Samstag, 11. Februar 2012

Der benutzte Besen und die Votivgabe – Fest der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria in Lourdes

Lourdes gestern und heute – die Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen die Grotte von Massabielle im Jahr der Erscheinungen der Jungfrau Maria, 1858, und die hl. Bernadette einige Zeit danach.

Bei seinem Besuch in Lourdes 2008 bezeichnete Papst Benedikt XVI. die hl. Bernadette als ein Licht der Hoffnung, das bei der Begegnung mit ihm die Kraft hat, ein Leben zu verändern.

Heute feiert die Kirche das Fest der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria. Der Name der hl. Bernadette ist untrennbar verbunden mit dem unserer lieben Frau von Lourdes. Dieses Fest feiert die Kirche zur Erinnerung an den 11. Februar 1858, dem Tag, an dem die Jungfrau Maria einem jungen Mädchen in der Grotte von Massabielle bei Lourdes zum ersten Mal erschien. Papst Pius X. führte dieses Fest 1907 für die ganze Kirche ein, Pius XI. sprach Sr. Marie-Bernarde Soubirous am 14. Juni 1925 selig.

Im Juli 1866, acht Jahre nach dem Ende der Erscheinungen, trat Bernadette als Postulantin in den Konvent von Ste. Gildarde der Schwestern von Nevers ein, einer tätigen Kongregation. Schon vor ihrem Eintritt und bis zu ihrem Tod wurde Bernadette, die spätere Sr. Marie-Bernarde, als Kuriosum betrachtet – was ihr manchmal gehörig auf die Nerven fiel (Bernadette war immer sehr geradeheraus). Die meiste Zeit allerdings achtete sie nicht darauf und wünschte auch nicht, daß irgendein Gewese um sie gemacht werde, auch nicht, als sie noch kränker wurde, als sie von Kindheit an schon war, und zu ihrem schweren Asthma die Erkrankung an Knochentuberkulose kam. Sie nahm diese mit großen Schmerzen und heftigem Leiden verbundene Krankheit schlicht und zielbewußt als zu erfüllende Aufgabe an, wie alles, was ihr zufiel. Auf sich selbst nach den Erscheinungen der Jungfrau verwendete sie das Bild eines Besens, „der nach dem Fegen in die Ecke gestellt wird“. – Was er zu tun hatte, hat er getan, und in diesem Fall hat er es gut getan.

In der Folge der Erscheinungen sind in Lourdes viele Wunder geschehen. Es ist vielleicht eines der eigenartigsten Wunder von Lourdes, daß eines der katholischsten Bücher überhaupt von einem Juden geschrieben wurde, dem Österreicher Franz Werfel. Ich habe sein Lied von Bernadette entweder kurz vor oder kurz nach meiner Konversion erstmals gelesen und fand es wunderschön.

Daß Franz Werfel die Geschichte der Erscheinungen der Jungfrau Maria und der hl. Bernadette aufgeschrieben hat, geht auf ein Gelübde zurück, das er tat, als er 1940 auf der Flucht vor den herrschenden Nationalsozialisten nach Lourdes gelangte. An dem Ort, an dem so viele Wunder geschehen sind und noch geschehen, gelobte er, wenn er gerettet würde, bevor er irgendetwas anderes beginne, das Lied Bernadettes zu singen. Werfel gelang die Flucht und er erfüllte sein Gelübde. In schöner, fast lyrischer Sprache – das Buch trägt zu Recht den Namen Das Lied von Bernadette und zugleich so einfach, daß es jedermann verstehen kann, schrieb er seine Begegnung mit der Heiligen nieder. Im Mai 1941 schrieb er abschließend:
Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen gab mir ein weit älteres und viel unbewußteres Gelübde. Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens.
Diese Erfüllung eines Gelübdes für die Errettung aus großer Gefahr – eigentlich eine Votivgabe an die Muttergottes – atmet wundersamerweise den Geist des Katholizismus, und, wie Werfel selbst schreibt, den der Heiligkeit. So hat die Begegnung mit der hl. Bernadette auch auf diese Weise die Kraft, ein Leben zu verändern.

Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Das Lied von Bernadette habe ich mehrmals gelesen und immer mit großer Begeisterung, weil Werfel es fertiggebracht hat, genaue Recherche, hohe Sprachkunst und tiefe Liebe zu vereinen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, das hast du sehr schön gesagt. Ich hab das Buch auch mehrmals gelesen; es gehört zu den wunderbaren Büchern, die man eigentlich immer wieder lesen kann.

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