Sonntag, 5. Februar 2012

Dolomiti-Sonntag


Mit Kerzenweihe und einem Lied zum Fest Darstellung des Herrn (GL 884 hab ich noch nie gesungen!), den liturgischen Texten samt Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis in der Mitte und dem Blasiusssegen[1] am Ende hatte der Gottesdienst heute tatsächlich was vom guten alten Dolomiti-Eis.

War zwar würdig, keine Frage (mit Zelebranten und Ministranten, denen nicht der Kittel brennt, wird es das eigentlich meist), aber liturgisch irgendwie seltsam, zumal in den Abkündigungen wundersamerweise auch noch das Aschenkreuz auftauchte. Ich wette, mit ein wenig Mühe hätte man sicher auch noch die Fußwaschung, aber doch wenigstens eine Speisensegnung in Form von Agathabrot untergebracht. Die wär heut nämlich Trumpf gewesen, wenn auch hier völlig ungebräuchlich.

Am anderen Ort ist man vom guten Vorsatz (Kerzenweihe nur am Lichtmeßtag) offenbar wieder abgekommen, jedenfalls hab ich am Donnerstag gehört, heute gebe es eine „kleine“ Kerzenweihe und am Sonntag eine „große“. Wobei „groß“ in diesem Falle nur bedeutet, daß die Leute Kerzen für den Eigenbedarf dabeihaben, die ihnen während des Gottesdienstes hurtig und mit Donnergepolter von der Kniebank kollern (jedenfalls war das beim letzten Mal, als ich bei eben dieser Heiligen Messe war, genau so. Auf seine Art hatte dieser Gottesdienst einen erhöhten Unterhaltungswert.)

Schade ist dabei weniger, daß es sinnbefreiterweise zwei Kerzenweihen gibt – wobei nicht zweimal dieselben Kerzen gesegnet wurden, sondern Teil 1 am Donnerstag und Teil 2 heute –, sondern, daß man es fertigbringt, bei keiner dieser Gelegenheiten eine Lichterprozession zustandezubringen (obwohl sich eine große Rundkirche dazu nun wirklich gut eignet.) Das versteh, wer will, ich versteh es jedenfalls nicht, und womöglich auch kein anderer. Teilweise tun mir die Leute wirklich leid, die erwartungsvoll zur Heiligen Messe an Mariä Lichtmeß kommen, manche von außerhalb, am Donnerstag war es krachvoll, und dann haben wir keine Prozession. Leute mit österreichischem oder sonstigem Zungenschlag fragen mich vorher freudig: „Ja, wo versammeln wir uns denn zur Prozession?“ Tja.[2]

Für den Buchministranten spannend ist der Moment, bzw. die Art und Weise, wie der Zelebrant dann im Segensgebet um Formulierungen wie die Kerzen, die wir in unseren Händen tragen und zu deinem Lob entzünden oder alle, die heute mit brennenden Kerzen in deinem heiligen Haus vor dich hintreten, herummanövriert.

In vergangenen Jahren gabs in der Akademiekirche eine Lichterprozession, die war zwar klein, aber sehr fein. Im letzten Jahr bin ich nach St. Afra, einfach weil ich auf die Feier im außerordentlichen Ritus neugierig war. Erwartungsgemäß war es auch sehr würdig, mit Krippenschließung und Lichterprozession von der Unterkirche in die Oberkirche. Also, wer zu Mariä Lichtmeß gern bei einer Lichterprozession (wie gesagt, mit Krippenschließung) mitgehen möchte, hülle sich am besten in sein wärmstes Gewand und gehe direkt nach St. Afra. Gegen etwa dräuendes Halsweh hilft der im Anschluß an die Heilige Messe gespendete Blasiussegen.

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[1] Alles in allem hab ich auf diese Weise heuer bei vier Blasiussegnungen ministriert.
[2] Von Nachfragen beim liturgischen Ausschuß oder sonstigen halb oder ganz Zuständigen sehe ich ab, blöde Antworten kann ich mir auch selber geben.


Bilder: Das Jesuskind in St. Afra, Dolomiti, 2009. Diesem Klassiker von 1973 trauere ich immer noch nach. Die kurze Wiederbelebung für Nostalgiker vor einigen Jahren scheint leider nicht von Dauer gewesen zu sein. Hier gibts Nostalgieeis zum Selbstricken.

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