Dienstag, 6. März 2012

Purpur und Wolle

Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle. (Jes. 1, 18)

Das Bild, das hier gebraucht wird, erschließt sich jedem sehenden Menschen sofort. Scharlach wie Purpur sind sehr kräftige Farben, beide gehören übrigens zu den kostbarsten Farbstoffen der Antike. Purpur, aus den Gehäusen der Murexschnecke gewonnen, wurde in unterschiedlicher Verdünnung verwendet, mit ihm ließen sich Farbtöne vom Altrosa der Gewänder, die der Hohepriester im Tempel trug, bis hin zu fast Schwarz erzielen, wie man auf diesem Mosaik Christi, das sich in San Apollinare Nuovo in Ravenna befindet, sehen kann.

Da Purpur so ausgesprochen kostbar war – um das Jahr 400 nach Christi Geburt herum kostete ein Pfund mit Purpur gefärbter Kleider in heutige Währung übertragen etwa 14.377 Euro – , konnten es sich nur hohe Würdenträger leisten; das Tragen reiner Purpurgewänder[1] war im alten Rom nur dem Kaiser vorbehalten. Deren Kinder nannte man einst porphyrogenitos, im Purpur geboren. Hält man sich die außerordentliche Kostbarkeit des Farbstoffs vor Augen, wird klar, warum man Christus in diesem Mosaik ein purpurnes Gewand verehrt hat und warum die Verwendung dieser kostbaren Farben ihre direkte Fortsetzung in der Liturgie der Bußzeiten (violett und altrosa) findet – der Priester als Christussymbol ist gekleidet in die Farbe der hohenpriesterlichen Gewänder.

Sonnengebleichte Wolle wiederum ist (neben Leinen) wohl der hellste Farbton, den man damals erzielen konnte und verbindet sich von alters her so sehr mit Reinheit und Unschuld, daß er die Farbe des Taufgewandes[2] und des Gewandes der jungfräulichen Menschen ist, jener, die ihre Gewänder weiß gewaschen haben im Blut des Lammes.

Um zum Bild des Propheten Jesaja zurückzukehren: wäre eure Seele durch die Sünde auch nahezu schwarz, sie soll wieder ganz hell werden. Wenn das kein Motiv ist, zur Beichte zu gehen, dann weiß ich auch nicht. Ich finde es wunderbar.


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[1] Im Unterschied zu den römischen Würdenträgern, die an ihren Togen einen Besatz von purpurgefärbtem Stoff trugen.
[2] und, von ihm abgeleitet, auch die der Albe und des Chorhemdes

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