Freitag, 17. Februar 2012

Vor der großen Fastenzeit: warum fasten?


Nächste Woche ist es wieder soweit: die Zeit, die der Apostel als die Zeit der Gnade bezeichnet, beginnt, und Christus nachahmend beginnen wir die sechseinhalb Wochen der großen Fastenzeit.

Selber bin ich dabei manchmal zögerlich, mir dabei allzuviel auf einmal vorzunehmen. Den Vorsatz, in der ganzen Fastenzeit anstelle von Fruchtsaftschorle und etwas Kaffee nur Wasser zu trinken, würde ich wahrscheinlich nicht durchhalten können. Da fällt mir Kohelet ein: Es ist besser, du gelobest nichts, denn daß du nicht hältst, was du gelobest.

Als Einstimmung auf die Quadragesima eine kurze Abhandlung zu der Frage, warum fasten die Christen?, die ich vor einiger Zeit gefunden habe. Sie stammt von einem amerikanischen Orthodoxen, geht uns aber natürlich genauso an.
Viele Christen haben die überkommene Fastenpraxis aufgegeben; in vielen heutigen westlichen Kirchengemeinschaften scheint sie mühsam und unwesentlich. Für diejenigen aber, die ihre eschatologische und sakramentale Bedeutung schätzen, ist sie aber so wesentlich wie Essen und Trinken.

Warum fasten die Christen? Für die meisten ist das Leben schon herausfordernd genug, ohne selbstauferlegte Schranken für das, was wir an gewissen Wochentagen und während langer Perioden des Kirchenjahres essen, trinken und tun. Sorgt sich Gott wirklich darum, ob wir freitags Fleisch essen oder den Kühlschrank während der Fastenzeit von Milchprodukten befreien? Ist das wirklich wichtig?

Zusätzlich haben manche noch Bedenken wegen der Scheinheiligkeit, die das Fasten manchmal begleitet. Wir weigern uns aus spirituellen Gründen, manche Lebensmittel zu essen, tun aber wenig oder gar nichts dafür, unser Verhalten gegenüber anderen zu ändern. Eine mit der Fastenzeit verbundene Klage (sowohl vom hl. Basilius wie vom hl. Chrysostomos überliefert) faßt das mit erschreckender Genauigkeit zusammen:
Du enthältst dich der Fleischspeise – und verschlingst deine Nächsten!

Die asketische Tradition der frühen Kirche kennt mehrere Gründe für das Fasten. Richtiges Fasten reinigt den Körper von Giften, es erleichtert das Gebet, es hilft verschiedene Leiden
schaften und Versuchungen zu beherrschen, und es hilft, Solidarität mit den Armen zu fühlen. Diese Tradition aber besteht auf einem Zugang zum Fasten, der heute oft vergessen wird: Ausgewogenheit und Maßhalten. Wir können uns zwanghaftes „Etikettenlesen“ aller gekaufter Lebensmittel auferlegen, nur um sicher zu sein, daß sie auch nicht eine Spur von Milch enthalten; wir können hungern, bis unsere Gesundheit in Gefahr ist; wir können uns hämisch freuen über unseren „Erfolg“ und die weniger eifrigen unter uns verurteilen. Das aber macht die Fastendisziplin zu einer Farce.

Viele Orthodoxe, die im Westen leben, stehen vor einem Dilemma, wenn sie von Nicht-Orthodoxen eingeladen werden, die unsere Fastenpraxis nicht kennen, oder auch von Orthodoxen, die sich nicht darum scheren. In diesen Fällen sind Ausgewogenheit und Maßhalten besonders gefragt. Um Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es gesund und vernünftig, das Gebot zur richtigen Zeit zu lockern.Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis, rät der hl. Diodokos von Photiki, können wir unsere Selbstbeherrschung in Demut verborgen halten. Wenn wir in Gefahr sind, andere mit unseren Fasten zu beleidigen, ist der Rat des hl. Paulus eine gesunde Daumenregel: …eßt, was euch vorgesetzt wird.

Doch beantwortet ein solcher Rat nicht die Frage, warum wir gerufen – eingeladen – sind, Fastenregeln zu akzeptieren, sei es eine totale Abstinenz für kurze Zeit oder eingeschränkte Nahrung während längerer Fastenzeiten … Fasten ist nur sinnvoll, sofern es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird. Wenn es auch dazu dienen mag, den Leib zu entgiften und uns hilft, unsere Versuchungen zu Völlerei und Genußsucht in den Griff zu bekommen, rechtfertigt dies keineswegs ihre Strenge. Die Fastendisziplin hat nur einen grundlegenden Zweck: uns auf das Fest vorzubereiten.

Wir enthalten uns völlig des Essens, bevor wir die Heilige Kommunion empfangen, nicht nur um den Bauch zu leeren, sondern um Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen, das himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt. Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres. Sie helfen sehr bei der lebenswichtigen Aufgabe, die „Zeit zu heiligen“, Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen.

Fasten hat seine wahre Grundlage im gesamten sakramentalen Leben der Kirche, das den Gläubigen nährt und zum ewigen Leben, zu Freude und Frieden im Himmelreich führt. Es erhebt uns über die täglichen Sorgen unserer irdischen Existenz, um uns sicher auf die Flugbahn zu setzen, die uns von diesem Leben ins nächste bringt. Fasten ist kein Sakrament im strikten Sinne, aber es ist zutiefst „sakramental“. Sakramental und eschatologisch, weil es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt, unser Gebet – das persönliche, wie das gemeinschaftliche – vertieft und verstärkt, und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Durst nach dem versprochenen Mahl schafft, dem kommenden ewigen Fest.

Fasten ist die Mahnung, daß der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist. Fasten mag kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen: unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen und uns schmerzlich daran erinnern, wieviele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen. Aber das alles hat sein Gutes. Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem, was wirklich wichtig ist: zum himmlischen Jerusalem, in dem die Seele erhöht wird, der Geist geheiligt und die Dämonen besiegt, und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

DANKE!!!

Anonym hat gesagt…

Also, ich werde ab Aschermittwoch auf meine grosse Tasse heisse Schokolade zum Frühstück verzichten und mich stattdessen mit Tee begnügen.Das fällt mir wirklich schwer. Ansonsten versuche ich dass ich auf Süssigkeiten, Schokolade, Kuchen usw. verzichte. Zugegeben, das habe ich bisher nie ganz durchhalten können. Allerdings erlaube ich mir an den Sonntagen( die ja nicht direkt zur Fastenzeit gehören) die eine oder andere Ausnahme. Viel Spielraum zum Fasten habe ich nicht, weil ich ohnehin nicht so viel esse, wie ich eigentlich möchte um in form zu bleiben. Und da ich arbeitsmässig richtig zulangen muss, muss ich aufpassen, dass ich nicht zusammenklappe.
L.G. M.

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