Mittwoch, 7. März 2012

Seid fruchtbar und mehret euch – wo bleiben die Ampelbabies?

Daß es Ampelfrauen – ich schaffe es auch beim dritten (und, wie sich gerade herausstellt, jedem weiteren) Versuch nicht, das Wort ohne Tippfehler zu fabrizieren – „im wirklichen Leben“ gibt, hab ich gestern herausgefunden, als das Auftauchen der ersten solchen in Brandenburg durch die Medien ging.

Dieses Piktogramm soll für mehr Gleichberechtigung stehen oder sorgen. Inwieweit es das tut, ist mir zwar völlig unklar, immerhin ist die Teilnahme am Straßenverkehr Frauen hierzulande ja nicht untersagt, aber bitte sehr, whomever it pleases, und schließlich besteht die Welt ja zur Hälfte aus Frauen. Ich hab ein rosa (!) Schlüsselband mit einer solchen Sympathieträgerin, denn ich finde das ostige Ampelmännchen nett. Beim männlichen Part gefällt mir immer schon die energische Art wie es ausschreitet – jetzt aber!

Wenn ich allerdings dem Tagesspiegel entnehme, daß es zumindest in Fürstenwalde dafür offenbar eine „Aktion“ gebraucht hat und eine funktionsfähige Ampel eigens umgebaut wurde (anstatt etwa eine ohnehin kaputte mit einer „Frau“ zu reparieren), kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren: die haben nicht genug zu tun in den Stadtverwaltungen.


Das etwas Drollige dran ist das Dilemma, in das „man“ mit Ampelfrauen gerät: man will ein Piktogramm haben, das jeder Blindfisch erstens überhaupt und zweitens dann auch noch als weiblich erkennt, und was braucht man da, natürlich: Rock und Zöpfe! Funktioniert hervorragend, die richtige Klotür für mich finde ich auch ohne Brille und im Halbdunkel. Prompt heulen andere auf, es tauchen Wörter auf wie „betulich“, „altbacken“, „60er Jahre-Rockform“ (äh, liebe Leute, die A-Linie ist føllich zeitlos!) – und wir erinnern uns an die Legomädchen, denen die Zöpfe und Röcke ja auch schwerstens zur Last gelegt werden. Oh mei. Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Immerhin wohnen bei uns kleine Menschen (mit Nasen!) in den Ampeln, anderswo kriegt man das völlig unpersönliche „Walk – Don't walk“ – und wo bleiben da die Analphabeten?

Davon, daß man die Ampelfrau als Gegenstück zum Ampelmännchen meines Dafürhaltens eigentlich entweder -weibchen oder wenigstens -frauchen nennen müßte, schweige ich lieber[1]. Eigentlich ist sie bei der Haartracht ohnehin eher ein Mädchen.

Und eigentlich ist das mit diesen Ampelmännern und -frauen ja eine herzzerreißende Geschichte, wie bei den Gestirnen, die sich lieben, oder den sprichwörtlichen Königskindern: sie können nicht zusammenkommen. Und so werden wir wohl auf Ampeln mit kleinen Ampelkindern verzichten müssen. Schade eigentlich.
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[1] Alles, nur nicht so ein Wortungetüm wie „female altarboy“. Und es gibt doch etwas Neues unter der Sonne!

Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Ampelkinder dürfen natürlich nur in Begleitung mindestens eines Ampelmännchens oder -frauchens sein. Und Ampeljugendliche dürfen nach 23.00 Uhr nicht mehr leuchten, eignen sich also für Ampelkreuzungen, die nachts ausgeschaltet werden.

Braut des Lammes hat gesagt…

:) Zwischenzeitlich fiel mir ein, daß das mit den Piktogrammen dann ganz neue Tücken bärge (bürge? - ach, egal), weil man dann ja natürlich wieder Babies in beiden verschiedenen Geschlechtern bräuchte.

Phil hat gesagt…

So ne Ampelfrau - engt das nicht das Aussehen einer Frau zu stark auf "Langhaarig mit Zöpfen" ein? Im Zeitalter der Diversity und des Feminismus muß doch eine Frau nicht in einer weiblichen Uniform herumlaufen! Eine Frau hat das RECHT, einen Hut zu tragen! Und Hosen!

Braut des Lammes hat gesagt…

Kann sie ja - nur nicht als Piktogramm. Wenn "meines" an der bewußten Tür nämlich kurze Haare und eine Hose trägt, hab ich den Schaden.

Außerdem hab ich ja lange Haare und einen Rock an, worüber sollte ich mich also beklagen? ;) Wenn sich eine Frau von einem Piktogramm einengen läßt, hat sie es sich nur selbst zuzuschreiben.

Silvia hat gesagt…

Bei uns gibt es irgendwo eine Ampelhexe...

Braut des Lammes hat gesagt…

Also, das hat was… ;)

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