Montag, 23. Januar 2012

Berufungen und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen


Ein schönes Video über die priesterliche Berufung aus der Erzdiözese Brooklyn – nach einer völlig vergurkten und resignativen Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis über Berufungen (Sind wir nicht alle irgendwie…?!), die das Priestertum (und den Zölibat sowieso) für eher entbehrlich darstellte, ist mir jetzt einfach danach. Si tacuisses…

Die Aussage, daß man auch ohne Priester sehr schöne Gottesdienste feiern kann, ist sicher richtig – ich denke da vor allem an das Stundengebet der Kirche. Mir scheint jedoch, das konstituierende Element, daß wir ohne Priester keine Sakramente und ohne Sakramente keine Kirche haben würden, ist bei dieser Betrachtung weitestgehend ausgeblendet worden, wie auch die Tatsache, daß das Aufgeben des zölibatären Lebens um Christi willen das Aufgeben einer mehr als zweitausendjährigen Tradition der Kirche bedeuten würde, die auf den Herrn Jesus Christus selbst zurückgeht. Ja, eigentlich lebte sogar der, der auf ihn verwies, der hl. Johannes der Täufer, schon so.

In seinem apostolischen Schreiben Vita consecrata bemerkt der sel. Johannes Paul II. dazu:
Tatsächlich ist die Vorzüglichkeit der vollkommenen Keuschheit um des Himmelreiches willen, die zu Recht als das „Tor“ zum ganzen geweihten Leben gilt, Thema der feststehenden Lehre der Kirche.
Ein Begriff, der scheints vielfach mißverstanden wird – Jungfräulichkeit oder ehelose Keuschheit „um des Himmelreiches willen“ bedeutet nicht: damit man später bestimmt reinkommt, sondern weil es außer diesem Leben noch ein anderes gibt:
Das geweihte Leben[1] kündigt die künftige Zeit an und nimmt sie gewissermaßen vorweg, wenn jenes Himmelreich, das schon jetzt im Keim und im Geheimnis gegenwärtig ist, zur Vollendung gelangt ist, und die Kinder der Auferstehung nicht mehr heiraten, sondern sein werden wie die Engel Gottes.
In dem Sinne ist meiner Ansicht nach auch die zweite Lesung des Sonntags unmittelbar zu verstehen: …denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

Schade, das war eine versäumte Gelegenheit. Vielleicht bin ich naiv, aber ich würde mir wünschen, wenn jemand über Berufungen predigt, daß er anderen dann von der Schönheit seiner Berufung spricht.
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[1] Um einem möglichen Einwand zuvorzukommen: diese Aussagen lassen sich meiner Meinung nach eins zu eins auf den Zölibat der Priester übertragen.
Bild: Die Heimsuchung aus dem Straßburger Antepedium. Ein besonders schönes Detail, das man gelegentlich auch auf anderen Heimsuchungsdarstellungen findet, ist, daß der ungeborene hl. Johannes eine kniende Haltung einnimmt.

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