Samstag, 24. März 2012

Die Verhüllung von Kreuzen und Standbildern in der Passionszeit

Mit der ersten Vesper des Sonntags Judica tritt die Kirche in die zwei Wochen der Passionszeit ein, von der dieser Sonntag seinen Namen hat – Passionssonntag. Das lateinische Meßbuch nennt ihn Dominica I de Passione, den darauffolgenden Palmsonntag dann Dominica II. Die Passionszeit besteht somit aus der Passionswoche und der Heiligen Woche, die jeweils mit dem ersten und dem zweiten Passionssonntag beginnen.

Gegen Ende seines öffentlichen Wirkens wendet Jesus seinen Blick nach Jerusalem:
Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten übergeben werden. Sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überliefern. Man wird ihn verspotten, anspeien, geißeln und töten. Nach drei Tagen aber wird er wieder auferstehen.
Diesen Weg gehen wir gleichsam mit Jesus in der Passionszeit. In den Lesungen hören wir zugleich von der wachsenden Ablehnung der Juden, die Jesus bei seinem Wirken entgegengebracht wird: Ist das nicht der, den sie töten wollen? Und doch redet er in aller Öffentlichkeit, und man läßt ihn gewähren und: Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

Er aber verbarg sich – ein sichtbares und eindringliches Zeichen der Passionszeit ist die Verhüllung der Kreuze, mancherorts auch der Standbilder, mit schmucklosen violetten oder schwarzen Tüchern zur ersten Vesper des Passionssonntags.

Diese alte Sitte der Kirche, die Kreuze zu verhüllen, stammt wahrscheinlich von dem deutschen Brauchtum ab, ein sogenanntes Hungertuch aufzuhängen, das den Altar – ein Christussymbol – verbarg und das am Mittwoch der Karwoche bei den Worten, da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei, wieder abgenommen wurde.

Ursprünglich umfaßte der Brauch nur die Verhüllung besonders prunkvoller Kreuze (etwa solcher, die mit Edelsteinen besetzt waren), er wurde aber später auf alle Kreuze, Kruzifixe und Standbilder ausgedehnt, mit Ausnahme der Kreuzwegstationen und des Schmerzensmannes. Zuhause verhüllen wir ebenfalls Kreuz und Ikonen. Auf dem Altar von St. Thomas von Aquin ist auch das kleine orthodoxe Kreuz, auf das der Zelebrant seinen Blick richtet, in ein violettes Tuch eingeschlagen.

Die Liturgie des Karfreitags umschließt die feierliche Enthüllung eines einzigen dieser Kreuze mit dem eindringlichen Ausruf des Priesters: Seht das Holz des Kreuzes. Hier geht es ebenfalls um das Sehen: was zuvor verborgen war, tritt nun umso machtvoller hervor, das Kreuz, an dem das Heil der Welt gehangen hat.


Nach altem Brauch bleibt – von der Verehrung des Heiligen Kreuzes abgesehen – die Verhüllung[1] bis zur Osternacht, wenn es mit dem Entzünden der Osterkerze heißt:
Christus ist glorreich auferstanden von den Toten, sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.

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[1] am Gründonnerstag und zur Chrisammesse werden die violetten Tücher durch schlichte weiße ersetzt, die der liturgischen Farbe dieser beiden heiligen Messen entsprechen.

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