Sonntag, 15. Januar 2012

2. Sonntag im Jahreskreis – Hier bin ich, denn du hast mich gerufen


Eigentlich dachte ich, wenn schon die Berliner Stadtreinigung wegen der Abholung der Bäume das Ende der Weihnachtszeit zu bestimmen scheint, könnte man doch die Krippe bis Lichtmeß stehen lassen. Es ging aber andersherum: die Krippe ist weg (?) und der Baum ist noch da. Auch schön, ich hab mich jedenfalls gefreut. Der Turm von weißen Weihnachtssternen zu Füßen des Kreuzes wirkt zwar liturgisch etwas unvermittelt – ich wünschte, wir hätten so was zu Fronleichnam[1] –, sieht aber zum mindesten hübsch aus.

Als die heutige erste Lesung über die Berufung Samuels im Tempel unter der Woche gelesen wurde, merkte der Zelebrant an, er höre sie sehr gern, es falle ihm auch immer wieder etwas Neues auf. So geht es mir auch. Einmal ist mir aufgefallen, daß die Worte des Samuel genau die sind, die in der Liturgie der Weihe vorkommen. Hier bin ich, denn du hast mich gerufen, habe ich seinerzeit auf den namentlichen Aufruf, vor den Bischof zu treten, gesagt.

Dieses Mal ist besonders aufgefallen, daß der Herr nach dem dritten Ruf an Samuel persönlich hingegangen ist: Da kam der Herr, trat zu ihm heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! In der Fassung, die wir am Mittwoch gehört haben, wird einführend dazugesagt: In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Wie sehr bemüht sich der Herr, wenn er beruft, er ruft unter Umständen mehrmals, er offenbart sich in diesem Fall unmittelbar –, er tritt heran, heißt es.

Manche ringen mit ihrer Berufung, manche erhalten nach einer Berufung noch eine weitere – Mutter Theresa ist mir da eingefallen, als wohl bekanntestes Beispiel, die zuerst Lehrerin bei den Loretoschwestern war, bis sie, einer Berufung folgend, den Armen und Sterbenden diente. Weniger bekannt ist etwa Sr. Maria Theresia von der gekreuzigten Liebe, die auf einen Anruf Gottes die Gründung des Karmels Heilig Blut an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau initierte und vornahm. Der Karmel Regina Martyrum in Berlin ist wiederum eine Gründung des Karmels Heilig Blut, und auch Sr. Gemma ist mit den ersten Schwestern nach Berlin gekommen, weil sie einen unmittelbaren Anruf verspürte, in der damals geteilten Stadt und an dem Ort, an dem der Karmel liegt – der Gedenkkirche für die Blutzeugen in der Zeit des Nationalsozialismus ein Zeichen der Liebe und des fürbittenden Gebets zu setzen.

Was ich meine, ist, daß man, so glaube ich, eine wirkliche Berufung erstmal nicht „verlieren“ kann. Gott ist geduldig, er ruft, wenn es sein muß, auch drei- oder viermal. Und: er zwingt uns nicht. Gleich, ob er selber kommt, einen Engel schickt oder unsere Berufung eine Gewißheit ist, die sich allmählich herausbildet, Gott will unser eigenes und freiwilliges Hier bin ich, denn du hast mich gerufen.

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[1] Aparter Satz aus einem Küsterhandbuch: „An diesem schönen Feiertag wollen wir mit Blumenschmuck nicht sparsam sein“. Das hat damals insbesondere den Pfarrer sehr erheitert – bei den drei kümmerlichen Rosenbüschen auf dem Hof auch kein Wunder.

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