Sonntag, 1. Januar 2012

Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt…

Zwischendurch sind bei den beiden Heiligen Messen zum heutigen Hochfest der Gottesmutter meine Gedanken kurz dahingehend abgeschweift, ob ich wohl schon einmal eine Predigt zum Hochfest der Gottesmutter gehört habe.[1]

Meist wird indes über die Zeit gepredigt, der Prediger heute morgen bemühte schönerweise Kohelet: Jegliches hat seine Zeit, ein jedes Ding unter der Sonne.

Was könnte es aber besseres geben, als den ersten Blogbeitrag des Jahres mit dem Zeichen zu beginnen, unter dem unser Leben als Christen steht, dem des Kreuzes?

Das oben ist das Mittelfenster der Kuppel der Hedwigskathedrale. Von dem Kreuz, das sich außen auf der Kuppel erhebt, hat vor einigen Jahren Diana Obinja eine Fotoserie gemacht, die von innen durch das Kuppelfenster hindurch aufgenommen ist. Dabei fällt genau mittags, auf der Höhe des Tages, der Schatten des Kreuzes so durch das Fenster, daß er als solches zu erkennen ist. Die Fotos in den beiden Stunden danach erinnern mich an die Kreuzabnahme. Am formlosesten und finstersten erscheint das um zwei Uhr nachts aufgenommene Bild: dies ist die dunkelste Stunde der Nacht, in der besonders viele Menschen die Kraft des Gebetes brauchen. Um vier Uhr hat ein neuer Morgen begonnen. Gleich, ob wir das Kreuz und die Kraft, die es uns verleiht, nun sehen können oder nicht, sie sind immer da.

12 Uhr
eine Stunde danach
Die Nacht ist vorgedrungen… (2 Uhr)
…der Tag ist nicht mehr fern (4 Uhr)
Zum Jahreswechsel mit seiner Thematik Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt, paßt gut diese Schriftstelle des hl. Augustinus über da Johannesevangelium:

Als die Fülle der Zeit kam, erschien auch er, der uns von der Zeit befreien wollte. Denn befreit von der Zeit, sollen wir zu jener Ewigkeit gelangen, wo keine Zeit ist. Und da sagt man nicht: Wann wird die Stunde kommen? Denn es ist ein ewiger Tag, dem kein gestriger vorangeht und dem kein morgiger nachfolgt.

In dieser Welt aber rollen die Tage dahin, die einen gehen, die anderen kommen, keiner bleibt. Auch die Augenblicke, da wir reden, verdrängen einander, und es bleibt die erste Silbe nicht stehen, damit die zweite erklingen kann. Seitdem wir reden, sind wir etwas älter geworden, und ohne Zweifel bin ich jetzt älter als heute morgen. So steht nichts still, nichts bleibt fest in der Zeit. Darum müssen wir den, durch den die Zeiten geworden sind, lieben, um von der Zeit befreit und in der Ewigkeit befestigt zu werden, wo es keine Veränderlichkeit der Zeit mehr gibt.

Eine große Barmherzigkeit also ist es von unserem Herrn Jesus Christus, daß er unseretwegen in der Zeit geworden ist, er, durch den die Zeiten geworden sind; daß er mitten unter allen Dingen geworden ist, er durch den alle Dinge geworden sind: daß er das geworden ist, was er gemacht hat. Denn er ist geworden, was er gemacht htte: er wurde Mensch, er, der den Menschen gemacht hatte, damit nicht verlorenginge, was er gemacht hatte.
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[1] Eine kurze Recherche ergibt, ja, hab ich, wenigstens
im vergangenen Jahr in der Akademie. Vorhin wußte ich es wirklich nicht mehr.

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