Donnerstag, 2. Februar 2012

Meine Augen haben das Heil gesehen… – Fest der Darstellung des Herrn

Darstellung des Herrn im Tempel,
Ambrogio Lorenzetti, 1342
Schmücke dein Brautgemach Sion! Christus den König nimm auf, umfange Maria: sie ist die Pforte des Himmels; sie trägt ja den König neu leuchtender Glorie. Dort steht die Jungfrau, auf ihren Händen bringt sie den Sohn, gezeugt vor dem Morgenstern. Simeon nimmt ihn auf seine Arme und kündet den Völkern: das ist der Herr über Leben und Tod, der Heiland der Welt! (Antiphon zur Lichterprozession)

Beim Fest der Darstellung des Herrn, im Griechischen wegen des Zusammentreffens mit Simeon Hypopante (Begegnung) genannt, ist sehr alt, in Jerusalem wurde es schon im 4. Jahrhundert als Hochfest, „mit gleicher Freude wie Ostern“ gefeiert. In die römische Liturgie kam es übrigens mittelbar durch die Briefe der geweihten Jungfrau Egeria (auch: Ätheria), die von ihren Reisen ins Heilige Land in Briefen an daheimgebliebene Jungfrauen berichtete.

In der lateinischen Kirche wandelte sich das Fest hin zum reinen Marienfest, während es in der Ostkirche seinen ursprünglichen Charakter als Christusfest behielt. Die liturgische Ordnung sah vor, daß die Lichterprozession auch dann am 2. Februar stattfinden solle, wenn das Fest selbst verschoben würde. Bei der Austeilung der Kerzen wird der Lobgesang des Simeon, das Nunc dimittis gesungen, den die Kirche in jeder Komplet anstimmt:
Nun läßt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast,

ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Von dieser Prozession, von der schon Beda Venerabilis als festem Brauchtum berichtet, hat das Fest den volkstümlichen Namen Mariä Lichtmeß. Die brennenden Kerzen hält man auch beim Tagesevangelium. Da sie wie die Osterkerze, ein Christussymbol, des wahren und heiligen Lichtes, sind, tauchen in einem der Gebete zur Kerzenweihe auch wiederum die fleißigen Bienen aus dem Exsultet auf: nach deiner Anordnung haben die Bienen diesen Blumensaft zum Wachs für Kerzen bereitet. Die Kerzen, sind, wie die Osterkerze, ein Sakramentale, ein heilswirksames Zeichen zum Gebrauche der Menschen und zur Gesundheit des Leibes und der Seele, für alle, seien sie zu Land oder zu Wasser.

Auf vielen Darstellungen der Hypopante findet die Begegnung mit Simeon unter einem baldachinartigen Überbau statt, der an spätere Altäre wie den von Sta. Cäcilia und zugleich an die Decke gotischer Kirchen erinnert. Hier ist ein sehr schön gestirnter, den diesen Ort der Begegnung im Tempel als Abbild einer größeren Wirklichkeit erscheinen läßt, der Kirche.

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