Montag, 9. Januar 2012

Cisiojanus des Jahres 2012


Nach altem Brauch, der bis ins 4. Jahrhundert zurückgeht, werden am Fest der Erscheinung des Herrn die von Ostern abhängigen Festtermine des Kirchenjahres angekündigt, einschließlich des Tages, der das Ende des Kirchenjahres und den Beginn eines neuen markiert, des ersten Advents.

Ein Diakon, Priester oder auch ein Kantor trägt dies in Form eines Gesanges, der an den Vortrag des Exsultets erinnert, aber Cisiojanus (Merkvers) heißt, der Gemeinde vor. Wie man hier sieht, gibt es solche (lateinischen) Merkverse in Hexametern auch für die Heiligenfeste der einzelnen Monate.

Ein schöner Brauch, von dem sich aktuell ein Mitblogger fragt, ob das noch irgendwo üblich sei? Ist es, in der Hedwigskathedrale wird dieser Cisiojanus gesungen, und ich freue mich immer vorher schon drauf. Diese feierliche Ankündigung gehört für mich zu den liebgewordenen Dingen, ohne die für mich das Kirchenjahr irgendwie nicht richtig „komplett“ ist. Warum sollte man ohne Not auf solche liturgischen Locken verzichten, auch wenn wir im Elektronikzeitalter leben[1], und ich bin, wie gesagt, froh, daß man hier ebenso zu denken scheint. Diese feierliche Vorausschau auf den Lauf unseres Jahres scheint tatsächlich gefühlsmäßig einen Unterschied zu bedeuten, vielleicht weil sie uns zu Beginn darauf verweist, was uns trägt und mit der Hoffnung auf das Kommen dessen endet, dem alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Hier also der Cisiojanus dieses Jahres, bei dessen Gesang ich zudem freudig bemerkt habe, was ich vorher nur so ungefähr im Gefühl hatte: eigens zu meinem Geburtstag feiert die Kirche ein Hochfest ;P
Liebe Brüder und Schwestern, die Herrlichkeit Christi ist heute erschienen; immerfort leuchtet sie unter uns auf, bis der Menschensohn wiederkommt.

Nach dem Fest seiner Geburt und seiner Erscheinung schauen wir aus nach den drei österlichen Tagen: den Feiern seiner Kreuzigung, seiner Ruhe im Grabe und seiner Auferstehung von den Toten.

So kündigen wir euch als erstes das Fest alIer Feste an, den Ostersonntag, am achten April dieses Jahres. Jubelnd feiern wir den Tag, den Gott gemacht, und rühmen die Auferstehung unseres Erlösers.

Damit auch wir mit ihm auferstehn, begehen wir vierzig Tage hindurch die österliche Bußzeit. Sie beginnt am zweiundzwanzigsten Februar dieses Jahres mit der Feier des Aschermittwochs.

Danach schenkt uns der Herr die fünfzig Tage der Osterzeit: Am siebzehnten Mai das Fest seiner Himmelfahrt und am siebenundzwanzigsten Mai das hohe Pfingstfest, an dem der Heilige Geist herabkam auf seine Jünger.

Am siebten Juni feiern wir Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

Die Kirche bereitet sich vor auf das Kommen ihres Herrn und beginnt den Advent am zweiten Dezember.

Voll Hoffnung erwartet sie am Ende der Zeiten die Wiederkunft unseres Retters Jesus Christus. Ihm gebührt alle Ehre und Herrlichkeit, jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


___
[1] Im Büro trage ich die kirchlichen Feiertage übrigens Jahre im Voraus händisch in den Computer des Vorgesetzten ein (weil es dafür anscheinend keine Software gibt). Lieber sänge ich es ihm schon als Cisiojanus vor.

Bilder aus dem Stundenbuch Isabella Stuarts. Auf dem Spruchband, das das Christuskind hält (mit der anderen greift es spielerisch nach dem Rosenkranz, wie Babies halt so sind) steht: O mater Dei, memento mei (O Mutter Gottes, gedenke meiner).

Kommentare:

Lauda Sion hat gesagt…

Happy B-Day :)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ach, jetzt ist der Groschen gefallen. Aber der B-Day ist erst in Monaten und Monaten, wie der Kantor halt gesungen hat. ;)

Lauda Sion hat gesagt…

ohh, hab ich mich verlesen...:)

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