Mittwoch, 25. Januar 2012

Komm herab, o heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt – Pauli Bekehrung und Berufung

Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht daß ich es schon erreicht hätte oder daß ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, daß ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.
Zwischen dem Mann, der bei der Steinigung des Stephanus zusieht und der später von sich sagen wird Ihr wißt, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte, und dem Mann, der diese Zeilen an die Gemeinde in Philippi schrieb, liegt etwas in menschlichen Augen Unerklärliches: eine direkte Offenbarung Jesu Christi: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Der hl. Kirchenvater Hieronymus sagt von diesem Erlebnis:
Er, der die Welt mit Licht erfüllt hat, ist zur Zeit seiner Berufung selbst blind geworden, aber seine Blindheit diente der Welt zu ihrer Erleuchtung.
„Du sollst wieder sehen!“, spricht Hananias bei der Heilung des Apostels von dieser Blindheit. Die Sicht auf die Welt, die er dann jedoch erlangt, ist eine gänzlich andere, denn es ist die Sicht, die er durch den Geist gewonnen hat: Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, flehen wir in der Pfingstsequenz. Hier ist es ganz unmittelbar wahr geworden. –

Gott hat den hl. Petrus berufen, der Fels zu sein, auf dem seine Kirche steht. Der hl. Paulus führte die Heiden – uns – dieser Kirche zu. Simon Petrus und Paulus ergänzen sich in wunderbarer Weise, und manchmal finde ich es tröstlich, daß Christus seine Kirche auf solche gegründet hat, die durchaus Schwächen und Versagen zeigten, deren Leben, vor allem im Falle des hl. Paulus, deutliche Brüche aufwies. Paulus sind die eigenen Grenzen nur allzu deutlich bewußt. Nicht daß ich es schon ergriffen hätte, aber ich strebe danach, es zu ergreifen. Und genau darauf kommt es an: daß man es versucht. Wenn aus Paulus noch etwas werden konnte, kann ich es auch versuchen: Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt.

Kommentare:

Florian hat gesagt…

Wieder einmal ein sehr schöner Artikel, inspirierend! Dieser schier unendliche Facettenreichtum der Briefe des Paulus begeistert mich jedes Mal aufs neue!

Weil Du auch auf Petrus verwiesen hast, möchte ich ein schönes Detail, das ich heute erst entdeckt habe, teilen: Früher hat man im Offizium und in der Messe zu jedem Fest des Paulus oder des Petrus den jeweils anderen Apostelfürsten kommemoriert, sprich, man hat z.B. heute nach der Oration von der Bekehrung des Paulus noch eine Oration vom hl. Petrus gebetet. Das bringt diese tiefe Verbindung dieser zwei großen Heiligen noch einmal schön zum Ausdruck!

Liebe Grüße,
Florian

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke dir sehr – dieser große Facettenreichtum des hl. Paulus finde ich auch immer wieder schön.

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