Mittwoch, 4. Januar 2012

Blitzlicht zum Fest der hl. Familie



Noch ein Blitzlicht zum Fest der hl. Familie, das das ja in diesem Kirchenjahr am 30. Dezember gefeiert wurde, weil in der Weihnachtsoktav kein Sonntag liegt, auf den es sonst eigentlich fallen würde.

Die Stelle aus dem Brief an die Kolosser in der ersten Lesung
Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
erschien gerade zum Jahresende sehr passend, ich fühlte mich jedenfalls durchaus angesprochen. Ertragt euch gegenseitig finde ich jedes Mal, wenn ich es lese, wieder erfrischend realistisch. Manchesmal kann man den anderen und vielleicht auch sich selbst in dem, was wir an ihm am heftigsten ablehnen, wirklich nur ertragen.

Die Reaktionen auf den Fortgang dieser Epistel (oder auch der ihr verwandten aus Eph 5, 21-23) sind durchaus unterschiedlich, von Lektorinnen, die sich weigern, diese Lesung zu lesen und es auf direkte Anweisung des Zelebranten zähneknirschend dann doch tun, über intensives Räuspern (vielleicht hört der Lektor dann auf zu lesen?) bis hin zu denen, die nach dem Gottesdienst in der Sakristei vorsprechen (schüchtern fragend oder auch empört), ist ziemlich viel dabei.

Einerlei wie man sich zu der Frage stellt, ob der Apostel den Satz, Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt, aus dem Kontext seiner Zeit heraus geschrieben hat oder ob man meint, dieser Satz habe quasi ewige und buchstäbliche Qualitäten, es wundert mich immer wieder, daß bei diesem Passus sich alle Emotion, manchmal auch der Zelebranten, an diesem Satz zu verausgaben scheint, wo doch eigentlich in den unmittelbar darauf folgenden Sätzen, die sich direkt an die Männer richten, viel mehr verlangt wird.

Um sich einem anderen Menschen unterzuordnen, muß man ihn nicht einmal besonders schätzen. Indes ist eine freudige Unterordnung, das heißt, eine aus Einsicht, natürlich viel besser. Die hl. Theresa von Avila hat das klar erkannt, denn an die Priorinnen der Klöster der Reform richtet sie die Worte: Sie [die Priorin] sorge dafür, daß man sie liebe, damit man ihr gehorche.

Und in der Tat fährt der hl. Paulus im Kolosserbrief fort: Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht aufgebracht gegen sie! Und, vielleicht fast noch wichtiger: Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden.

Beides finde ich, wie gesagt, sehr viel bedenkenswerter und fordernder: ein Mann soll seine Frau lieben und sich gütig gegen seine Kinder verhalten, seine Familie soll sich bei ihm sicher und geborgen fühlen. Ein Zeugnis, wie es uns der stille hl. Josef in seiner ganzen Fülle vorgelebt hat.

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Bild: Rast auf der Flucht nach Ägypten, Rembrandt van Rijn, 1647

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wenn alle Männer gütig wären und alle Frauen liebreizend, wären die Forderungen des Apostels ja kein Problem. Aber warum soll sich eine Frau einem Mann mit hässlichem Charakter unterordnen und wie kann ein Mann eine Frau mit hässlichem Charakter lieben?
Da nutzt die Mahnung auch nix, das geht halt nicht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Der Apostel spricht ja nicht davon, wie es ist, sondern, wie es sein soll, das heißt, man muß sich wenigstens darum bemühen. Daß etwa ein Vater seine Kinder nicht verschrecken soll, "damit sie nicht mutlos werden", halte ich nicht für zuviel verlangt.

Auf die Frage gibt er selbst die Antwort: die Liebe ist das Band, das das alles zusammenhält. Wo freilich dieses Band fehlt, wird es schwierig bis unmöglich.

Dorothea hat gesagt…

Meine Mentorin, eine alte Dame, sagte mir einmal daß, wenn man feststelle, daß man es nicht schafft jemanden zu lieben sagen kann: Herr Jesus Christus, liebe ihn durch mich. Und das geht! Und dabei wächst die Liebe.

Anonym hat gesagt…

Ein Spruch meiner Oma war, "der Mensch an sich ist gut, nur die Leut sind halt schlecht." Da steckt für mich viel Weisheit drin. Vielleicht ist der christliche Glaube ja einfach die Idee vom besseren Menschen, aber erst in einer anderen Welt oder in "Ewigkeit". Mitlesende sind vermutlich schon Erlöste, aber was ist mit dem Rest der Menschheit?

Braut des Lammes hat gesagt…

Der christliche Glaube ist der, daß Christus Gott ist, der Erlöser des Menschen und der Geschichte, in dem alle Dinge ihre Erfüllung finden. (Benedikt XVI.) Das gilt für das hier und heute, nicht erst für die Ewigkeit, auch richtet es sich an alle Menschen.

Auch bin ich ziemlich sicher, daß kein Mensch ist von Natur aus schlecht bzw. er es immer ist. Einzelne Handlungen oder Gedanken mögen schlecht sein, der Mensch ist jedoch immer frei, sich zum Guten hinzuwenden.

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