Mittwoch, 11. April 2012

Berufung – der Stimme Gottes sein Ohr leihen


Man wählt eine Berufung nicht selbst, man empfängt sie, und man muß sich anstrengen, sie zu erkennen. Man muß der Stimme Gottes sein Ohr leihen, um die Zeichen seines Willens zu erspähen. Und ist einmal sein Wille erkannt, so muß man ihn tun, wie immer er sei, koste es, was es wolle. (sel. Charles de Foucauld)

Aus aktuellem Anlaß – ich glaub, der sel. Karl hat sich mit dieser Frage stark auseinandersetzen müssen. Zuerst verkrachter und verschuldeter Offizier, Forschungsreisender, dann Trappist, mit einundvierzig Jahren – spät für damalige Verhältnisse – Priester und schließlich Einsiedler in der algerischen Wüste. Spätestens, als er die Trappisten der Abtei Unserer lieben Frau vom heiligsten Herzen verlassen hat, hat sich manch einer bestimmt gefragt, was soll das jetzt wieder? Während seines Lebens unter den Tuareg hat er letztlich „nur“ zwei Taufen zuwege gebracht: ein ganz kleines Kind und eine arme und blinde alte Frau. Was aus seinem Werk geworden ist, hat er nicht mehr erlebt. Unbeirrt, fast wie dem Polarstern, folgte er dem, was er als seine Berufung erkannt hat, einfach unter den Menschen zu leben, die hl. Messe zu feiern, in der Stille zu beten.

Aus diesem Grund nähte er auf das weiße Gewand, das er trug, eine Darstellung des Herzens Jesu. Daß Charles de Foucauld, obwohl mit einundvierzig Jahren zum Priester geweiht wurde, fast immer Bruder Karl genannt wird, liegt daran, daß er sich selbst wünschte, als Bruder aller Menschen zu gelten. Ein sinnloses Leben in den Augen der Welt. So lebte er, unbeachtet von der Welt in Beni Abbès, bis ihn vorbeikommende französische Offiziere ermordet vorfanden, unweit von ihm, halb im Sand, eine denkbar schlichte Monstranz mit dem Allerheiligsten.

Der Gedanke das obige Zitat Bruder Karls kam mir in den Sinn, als ich vor einigen Tagen mittelbar von jemandem die Einschätzung hören durfte, das Leben als Virgo consecrata sei so eine Art „Berufung light“ für Leute, die nicht den Mut aufbrächten, in ein Kloster einzutreten. Die Aussage als solche fand ich eher zum Augenbrauenzucken – derjenige redet letztlich wie ein Blinder von der Farbe und hat, glaub ich, auch keine Vorstellung, was Mut erfordert oder auch nicht. Der gemeine Schwabe sagt in solchen Fällen gleichmütig „Schwätz du no!“ oder – wenn er weniger gleichmütig ist – auch „Ach schwätz doch net daher!“ Die Einschätzung als solche ist einfach ein Beispiel dafür, daß man sich manchmal im Leben halt auch gequirlten Unsinn anhören muß. Schade eigentlich, aber leider typisch für das geistliche Klima, in dem sich hierzulande Berufungen oft erst einmal durchsetzen müssen.

Der Gedanke des sel. Bruders Karl, daß man sich eine Berufung im Leben nicht einfach so aussucht, ist dagegen der des Evangeliums: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Wozu er einen erwählt und in welche Wüste er einen unter Umständen führt, das muß man Christus, glaub ich, schon überlassen, letztlich überläßt man sich ja ihm.

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Bild: die Wüste im Hoggar, in die Gott Charles de Foucauld gerufen hat. Gedanke zum Meditieren: wie sieht die Wüste aus, in die Gott mich führen will?

Kommentare:

Cassandra hat gesagt…

"das Leben als Virgo consecrata sei so eine Art „Berufung light“ für Leute, die nicht den Mut aufbrächten, in ein Kloster einzutreten"

öhem... hüstel... man könnte es aber auch als echt hardcore ansehen.

Im Kloster hilft einem die Gemeinschaft vielleicht auch mal über dürre Zeiten hinweg.
Das Ordenskleid sagt jedem, dass man sich entschieden hat. Das mag zwar "die spinnt ja" auslösen, aber die Frage, ob man nicht an einem Date interessiert wäre durch den neuen Arbeitskollegen stellt sich wohl eher nicht.

Unerkannt in der Welt sieht es da denke ich (so ganz von aussen und ohne Erfahrung in einer der beiden Arten von Berufung) manchmal anders aus.

Nonne- was das ist weiss jeder oder meint zumindest es zu wissen. Aber virgo consecrata? Das ist eher Insiderwissen.


So meine Gedanken dazu

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, ähnliches ist mir durchaus auch schon verschiedentlich durch den Sinn gegangen, wiewohl ich nicht soweit gehen würde, zu sagen, irgendeine Berufung sei leichter oder schwerer zu leben als eine andere. Wahrscheinlich bringt jede auch „Hartes und Schweres“ mit sich, wie es der hl. Benedikt ausdrückt.

Oben wollte ich mich übrigens durchaus nicht mit einem Seligen vergleichen, mir gefällt nur die Unbeirrtheit seiner Hingabe.

Cassandra hat gesagt…

Härte und Leichtigkeit in der Berufung sind ja fast nie dauernde Zustände. Sollte man das Gefühl haben "da sist zu hart, das schaffe ich nicht" und es nicht vorübergehen, ist es Zeit, sich und auch Gott zu fragen "was läuft hier schief?"

Niemand sagt, dass eine Ehe (um mal von einer Berufung zu reden, mit der ich mich zumindest ein bisschen auskenne) immer Spass macht. Aber wenn man nur noch denkt "Nein, das ist es nicht", dann ist es Zeit, eventuell was zu ändern. Muss ja nicht gleich der Scheidungsanwalt sein, vielleicht reicht ja ein Gespräch über die nassen Handtücher auf dem Badezimmerfussboden, die zu einem "dieser Dinge" geworden sind. Wobei die handtücher da oft eher Sympton als wirkliche Problemursache sind.

Liebesfilme enden nicht umsonst oft mit dem Kuss/Traualter/etc. Den Alltag einer Ehe zu zeigen ist viel weniger cineastisch.

Und so wird sich wahrscheinlich auch im Klosteralltag irgendwann "der ganz normale Trott" einstellen, und beim geweihten Leben unerkannt unter den Menschen noch eher.

Hinter "Berufung light" steht wahrscheinlich der Gedanke, dass man, wenn man keine Lust mehr hat, ja einfach "aufhören" kann- kontrolliert ja keiner.


Mir gefällt dieser Selige auch- für 2 Taufen Jahre seines Lebens hinzugeben zeigt, wie viel wert ihm jede einzelne war.

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