Sonntag, 12. Februar 2012

Der Schatz

Rabenaier berichtete neulich über den Flohmarktfund eines alten Schott-Meßbuches. Daß die Vorbesitzerin ihn nicht aufgeschlagen hat, ist womöglich ein Schicksal, das ihn mit den zahlreichen Gesangbüchern[1] mit Goldschnitt verbindet, die Konfirmanden traditionell zur Konfirmation bekommen haben. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, was aus meinem geworden ist, denn nicht lange danach wurde ich katholisch. Höchstwahrscheinlich habe ich es weiterverschenkt.

Ein solcherart verwaistes Buch kann immerhin, und sei es Jahrzehnte später, einem neuen Besitzer noch zum Segen werden. So bin ich vor einiger Zeit zu einem alten Schott von 1952 gekommen – er wurde abgegeben und ich bin die Glückliche, die ihn geerbt hat –, und es ging mir ähnliches durch den Sinn: wie wunderschön dieses Buch früher gemacht war!

In einem Buch, das auch noch ein äußerst praktisches Format hat, ist eigentlich fast alles drin, was der Katholik im Kirchenjahr braucht. Es ist erstaunlich, für wieviele erklärende und zum Teil sehr schöne einführende Texte – etwa den über die stimmungsvolle Vorhalle der Vorfastenzeit – bei dem Format noch Platz war. Nicht zuletzt ist die Aufmachung sehr schön: Druck mit Rubriken, fünf verschiedenfarbige Bändchen in satten Farben und Goldschnitt, wie gesagt. Viele Hochfeste und die geprägten Zeiten kommen mit den bekannten Holzschnitten daher, die auch im Benzigerschen Missale auftauchen. Ob einem diese gefallen, ist natürlich Geschmacksache[3]; sie sind aber sehr liebevoll gefertigt und enthalten oft auch interessante Details. Ikonographie-Freaks (und solche, die es werden wollen) haben da viel Freude.

Schottscher Parforceritt durch das Kirchenjahr – von der Verkündigung des Herrn…

Anbetung der Könige

Einzug in Jerusalem

…bis zur Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums vor seinem Leiden.

Zusätzlich zu den Holzschnitten finden sich vor besonders hohen Festen noch farbige Andachtsbildchen, die durch ein pergamentenes Vorsatzblatt geschützt sind. – Ein echter Schatz, und wohl dem, der einen solchen findet. Das kurze Gebet für den vorigen Besitzer ist natürlich trotzdem eine sehr schöne Idee.


______
[1] Drei schwäbische Wörter mit X: Xaver, Xälzbrot[2], Xangbuch.
[2] Gsälz = Marmelade.
[3] Nebenan fragt sich grade einer, ob solche Abbildungen wohl zum Fußnägelkräuseln führen? Also, zumindest bei mir nicht, wie man sieht.

Kommentare:

Freiiburgbärin hat gesagt…

Ich habe immer noch meine Laudate, geschenkt bekommen zur 1. Heiligen Kommunion, nicht immer pfleglich behandelt, einige Seiten fehlen, der Goldrand läßt sich nur noch erahnen. Ein Bändel ist noch übrig, drei waren es. Liebevoll geflochten während langweiliger Predigten.
Fünfzig Jahre alt, aber meine Beichtvorbereitung nur mit ihr.
Mit dem Gotteslob kann ich nichts anfangen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das Buch kenne ich wiederum gar nicht, den Drang zum Bändelflechten dagegen schon. Später im Leben lernt man dann, wie man sie liebevoll wieder glattbügelt oder schont, so daß sie möglichst lang halten.

Mit dem GL kann ich in Bezug auf die Beichtspiegel auch rein gar nichts anfangen, im Gegentum.

Freiburgbärin hat gesagt…

Die Laudate ist das Mess- und Gesangbuch des Bistums Münster (und anderer), wie das Magnificat das des Erzbistums Freiburg (et al.) ist. Müsste wohl korrekt „das Laudate“ heißen, ich habe es als „die Laudate“ kennengelernt.
Beide sind „Vorläufer“ des GL.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...