Freitag, 6. Januar 2012

20 * C + M + B * 12

Die Anbetung der Sterndeuter.
Unbekannter flämischer Maler, 1518
Wie schön leuchtet der Morgenstern, voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, uns herrlich aufgegangen.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, du hältst mein Herz gefangen.
Lieblich, freundlich, schön und prächtig, groß und mächtig, reich an Gaben, hoch und wunderbar erhaben.

Was mir bei Weihegebeten des außerordentlichen Ritus besonders auffällt, ist, daß der Priester das zu Segnende jeweils als Geschöpf anspricht, wie etwa Segne dieses Geschöpf der Kreide.

Das Weihegebet für die Kreide hatte ich im vergangenen Jahr zum Fest zitiert; es gibt solche Weihegebete auch für die traditionellen Gaben der Könige: Gold, Weihrauch und Myrrhe (der Kinderspruch „und sie brachten ihm Gold, Weihrauch und Möhren“ will mir leider nicht mehr aus dem Sinn). Meiner unmaßgeblichen Meinung nach bringt es aber nicht mehr oder weniger Segen, ist wirksamer oder weniger wirksam, wenn eine Sache in fünfzig oder in fünf Minuten, mit einem oder mit fünf Gebeten gesegnet wird (da begegnet man ja nolens volens teilweise schon fast magischen Vorstellungen).

Wichtig ist doch, was der segnende Priester für uns erbittet und was wir uns davon erhoffen: die Sache möge gesegnet sein und ihr Gebrauch uns zum Heile gereichen. So endet der Priester mit den Worten:
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
steige herab auf diese Geschöpfe
des Goldes, des Weihrauchs und der Myrrhe
und bleibe allezeit
.
Trotz anfänglicher eigener Vorbehalte gegen einen Aufkleber hat sich dieser bei mir an der Tür als glücklichere Lösung erwiesen als die Kreideschrift direkt auf der Tür. Selbstgeschrieben und gesegnet ist auch der Aufkleber (nur überdauert dieser eben auch Vandalen und besonders gründliche Putzaktionen). Zudem sieht man ihn viel besser – weiße Kreide auf dunkelgrüner Tür ist einfach nicht das Wahre –, und manchmal höre ich, wenn ich mich im Flur oder Bad aufhalte, wie sich jemand nach der Bedeutung des 20 * C + M + B * 11 über meiner Tür erkundigt. (Ganz oben wohnen noch Griechisch-Orthodoxe, allerdings ohne Türsegen, die wissen es aber natürlich.) Offenbar wollen sehr viele wissen, was die Segensinschrift über der Tür bedeutet, denn der verlinkte Beitrag über die Wohnungssegnung gehört zu den meistgelesenen des Blogs überhaupt.

In der Regel findet zwar die Segnung von Weihrauch, Kreide, von Gold und Myrrhe und Dreikönigswasser am Festtag selbst statt, meist erhält man aber gesegnete Kreide (und ggf. auch den Aufkleber zum Selberschreiben) auch noch am darauffolgenden Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, mit dem das Fest der Erscheinung in enger Verbindung steht.

Beim Niederschreiben des Segens spricht man ein kurzes Gebet (kurz, weil man wahrscheinlich auf einer Leiter herumbalanciert). Es gibt verschiedene Gebete, die man sprechen kann; selbst mag ich dieses Gebet sehr gern, das aus der Komplet stammt:
Herr und Gott, kehre ein in dieses Haus
und halte alle Nachstellungen des Bösen von ihm fern.
Deine heiligen Engel mögen darin wohnen
und uns im Frieden bewahren.
Und dein Segen sei über uns allezeit.

_____
Bild: Die Anbetung der Sterndeuter. Unbekannter flämischer Maler, 1518

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...