Dienstag, 21. Februar 2012

Aschermittwoch und das Aschenkreuz

In seiner Predigt am Aschermittwoch des Vorjahres nannte unser Pfarrer das Aschenkreuz „das Zeichen auf den Stirnen der Mittelmäßigen“.

Die Mittelmäßigen sind wir, jedenfalls die meisten von uns, die wir dieses Sakramentale zu Beginn der großen Fastenzeit empfangen. Ein Bezug darauf, daß in der lateinischen Kirche die schweren öffentlichen Sünder am Aschermittwoch die Asche empfingen und bis Gründonnerstag aus den sakramentalen Vollzügen der Kirche dergestalt ausgeschlossen waren, daß sie, wie die Katechumenen, sogar nur am Wortgottesdienst teilnehmen durften und, ebenfalls als äußeres Zeichen ihrer Buße, die ganze Quadragesima hindurch fasten mußten (im Gegensatz zum strengen Fasten am Karfreitag und Karsamstag, das die anderen übten).

Die Asche, ein Sinnbild alles Vergänglichen, wurde dabei wohl in Form eines Kreuzes aufs Haupt gestreut. Eine Praxis, die an manchen Gegenden und Orten noch üblich ist und die ich beeindruckend fand, wo sie mir bisher begegnet ist. Bis zum Mittelalter hatte sich diese Praxis dahingehend verändert, daß nun alle fasteten und das Aschenkreuz empfingen: Bedenke, Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst – ein Akt der Barmherzigkeit, denn der einzelne geht so in der Masse unter und unterliegt nicht mehr dem öffentlichen Stigma. Zugleich ein deutliches Zeichen – kein Grund zum Pharisäertum („Herr, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie jener!“), sondern das Eingeständnis: es liegt absolut kein Grund vor, sich über andere zu erheben, beim eigenen Herzen handelt es sich gleichfalls um eine „finstere Grube“, wie das Johann Sebastian Bach im Choral so treffend ausgedrückt hat.
Die schweren Sünder brauchen dieses Zeichen des Aschenkreuzes auf den Stirnen der Mittelmäßigen, damit auch sie genau das empfinden, was die Fastenzeit aussagen möchte: Das Kreuz Christi war nicht umsonst. Du bist mit all deinen Schwächen und Fehlern und auch mit dem Unverzeihlichen an dir, mit dem Abgründigen in dir – du bist von Gott geliebt. Du bist Teil seiner Schöpfung – er hat dich bei deinem Namen gerufen. (der geistliche Rektor Christoph Karlson in seiner Aschermittwochspredigt 2011)
Eine Zeit habe ich die kleine hl. Therese darum „beneidet“, daß sie in ihrem Leben wohl keine schwere Sünde begangen hat. Daß sie fast die Hälfte ihres kurzen Lebens im Karmel von Lisieux verbrachte, zählt dabei nicht recht: sicherlich lädt im Leben kaum etwas dazu ein, so viele Wurzelsünden zu begehen wie die Gegenwart vieler guter Frauen. Eine Karmelitin hat mich dann darauf aufmerksam gemacht, daß gerade von dieser Heiligen der Ausspruch stammt, selbst wenn sie die größte Sünde begangen hätte, würde sie sich freudig flüchten in die Arme Gottes und in seine Barmherzigkeit. Und darum geht es bei der Umkehr und Hinwendung zu Gott in der Fastenzeit: Bekehre uns, vergib die Sünde, schenke, Herr, uns neu dein Erbarmen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe schon seit Wochen hingefiebert und morgen ist es endlich soweit: Aschermittwoch- Beginn der Fastenzeit. Heute Abend hole ich dass heissgeliebte rote Stundenbuch hervor (das schon seit letztem Jahr fertig vorbereitet ist für Aschermittwoch)Ich hoffe, dass ich diese Zeit der Gnade recht begehen und dabei vielleicht auch kleine Fortschritte im geistlichen Leben machen kann - mit Gottes Hilfe.
Ich wünsche allen eine gute und gesegnete Fastenzeit 2012.

l.G. M.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das wünsche dir von Herzen auch. Guten Start morgen!

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für den schönen Artikel. Und:
Bitte, was hat man sich unter "Wurzelsünden" vorzustellen?

Braut des Lammes hat gesagt…

Wurzelsünden sind das, was man gemeinhin als Todsünden bezeichnet, etwa Neid, Habgier, Jähzorn. Sie heißen so, weil sie die quasi die Wurzel für eine Vielzahl anderer Sünden sind.

Anonym hat gesagt…

"... sicherlich lädt im Leben kaum etwas dazu ein, so viele Wurzelsünden zu begehen wie die Gegenwart vieler guter Frauen."
- Das ist ja dann aber bitter - wenn ausgerechnet ein Frauenkloster in dieser Hinsicht so einladend ist? Und sind Neid, Geiz, Jähzorn, Habgier, Hochmut ... denn wirklich TOD-Sünden? (Ich finde die Kluft zwischen Laster und Todsünde so riesig.) Da leuchtet mir deine ursprüngliche Bezeichnung "Wurzelsünde" wirklich viel mehr ein.

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