Mittwoch, 4. Januar 2012

Herr, auf dein Wort hin

Madonna del Magnificat, Sandro Botticelli, um 1483.
Im Detail sieht man, daß die Hand Mariens den Gesang
(für uns?) niederschreibt, die Hand des Christuskindes
ruht auf der ihren.
Sr. M. Francis Aschmann schreibt in ihren Erinnerungen, als sie als Novizin ihre erste Epistel im Chor zu singen hatte, hätte sich ihre eigene Stimme selbst für sie recht seltsam angehört. Auch habe sie dabei zum ersten Mal ein Gefühl für die Größe und Bedeutung der Kirche und der der Sr. M. Francis in ihr empfunden.

Ich weiß nicht, ob mir schon einmal ein ähnlich erhabener Gedanke durch Sinn gegangen ist, das mit der Stimme empfinde ich aber manchmal auch so. Mit den Zähnen geklappert habe ich zwar noch nicht, aber als ich gestern drei Bücher und vier verschiedene eingemerkte Stellen am Ambo hatte, war ich doch ziemlich zitterig. Es ist dann aber alles gut ausgegangen, und es war auch noch Zeit, dem Konzelebranten das richtige Evangelium aufzuschlagen. Wegen der Votivmesse des heiligsten Namens Jesu war in dieser Beziehung „Lasset uns blättern!” angesagt. Nichtsdestoweniger fand ich es liebenswert vom Herrn Weihbischof, die Votivmesse zu nehmen.

Könnte ich von einem Soufflierkasten aus singen, wäre wahrscheinlich alles in schönster Ordnung (jedenfalls für mein Gefühl), stehe ich am Ambo, habe ich dagegen manchmal das Gefühl, als hielte mich einer an der Gurgel gepackt und würgte mich. Dabei ist es ja nicht, als sänge ich vor Menschenfressern, im Gegenteil, die Leute sind denkbar nett, und ich singe eigentlich auch ganz passabel. Ein wenig ist es wohl die Furcht, mittendrin nicht weiter zu wissen oder womöglich auf einem anderen Psalmton weiterzusingen, als dem, auf dem ich begonnen habe. Beim feierlichen Chorgebet war ich einmal dabei, als die Vorsängerin beim Fratres, sobrii estote et vigilate mittendrin auf einmal einen Blackout hatte und ihr der brüllende Löwe eilends und mehrfach souffliert wurde. Sowas kann passieren, und siehe da, sie lebt sogar noch. Ein guter Grund für jeden, der sowas mal gesehen hat, sich ein Buch mitzunehmen, auch für Sachen, die man schon x-mal gesungen hat.

Warum stelle ich mich trotzdem an den Ambo und versuche mein bestes (mehr geht eh nicht)? Weil der Kantor krank ist, vor allem aber, weil es für Gott ist. Zu seinem Lob und zu seiner Ehre mache ich auch Sachen, die mir einigermaßen schwerfallen. Auch wenn es so etwas Kleines und vielleicht Infantiles ist – ein bißchen ist es wie mit dem hl. Petrus: Herr, auf dein Wort hin.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich mache auch manchmal die Lesung. Anfangs war ich immer so aufgeregt, dass mir die Knie geschlottert haben. Mittlerweile geht es aber. Eigentlich würde ich es gerne öfters machen, aber da habe ich folgendes Problem: bei uns sitzen die Lektoren im Altarraum und empfangen dann auch dort vorne die Hl Kommunion. Und irgendwie kann ich nicht kommunizieren, wenn mir die ganzen Leute dabei zusehen. Ich weiss nicht warum, aber - ich kann es nicht. Schade- irgendwie!!

Liebe Grüsse M.

Braut des Lammes hat gesagt…

Lesen macht mir eigentlich gar nichts, nur singen an derart exponierter Stelle. Womöglich ist das auch Gewohnheitssache, aber die Gewohnheit stellt sich halt bei diesen kurzfristigen und daher kaum vorbereiteten Vertretungen nicht ein.

Bei der Kommunion hilft es vielleicht, wenn Du Dir vergegenwärtigst: in der Regel haben die Leute dabei ja selbst während deiner Kommunion die Augen zu oder das Gesicht in den Händen vergraben, oder sie gucken ins Gesangbuch, wahrscheinlich schaut also gerade in diesem Moment keiner. Irgendwie hab ich auch gelernt, daß man andere Leute beim Kommunizieren nicht beobachtet.

Anonym hat gesagt…

das ist leider nicht so. Alle sehen in dem Moment nach vorne. Erst wenn Ministranten, Lektoren usw. kommuniziert haben, stellen sich dann alle anderen an. Komisch ist: wenn ich Handkommunion machten würde, wäre es mir egal. Aber die Mundkommunion ist, zumindest empfinde ich das so, eine sehr intime Angelegenheit zwischen mir und dem Priester, dass ich dabei nicht von den Leuten begafft werden möchte. Vielleicht nur eine Marotte von mir, aber ich kanns nicht ändern.
Liebe Grüsse M.

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