfen.

Als vor Jahren Papst Benedikt äußerte, er wünsche, daß die Kommunion kniend und mit dem Mund empfangen werde, habe ich einen von mir sehr geschätzten Priester nach seiner Ansicht dazu gefragt. Er stimmte Papst Benedikt im Hinblick auf die Gefahr des ehrfurchtslosen Empfangs zu, und äußerte zusätzlich, mit Bezug auf den hierzulande geltenden Indult, der Mensch müsse in seiner Entscheidung frei sein. Und so ist es ja auch; der Indult besteht weiterhin.

Wenn der Mensch diesbezüglich frei sein und seinem Gewissen folgen soll, dann hat aber er auch die Freiheit, die Kommunion kniend und mit dem Mund zu empfangen. (Den Kommunikanten genau diese Freiheit auch zuzugestehen, damit scheint sich mancher etwas schwer zu tun.) Die Kirche tut sogar noch ein übriges: sie nennt diese Freiheit ein Recht. In Redemptionis Sacramentum heißt es, jeder Gläubige hat immer das Recht [sic!], nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen. Wenn ich selbst von Rechten spreche, fühle ich mich meist eher unwohl, indes tut dies ja die Kirche, indem sie von den Rechten der Gläubigen spricht.

Ich bin mir nicht sicher, was ein adäquater oder auch nur ein gangbarer Weg ist, mit solchen Situationen umzugehen? Schließlich habe ich es nicht immer in der Hand, wer mir die Kommunion spendet bzw. manchmal kennt man den Priester halt vorher nicht. Es klingt vielleicht etwas harsch, aber von einem Priester oder außerordentlichen Kommunionhelfer sollte man schon erwarten können, daß er etwaige Gefühle der Abwehr, die er in Bezug auf die Mundkommunion vielleicht hat, überwindet oder hintenanstellt, es geht bei der Kommunion ja nicht um ihn, sondern um den Leib des Herrn.

Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln: viele vor allem der jüngeren Priester spenden die Kommunion in wunderschöner Weise (worüber ich ja auch schon mehrmals geschrieben hatte) und bei solchen, bei denen ich das ebenfalls vorher weiß, gehe ich besonders gern zur Messe. Wie ich mit solchen Erlebnissen wie dem oben beschriebenen am besten umgehe, ist mir halt noch nicht so ganz klar. Ist wegbleiben da wirklich die einzige oder beste Option?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"daß die Kommunion kniend und im Stehen empfangen werde"

Pardon, ich denke zwar momentan über das Thema durchaus nach, aber das bekomme ich beim besten Willen nicht hin.

U.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das können auch nur ganz besondere Menschen, U. ;) Ja so gehts, wenn man mitten in der Nacht Beiträge schreibt, weil sie einem im Kopf herumgehen. Ich hatte den Fehler grade bemerkt und ausgebessert (kniend und mit dem Mund).

jeannedarc hat gesagt…

Das ist wirklich ein Problem. Ich habe auch schon beim Mundkommunion-Empfang recht schlechte Erfahrungen gemacht. Es ist mittlerweile so, dass ich mich bei Priestern die ich nicht kenne, gar nicht kommunizieren traue, oder mit Hand. Aber das möchte ich eigentlich vermeiden. Die Sorge, dass die Hl. Kommunion runterfallen könnte, beunruhigt mich auch, wenn man schon merkt, wie unangenehm es dem Spender ist(bei MK) und er dann zurückzuckt und nur von weitem, zaghaft die Kommunion spendet. Oft merkt man es schon in der Messe mit welchem Priester man es zu tun hat.
Der Mundkommunionempfang ist, finde ich, eine sehr persönliche, möchte fast sagen, intime Angelegenheit, bei der ich einfach Vertrauen zu dem Priester haben muss.
L.G. M.

Braut des Lammes hat gesagt…

Jeanne, du bringst da einen Punkt zur Sprache, der mir beim Schreiben des Beitrags unterschwellig auch kurz in den Sinn gekommen ist – oft merkt man es schon vorher bzw. an irgendwelchen Eigenartigkeiten beim Ablauf der Feier. Es bliebe in einem solchen Fall dann wirklich nur, sich für den Tag noch eine andere heilige Messe zu suchen bzw., wenn man es vorher weiß, anders zu planen. Daß es so "kippelig" war, ist Gottseidank vorher noch nie vorgekommen und passiert hoffentlich nicht wieder.

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