Montag, 26. Dezember 2011

Die Waffe der Liebe – Martyrium des hl. Stephanus


Gestern wurde der Herr auf Erden geboren, damit Stephanus heute für den Himmel geboren wird. (Responsorium zum Fest des hl. Stephanus)

Gestern weiß, heute blutrot. Gestern Inzens der Krippe, heute der gefühlte Karfreitag, wenn wir genau dieselbe klagende Antiphon zum Antwortpsalm singen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!

Schaut man auf die Nachrichten aus Nigeria, so möchte man sagen: und noch immer steinigen sie einander.

Christus ist Mensch geworden, und durch Christus fällt auf den Menschen etwas vom göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi. Dieser göttlichen Glanz offenbart sich dem hl. Stephanus ein weiteres Mal bei seinem Martyrium, wenn er ausruft: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

In dem Bericht des Martyriums des hl. Diakons Stephanus in der Apostelgeschichte heißt es, daß die Zeugen ihre Kleider zu Füßen eines Mannes niederlegten, der Saulus hieß. Diesen kennen wir gut: als Paulus kann er zwar niemals ganz vergessen, was er einmal war, aber auch nicht, was die Gnade Gottes aus ihm gemacht hat.

Der hl. Bischof Fulgentius von Ruspe schlägt in der Matutin den Bogen vom Weihnachtsfest zum ersten Märtyrer Stephanus – es ist die Erwiderung der Liebe, die Gott uns erwiesen hat, indem er Mensch wurde, lebte und litt wie wir, und die den Menschen zur Teilnahme an der göttlichen Natur führt.
Die Liebe, die Christus den Herrn vom Himmel auf die Erde geführt hat, hob den Stephanus von der Erde zum Himmel empor. Die Liebe, die zuerst im König erschien, leuchtete danach auf in seinem Streiter.

Um den Kranz zu gewinnen, von dem er den Namen trug, nahm Stephanus die Liebe als Waffe und siegte durch sie überall. Aus Liebe zu Gott wich er nicht vor den wütenden Juden, aus Liebe zum Nächsten betete er für sie, als sie ihn steinigten. Aus Liebe stritt er mit den Irrenden, um sie zur Wahrheit zu führen, aus Liebe betete er für die, welche ihn steinigten, damit sie der Strafe entgingen.

In der Kraft der Liebe besiegte er den grausam wütenden Saulus, und der ihn auf Erden verfolgte, durfte im Himmel sein Freund werden. Siehe, nun freut sich Paulus mit Stephanus, genießt mit ihm die Herrlichkeit Christi, jubelt und herrscht mit ihm. Getötet durch die Steine des Paulus schritt Stephanus zum Himmel voraus; Paulus folgte, sein Helfer war das Gebet des Stephanus.

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Bild: Steinigung des hl. Stephanus, Detail des Bayernfensters im Kölner Dom

Kommentare:

Ludolph hat gesagt…

Danke für's posten. Wenn ich es richtig weiß, ist es ja leider nur denen vorbehalten, die den Hl. stephanus als Hochfest begehen.

Der Kontrast zum Weihnachtsfest ist schon dramatisch und doch fehlt er mir, wenn der 26. Dezember auf einen Sonntag fällt und der Hl. Stephanus der hl. Familie weichen muss - da wird Weihnachten dann auch liturgisch an nicht wenigen Orten zum Kuschelfest.

Braut des Lammes hat gesagt…

Der Schnitzer lag bei mir. Auch dieses Jahr hab ich mir die Frage gestellt, wieso zum Geier der Stephanus nur eine Lesung hat, anstatt wie jedes anständige Hochfest zwei? Der Punkt ist, daß ich das Fest wegen seines Ranges als Erzmärtyrer jedesmal irrtümlich für ein Hochfest halte (was es bei uns nicht ist), dann fällt der Blick ins Stundenbuch - ach so, ein Fest. Bis zum kommenden Jahr hab ichs dann wieder vergessen. In der Kathedrale fällt der Stephanus recht feierlich aus, weil der Dompropst Stefan heißt.

Mit dem Wegfall gebe ich dir völlig recht, die letzte Weihnachtsoktav ist mir ohne das Fest irgendwie komisch vorgekommen. Mit dem Anfang des Beitrags wollte ich auch keine Gegensätzlichkeit zwischen den Festen konstruieren, Weihnachten und Stephanus gehören irgendwie zusammen.

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