Mittwoch, 14. März 2012

Oje…

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, seines Zeichens Verantwortlicher der entsprechenden Kommission, über die äußere Gestaltung des Nachfolge-Gotteslobs,
vor dem uns schon leicht graut, seit wir die Probepublikation gesehen haben[1] auf das wir mit Spannung warten:
In der deutschen Bischofskonferenz haben wir uns geeinigt, daß zumindest zwei Farbbilder hineinkommen, aber auch eine Reihe von kleinen graphischen Zeichnungen, die eine eigene Sprache haben, die nicht nur von den Noten oder vom Satz der Buchstaben bestimmt werden, sondern die eine ganz eigene Zugangsweise zum Glauben haben, die offen sind für den Menschen unserer Zeit. So daß ich hoffe, die Leute nehmen das Buch gerne in die Hand und können gleichsam, wie bei der Pause innerhalb eines Musikstückes, im Blick auf solche kleine graphische Zeichnungen tief durchatmen und sich über das Gotteslob freuen. …

Es sind unbekannte Zeichnungen, die von einer Künstlerin angefertigt werden, gerade im Blick auf das Gotteslob, aber sie dienen nicht der Illustration bestimmter Texte, sondern sie sind eigenständige Wege, innerlich, seelisch einmal durchzuatmen. Darüber freue ich mich und ich denke auch, daß Menschen, die mit moderner Kunst nicht viel am Hut haben, trotzdem bereit sind, einfach neugierig darauf zu schauen. Ein Kunstwerk, das sich im ersten Blick erschließt, verliert sehr schnell seinen Reiz, aber eine Kunst, die immer wieder animiert nachzudenken, was will denn damit gesagt werden oder was sagt mir das in diesem Augenblick, das animiert die Menschen nachzudenken und über das Nachdenken auch in die Tiefe der Seele hinabzusteigen.
Huh, wie mir sowas widerstrebt – „neugierig“ auf „moderne Kunst“ schauen und drüber nachdenken, was sie mir denn sagen will? Immer wieder. Ich würd ja denken, an wirklich großer Kunst, auch an solcher, die sich gleich als solche erschließt, sieht man sich niemals satt, aber wer fragt mich schon? Allerdings: wie kann irgendjemand über die „graphischen Zeichnungen“ (ein schwarzer Rappe, juhu!) und was sie uns vielleicht sagen wollen, sprechen, ehe man sie kennt? Bischof Hofmann kennt sie ja selbst, wie er sagt, nicht und offenbar auch niemand sonst, da sie „unbekannt“ sind. Zwar räumt der Bischof ein, es sei sehr schwierig, gerade beim Thema Kunst einen gemeinsamen Nenner zu finden, allerdings komme ich nicht umhin, zu fragen, wieso man sich dann grad dafür entscheidet, bei moderner Kunst – oder dem, was man dafür hält – einen finden zu wollen? (Hoffentlich wurde da nicht wieder für schweres Geld irgendein Kunstpreis ausgelobt, während viele wirklich große Kunstwerke aufgrund ihres Alters zum Public Domain gehören. Aber wahrscheinlich versteht man die zu leicht…)

Und auch
Die Menschen sollen einen neuen Zugang zu den Fragen des Glaubens bekommen. Was ist denn ein Tabernakel und was bedeutet zum Beispiel Weihwasser?
läßt leider nichts Gutes ahnen. Ich erwarte von meinem Gesangbuch manches, aber nicht, daß es mir erklärt, was Weihwasser und wo Christus auf geheimnisvolle Weise dauerhaft gegenwärtig ist. Immer wieder. Natürlich gibt es Menschen, die sowas fragen. Die schauen aber dazu wiederum nicht im Gotteslob nach, dafür gibts heutzutage die Unaussprechliche oder, wenn man ein Buch will, das in Fragen des Glaubens weiterhilft, den Youcat – in dem sind auch die Bilder lustig (alternativ sind sie schön, siehe oben, Bild zur Erläuterung der Frage Wer kann getauft werden?)

Ich kann mich erinnern, daß mir kurz vor und nach meiner Konversion der Teil vorn im Gotteslob, der die Liturgie der Kartage und die entsprechenden Responsorien kurz umreißt, eine Hilfe war, das ist aber auch schon eine ganze Weile her. (Heutzutage könnte man das viel besser im Schott online nachlesen, jedenfalls aber ist es im GL nicht fehl am Platz.) Ähnlich mag es manchem Katholiken gehen, der jahrelang nicht in der Kirche war und nun wieder zum Gottesdienst kommt. Auch die Erklärungen zum Meßablauf werden hierzukirch manchmal gern genommen. Die Erklärung, was Weihwasser sei, ist aber doch noch etwas anderes. Wer einmal weiß, was Weihwasser ist, der weiß es und vergißt es nicht wieder. Just my 2 cents.

Hoffentlich haben sie nach dem Motto, „Siehe, ich mache alles neu“, wenigstens auch die Beichtspiegel des alten Gotteslobs überarbeitet (also, sowas Schreckliches…!) Abgesehen davon können sie sich wegen mir mit dem neuen Xangbuch gern noch ewig Zeit lassen. Offengestanden, verstehe ich nicht, wieso wir überhaupt ein neues brauchen. Ich brauchs nicht, aber ich weiß ja auch, wozu man Weihwasser nimmt.

___
[1] Weil sie etwa, anstatt wie erhofft, mehr lateinische Meßgesänge in viereckigen Noten, die wir jetzt in unserem Diözesananhang haben, Lobet den Herrn in – wenn ich mich der Probepublikation recht ersinne – nicht weniger als sechs Sprachen (untereinander!) enthielt. Ich meine, in welcher Gemeinde wird Lobet den Herrn (ein wunderbares Lied) denn in Ungarisch gesungen, daß es das bräuchte? Ich glaub, das Lied kann eh jeder im Schlaf auswendig singen. Immerhin, seien wir dankbar, daß es anscheinend überhaupt noch drin ist.

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Das frag ich jetzt nicht scharf-verteidigend, sondern wirklich aus Interesse: Was ist denn an dem Beichtspiegel im Gotteslob schlecht? Ist er zu lax? Wenn er das ist, muß ich unbedingt an meinem Sündenbewußtsein arbeiten... Ich konnte mit einem Beichtspiegel nicht viel Anfangen, weil es dort hieß "Habe ich über schlechte Witze gelacht?" - So absolut fand ich es doch etwas hart... oder wenn es in der Gewissenserforschung des Opus Dei heißt "Bemühe ich mich gegenwärtig um die Freundschaft mit einem Kollegen, der an diesem Bildungskreis teilnehmen könnte" - kann ich darauf nur "NEIN!" antworten, weil ich mich NICHT um die Freundschaft mit jemandem bemühe, weil ich ihn für was gewinnen will. Aber das ist vllt eine Formulierungssache.

Was die "unbekannten Bilder" im Gotteslob betrifft mache ich mir auch Sorgen. "sie sind eigenständige Wege, innerlich, seelisch einmal durchzuatmen" - da schwant einem ja fürchterliches! Was ist es denn zur Zeit mit der Kirche und peinlicher Kunst, daß es sich so oft trifft? Könnten die nicht einfach Klassiker in Sachen Ikonen hineinnehmen, wenn sie denn Bilder drin haben wollen? Oder könnten sie auch denken, daß das Gotteslob primär ein Liederbuch sein sollte?

Braut des Lammes hat gesagt…

Zum zweiten Absatz: ja, genau, das ging mir auch durch den Sinn. Dann wieder war ich in Versuchung, den Beitrag heut morgen gleich wieder herauszunehmen: was gehet mich das an?

Zum Beichtspiegel - dedizierter könnte ich darauf antworten, wenn ich grad ein GL da hätte. Kurz zusammengefaßt:

Von einem (guten) Beichtspiegel erhoffe ich mir, daß er mir hilft, mein Gewissen zu erforschen, jedenfalls ist er nicht dazu da, mich zu bevormunden oder zu psychologisieren. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen heißt es im Psalm. Ich weiß nicht, obs an mir liegt, wenn mir auf eine Frage wie „Habe ich von meinem Wahlrecht verantwortlich Gebrauch gemacht?“ eher die Antwort – Das geht dich einen feuchten Kehrricht an", auf der Zunge liegt.

Anderswo – ich trag das GL aktuell grad nicht mit mir herum, wird man abwechselnd gefragt, ob man sich zu wenig für die Gemeinde engagiert hat – oder vielleicht auch zuviel? Es entsteht der Eindruck, man könne es eigentlich nur falsch machen.

„Weiß ich, daß Gott sich überall, in jedem Menschen, im öffentlichen Leben, auch in der modernen Welt durchsetzen kann? – Verstehe ich, daß sich die Kirche auf dem Weg durch die Geschichte immer wieder erneuern muß? Gefährde ich meinen Glauben durch unkritische Lektüre glaubensfeindlicher Schriften?“ (Kritisch lesen wäre aber in Ordnung?) – Es mag an mir liegen, ich finde solche Fragen an dieser Stelle deplaziert, ja geradezu oberlehrerhaft.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Na Mahlzeit ...

Ich könnte mal wieder mit Microsoft Paint spielen ... plant grad jemand noch ein Gesangbuch?

Braut des Lammes hat gesagt…

Wie wahr. Und wiewohl die Bischöfe bei der Umschlaggestaltung die Wahl hatten, ist es bei uns natürlich doch dieser graue mit dem undefinierbaren Dings darauf geworden. Hab ichs nicht gewußt?

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