Montag, 26. Dezember 2011

Zwei zu eins, oder…?


Mit der Ankündigung der Erhebung Hildegards von Bingen zur Kirchenlehrerin und ihrer womöglich bevorstehenden Heiligsprechung ist es ein wenig wie mit einer Fata Morgana: sie taucht immer wieder einmal am Horizont auf und keiner weiß so recht, von woher diese Erscheinung widergespiegelt wird.

Zunächst einmal kann man sich darüber wundern, wieso die Erhebung zur Kirchenlehrerin meist in einem Atemzug mit einer etwa noch ausstehenden Kanonisation erwähnt wird. Wozu bitte sollte das letzere denn gut sein? Es ist ja nicht so, daß, wie es der Pfarrer in einer Predigt einmal bildlich so nett ausedrückt hat, als wenn die Kirche, indem sie jemanden seligspricht, einen Schlüssel herausholt, und dann wird derjenige in den Himmel eingelassen.

Die Kirche bringt durch den Akt der Kanonisation nur ihren Glauben daran zum Ausdruck, was bereits ist, daß der oder die Heilige sich in der ewigen Vollendung bei Gott befindet. Bei Hildegard gibt die Kirche ihrem Glauben daran, daß es so ist, schon erheblich lange Zeit Ausdruck und verehrt die Heilige deshalb in der Liturgie: so steht Hildegard im Martyrologium Romanum wie auch im Meßbuch und im Stundenbuch der Kirche am 17. September. Was sollte an diesen Tatsachen eine „formelle“ Heiligsprechung also ändern?



Von Hildegards umfassendem Werk spricht mich die wunderbare Musik am meisten an. Hier kann man etwa in O dulcis divinitas aus dem Ordo virtutum hineinhören (bitte nicht auf die Waldfee achten, es geht nur um die Musik). Ob man die Heilige wegen ihres vielseitigen und umfassenden Werkes auch zur Kirchenlehrerin erheben möchte, würde ich allerdings viel lieber von der Kirche hören als aus anderen Kanälen, die scheints das Wasser nicht halten können. Vor allem kann ich es in aller Ruhe abwarten.

Das einzige was mir dazu spontan eingefallen ist, ist, daß unter den dann vier Kirchenlehrerinnen mit der Erhebung Hildegards ein gewisser Gleichstand herrschte, denn bisher liegt die Mannschaft der Karmelitinnen ja mit zwei zu eins vorn.

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Die Bilder im Artikel stammen aus ihrem Werk Scivias (Meister des Hildegardis-Codex), von denen ein Exemplar aus dem Jahr 1165, dem Gründungsjahr des Klosters Eibingen, stammt. Leider ist das Original seit den 30er Jahren, als man die Nonnen im Weltkrieg aus dem Kloster vertrieben hatte, verschollen; es nur noch in einer detailgetreuen Kopie vorhanden. Das Bild oben in der Ecke stellt das Weltall dar (erster Teil der dritten Vision), die anderen die Niederschrift der Visionen und die Erschaffung der Welt.

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