Mittwoch, 28. März 2012

Confiteor


Zenit hat vor kurzem eine Antwort des Liturgikers P. Edward McNamara LC auf die Frage nach dem an die Brust schlagen beim Schuldbekenntnis veröffentlicht. Eine Geste, die mancherorts ganz verschwunden scheint. Bei uns hat sie scheints durch das Beispiel der Ministranten seit einigen Jahren ein Revival erlebt.

Ein Freund, der katholisch ist, aber eher selten zur Kirche geht, erwähnte mir gegenüber vor einiger Zeit en passant, daß er diese Geste quasi als das Non-plus-Ultra des demonstrativen Holier-than-thou empfinde. Was mich wiederum einigermaßen erstaunt hat: es steht in den Rubriken, also mach ichs einfach und denk dabei nicht an meine Umwelt. An sich ist es auch eine einigermaßen schlichte Geste. In manchen Konventen ist es auch üblich, sich bei den Worten „…und euch, Schwestern“ (wahlweise: Brüder) gegenseitig zuzunicken: ihr seid gemeint.

Es ist nicht so, daß ich vor dem Gottesdienst in der AEM jeweils nachschlage, was man tun soll (obwohl dieses „Ist das wohl so richtig, könnte man es noch etwas richtiger machen?“ manchmal tatsächlich eine meiner Eigenarten ist). Ich kann mich aber erinnern, daß ich, als ich seinerzeit anfing, regelmäßig zur Heiligen Messe zu gehen, im Gotteslob nachgelesen habe, was man denn wann so tut. Und da stand es auch schon drin, wie im übrigen immer noch: Alle schlagen an die Brust.

P. McNamara behandelt indes gar nicht einmal die Frage, ob oder ob nicht, sondern nur, wie oft? Mancher ist offenbar der Auffassung, in der ordentlichen Form des römischen Ritus seien bestimmte Gesten oder Kreuzzeichen abgeschafft bzw., um beim Confiteor zu bleiben, man hätte sich jetzt bitte schön nur noch einmal gegen die Brust zu schlagen, alles andere wäre von Übel. Dazu führt P. McNamara aus, daß schon der Sprachfluß Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld… auch die dreimalige Wiederholung dieses Gestus' nahelegt. Genauso hab ich das auch immer empfunden.
Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil „unnötige Wiederholungen“ abschaffen wollte, muß gesagt werden, daß nicht jede Wiederholung unnötig ist. Einige Formen der Kommunikation nutzen notwendigerweise sogenannte „Redundanzen“, was bedeutet, sie verstärken das Signal, das eine Botschaft vermittelt, mehr als eigentlich unbedingt notwendig wäre, um die äußere Beeinflussung zu überwinden und die Wichtigkeit hervorzuheben … Die dreifache Wiederholung hebt aber ihre Bedeutung hervor und hilft uns, uns auf die innere Bedeutung dessen, was wir tun und sagen, zu konzentrieren.
Das Bild oben gibt die lange Fassung des Schuldbekenntnisses wieder. Da ich diese auf Latein zuerst gelernt habe, verwirrt mich im lateinischen Hochamt die kurze Fassung immer mal aufs neue.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Bei mir ist dann gerade die Frage aufgekommen bei den weiteren Brustschlägen wie z. B.:

1)
Im Agnus Dei bei "miserere nobis", bzw. bei "dona nobis pacem" (wobei ich mich frage, ob das richtig ist).

2)
Beim Angelus bei "Und das Wort ist Fleisch geworden".

Gibt es zu diesen Punkten irgendwo eine einheitliche Regelung oder sind diese beiden Stellen eher lokaler Brauch?

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Ich habe mal eine Auslegung dieser "unnötigen Wiederholungen" gelesen, nach der dabei vor allem an die Praxis doppelter Lesungen (einmal Latein, damit's gültig ist, einmal Landessprache, damit die Gemeinde was versteht) gedacht war. Das hieße, daß die Doppelungen schon mit der Liturgie in der Landessprache erledigt sind.

So ganz plausibel war mir diese Auslegung nicht, aber ich weiß bis heute nicht, was damit wirklich gemeint ist. Denn in den alten Schotts und Bomms finde ich ehrlichgesagt keine unnötigen Doppelungen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Meines Wissens gibts dazu keine einheitliche Regelung bzw. man kann es so oder so auslegen. Im zweiten Teil hier http://www.zenit.org/article-34090?l=english
sagt er etwas zum Agnus Dei, unter Verweis auf Joseph Ratzinger:
"During the Agnus Dei (Lamb of God), we look upon him who is the Shepherd and for us became the Lamb and as Lamb, bore our iniquities. At this moment it is only right and proper that we should strike our breasts and remind ourselves, even physically, that our iniquities lay on his shoulder, that 'with his stripes we are healed'" (page 207).

Daß man sich beim Angelus gegen die Brust schlüge, hab ich noch nie gehört. Wir verneigen uns, mancherorts betet man auch gleich im Knien.

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