Mittwoch, 18. April 2012

Bloggen, Geburtstagswünsche (und Kettenhunde)

Zum Thema katholische Blogger gabs in den letzten Tagen wieder einiges zu lesen, so unter anderem in einer Kirchenzeitung. Gar zu gern läse ich den Artikel Die Sprache der Blogger selbst einmal, weniger, weil er mich so brennend interessierte, sondern weil ich immer viel lieber lese, was einer wirklich gesagt hat als das, was andere aus dem Gesagten extrahieren. So bleibt mir vom Artikel in dieser Kirchenzeitung, der im Netz nicht erschienen ist (was ist passiert, fürchtete man zu hohe Zugriffsraten?), nur die lapidare Frage: wer ist eigentlich Daniel Gerber und warum muß er seine offenbar höchstpersönlichen Vorlieben mit gutem und interessantem Bloggen verwechseln?

Dann haben wir noch explizit.net, womöglich etwas differenzierter (indes, man weiß es ja nicht so genau, siehe oben). Vorweg: daß in katholischen Blogs manchmal tatsächlich eine einigermaßen drastische Sprache verwendet wird, ist etwas, das mich auch zuweilen stört, ich finde, das muß nicht sein und man sollte sich jeweils fragen, ob man seinem Anliegen – vom Leben aus dem Glauben zu berichten – oder auch dem Stand, dem man angehört, damit einen guten Dienst erweist. Indes, wer bin ich, darüber zu richten oder rechten, ich muß es natürlich auch nicht lesen und noch weniger muß ich drauf verlinken. Der einzige Kettenhund seiner Heiligkeit, mit dem ich seinerzeit etwas anzufangen wußte, war dieser hier (Thysus' Werk), der tut nichts, der will nur Rosenkranz beten. Ich schriebe lieber auch wie der hl. Paulus, leider gelingt es mir nicht immer.

Das explizit.net allerdings seine Kritik an den Bloggern in einen Geburtstagsglückwunsch an den Heiligen Vater kleidet, zeugt meiner Ansicht nach in mehr als einer Hinsicht nicht so sehr von gutem Stil, wie auch die Haltung, in der nun schon zum wiederholten Mal zwischen den Zeilen vermittelt werden soll, daß es ohne sie nicht ginge. Daß man unter der Vielzahl katholischer Blogs offenbar nichts Positives zu hervorzuheben weiß, ist wohl eher ein Beispiel dafür, daß man im Leben oftmals das findet, was man darin sucht. Sollte bei mittlerweile mehr als 250 deutschsprachigen und katholischen Blogs (vom Bischof bis zum Priesteramtskandidaten finde ich selbst da sehr Schönes) – wirklich nichts dabei gewesen sein, was explizit.nets Herz erfreut?

Wenn man durchaus den Papstgeburtstag mit einer Synopse der deutschsprachigen Blogozese verbinden will, warum dann nicht lieber über die vielen Glückwünsche der Blogger schreiben, die den Heiligen Vater sogar in Form eines Videos erreicht haben, als über „Kettenhunde seiner Heiligkeit“? (Das erstere hätte auch den Vorteil, daß beides etwas miteinander zu tun hätte.) Darüber hinaus gabs ja nicht nur Kettenhunde, sondern auch Blogger in der Kirche, falls da jemand auf der Suche nach Bildern war. So klingt es jedenfalls wirklich ein wenig wie „Herr, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie jene“.

Das Ganze ist ein wenig schade und die etwas lieblose Art, die katholischen Blogger pauschal abzuqualifizieren, meines Erachtens eine verpaßte Chance in Bezug auf dieses Medium. Auch ist es vielleicht nicht unbedingt geeignet, solchen Lesern, die ins Auge fassen, selbst etwas aus ihrem Glaubens- und sonstigen Leben (idealerweise ist das sogar eine Einheit) zu verbloggen, Mut dazu zu machen. Schon Anfang des Monats, in der Karwoche etwas untergegangen, äußerte sich Bischof Fürst – meines Dafürhaltens ganz in der Linie des Heiligen Vaters – in einem beim Predigtpreis veröffentlichten Interview (Die Kirche kämpft um das Netz) zum Thema katholisches Bloggen:
Predigtpreis: Die Kirche verkündigt. Tun das auch Blogger?
Fürst: Wenn der Blogger von seinem Glauben plausibel Zeugnis ablegt, liegt darin ein Element der Verkündigung.
Predigtpreis: Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich von problematischen Internetseiten wie kreuz.net distanziert. Wo ziehen Sie die Grenze bei autonomen katholischen Akteuren im Internet?
Fürst: Ich erwarte, daß jemand im Netz, besonders wenn er sich zu Personen äußert, es genau so tut wie in der persönlichen Begegnung. Manchen verleitet die Anonymität im Netz zu einer eher rohen Sprache, die nicht immer die Würde der anderen respektiert. Ich kämpfe für eine gute Sprache, die Menschen nicht denunziert und für Worte, die Wahrheitsgehalt haben und keine bloßen Gerüchte in die Welt setzen. Auf manchen Seiten findet aber leider das Gegenteil eines solchen Kampfes statt. Diese Gefahr muß man sehen. Nicht nur, weil die Kirche dabei Schaden nimmt, sondern weil das die Humanität unserer Kultur, Sprache und Kommunikation beeinträchtigt.
Ja, genau.

Hier, für alle die es interessiert, noch einige lesenswerte Ratschläge von Shameless Popery für katholisches und interessantes Bloggen: 10 Tips for sucessful catholic blogging.
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Bilder: Echo Romeo, Thysus – katholische Blogger mit Humor.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Dieses Werben in dem Artikel für ein ganz bestimmtes Blog erweckt in mir irgendwie den Verdacht, als sei er ein Auftragswerk.

Braut des Lammes hat gesagt…

Etwas ähnliches ist mir auch durch den Sinn gegangen, das muß ich frei bekennen. Und der andere ist dann das schmückende Beiwerk?

Stanislaus hat gesagt…

Irgendwie fast schon böse, so zu denken. Aber irgendwoher muß dieser Verdacht ja kommen. Vielleicht kommt Herr Gerber ja auch nach Freiburg und man klärt das dann bei 'nem Glas Bier.

Braut des Lammes hat gesagt…

Na ja, was heißt böse? Ich saß da mit einem Fragezeichen im Gesicht und dachte, wie in aller Welt kommt er jetzt gerade auf den?

Stanislaus hat gesagt…

cfr. Mal 3,1

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