Sonntag, 11. März 2012

Rotkäppchen, der Wolf und die Digitalkamera (2)

Im Advent hab ich ja schon mal einen Vorstoß in den Märchenwald der Elektronik unternommen, ihn aber unverrichteter Dinge wieder verlassen. Umständehalber blieb es erstmal dabei, bis ich letzte Woche en passant (buchstäblich) gesehen hab, daß es neue Cybershots gibt. Mit einer solchen (wie mit dem Hersteller im allgemeinen) hab ich gute Erfahrungen. Ein neu auf den Markt gebrachtes Gerät hat zwar den klitzekleinen Nachteil, daß man nicht noch großartig Erfahrungsberichte im Internet auswerten kann, indes beginne ich bei mir erste Anzeichen jener Erscheinung zu bemerken, immer noch etwas warten zu wollen, im Falle der Hersteller in Kürze noch etwas Besseres herausbrächte[1], so dachte ich, jetzt oder nie, bevor ich es mir wieder überlege.

So bin ich also am Donnerstag an den angegebenen Ort und siehe da, „der Wolf“ war immer noch dort – ich schwöre, der wohnt da im Gang bei den digitalen Kameras; jedenfalls tauchte er unverzüglich auf, sobald ich nur meine Nase dort hineingesteckt hatte, und fing wiederum an, Pixel- und Megabytezahlen zu rezitieren. Da ich eine recht exakte Vorstellung hatte, was ich wollte, erkundigte ich mich im Gegenzug nach Gehäusefarben. Ausgestellt waren Kameras in silber und schwarz (wie solche Farbtöne in echt aussehen, kann man sich ja so überhaupt nicht vorstellen…) Die Kamera gibt es aber außerdem auch noch in blau, grün, rosa, gold und lila, und der Wolf unternahm nun den hoffnungsvollen Versuch, mir anhand des zentimetergroßen Aufdrucks auf einem Pappkarton weismachen zu wollen, die Farbe der Kamera darin wäre „genauso“. Es war eine eitle Hoffnung – jeder, der schon einmal Farbdrucke angefertigt oder einen Farbdrucker für sowas kalibriert hat, weiß, daß das kaum je so ist, wenn man den Drucker nicht beim Vornamen kennt. Schließlich bequemte er sich doch, mir eine rosa Kamera vorzuführen (das heißt, aus dem Karton zu nehmen) und hat sich nach meiner spontanen Bemerkung „Sehen Sie, das ist ein ganz anderer Farbton!“ wahrscheinlich etwas Schönes gedacht. Jedenfalls hab ich dann eine grüne gekauft. Nachträglich denke ich, ich hätte mir noch die blaue auspacken lassen sollen, ob das wohl ein hübsch marianischer Farbton ist? Vielleicht hätte das aber auch geheißen, ihn endgültig zu überfordern. Andererseits hab ich 14 Tage Rückgaberecht, ich könnte dem Faß also doch noch die Krone ins Gesicht schlagen. Mach ich aber höchstwahrscheinlich nicht, schon weil ich der grünen Kamera gegenüber (die tadellos funktioniert) dann ein schlechtes Gewissen hätte. Wer das jetzt merkwürdig findet, ich kenne noch mehr Menschen mit solchen Ideen.

Jedenfalls hab ich jetzt wieder eine Kamera – die Katzen sind phasziniert. Prinzessin Souraya (Punkti) kam sofort herbei, konnte sich aber nicht entscheiden, ob sie die Geräusche und das ausfahrende Objektiv toll oder den Blitz doof findet (beides wahrscheinlich, weshalb die allererste Aufnahme, die ich mit der Kamera gemacht habe, eine retirierende, gepunktete Katzennase zeigt. Valentin wiederum hat vor dem Kameragehäuse mehrere Minuten lang geflehmt (aus pädagogischen Gründen hab ich dabei nicht fotografiert, obwohl Katzen beim Flehmen immer so einen herrlich blöden Gesichtsausdruck haben).

Die Kamera bleibt also, und der Verkäufer ist womöglich ausgerechnet am Weltfrauentag zu der Vorstellung gekommen, daß Frauen sich ihre technischen Geräte ausschließlich nach der Gehäusefarbe aussuchen. Weia.

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[1] In der Tat sind weitere Modelle angekündigt. Allerdings kann man auf diese Weise scheinbar ewig warten und zu nichts kommen.

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