Samstag, 28. Januar 2012

O res mirabilis! – Fest des hl. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer

Das Geheimnis laßt uns künden, das uns Gott im Zeichen bot, Jesu Leib, für unsere Sünden, hingegeben in den Tod. Jesu Blut, in dem wir finden Heil und Rettung aus der Not.
(Hymnus Pange lingua des hl. Thomas)

Der hl. Thomas von Aquin hat der Kirche viele gelehrte Werke und Predigten geschenkt. Am wunderbarsten sind wahrscheinlich seine Hymnen, die er für das Fronleichnamsfest schrieb.

In der christlichen Ikonographie, vor allem in den Fresken des Dominikaners Beato Angelico, wird der Heilige zuweilen als Zaungast bei der Geburt oder der Kreuzigung Christi dargestellt, in Betrachtung versunken und mit einer Schreibfeder in der Hand: ein schönes Bild dafür, daß die Hymnen des hl. Thomas von dem Wunderbaren sprechen, daß Gott Mensch geworden ist, Fleisch angenommen und sich in diesem Fleisch für uns hingegeben hat, ja, daß er seinen Leib uns selbst zur Speise reicht, uns zum Heil. O res mirabilis! Manducat Dominum pauper servus et humilis – O Wunderbarliches! Es verspeist den Herrn der arme und niedrige Knecht.

Am unvergleichlichsten ist dieses Bild des sich hingebenden und zur Speise darreichenden Herrn ausgedrückt in dem Vers des Hymnus' Gottheit, tief verborgen, der Christus – den menschgewordenen wie den eucharistischen – mit einem Pelikan vergleicht, der sich die Brust aufreißt, um die eigenen Jungen zu nähren, der sein Blut verströmt um der Kinder willen:

Pie pellicane, Iesu Domine,
me immundum munda tuo sanguine.
cuius una stilla salvum facere
totum mundum quit ab omni scelere.

Iesu, quem velatum nunc aspicio,
oro fiat illud quod tam sitio;
ut te revelata cernens facie
visu sim beatus tuae gloriae.

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein;
wasch in deinem Blute mich von Sünden rein.
Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld,
bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld.

Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht,
stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht:
laß die Schleier fallen einst in deinem Licht,
daß ich selig schaue, Herr, dein Angesicht.

___
Bilder: Kreuzigung aus der Zelle 37 im Convento di San Marco – unter dem Kreuz die Gottesmutter und die hll. Dominikus und Thomas (kniend).
The pelican in her piety Ausschnitt eines Glasfensters in Brampton.
Da wir an der Akademiekirche St. Thomas von Aquin morgen das Patrozinium feiern, kommt der Beitrag übrigens just in thyme.

Kommentare:

Thie hat gesagt…

Ich habe als kind und Jugendlicher Bilder von meinem Namenspatron gesucht und nicht gefunden. Das erste Bild von ihm hatte ich in Wien in der Dominikanerkirche gesehen.
Gru? Thie

Braut des Lammes hat gesagt…

In dem Beitrag über die Aussagen des Aquinaten über die Aufmerksamkeint beim Gebet (Attentio – über die Aufmerksamkeit beim Gebet) ist noch ein sehr schönes Andachtsbildchen. Alles Gute zum Namenstag!

Ludolph hat gesagt…

Die Fronleichnamshymnen mag ich auch sehr. Am genialsten fand ich seine Idee, Fronleichnam keine eigene Präfation zu spendieren, sondern die von Weihnachten zu nehmen. "Um in uns die Liebe zu entflammen, was kein Auge geschaut hat" ist so was von treffend, aber leider einer Reform zum Opfer gefallen. Im Schott von 1952 wird diese Präfation noch angegeben, in der 62er-Ausgabe schon nicht mehr.

In Summa ist Thomas von Aquin wohl einer der größten Theologen, die die Kirche vorweisen kann.

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