Mittwoch, 21. Dezember 2011

Die Tür des Kreuzes – die sel. Kateri Tekakwitha wird heiliggesprochen


Am 19. Dezember hat Papst Benedikt die Anerkennung eines Wunders bekanntgegeben, das der Anrufung der seligen Kateri Tekakwitha zugeschrieben wird. Damit ist mit der baldigen Heiligsprechung einer jungen Frau zu rechnen, die der Ausbreitung und Mission der Kirche in Nordamerika mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens diente.

Die sel. Kateri Tekakwitha, die man wegen ihres jungfräulichen Lebens auch „die Lilie der Mohawk“ nennt, ist ihrem Glauben unter großen Opfern und Entbehrungen gefolgt. Beschäftigt man sich mit der Geschichte ihres kurzen Lebens, kann man kaum glauben, daß sie als Folge einer Pockenerkrankung, die sie als einzige ihrer Familie überlebte, fast blind und von Narben entstellt war. Ihr Name bedeutet übersetzt so etwas wie „die überall anstößt“.

Kateri lebte als Jungfrau in der Welt, ohne je die Möglichkeit gehabt zu haben, die Weihe zu empfangen. Als sie in der Nähe des Wohnorts ihres Onkels und ihrer Tante Missionaren begegnete, die zum Orden der Jesuiten gehörten, wurde sie neugierig und begann sich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Als unmittelbare Folge davon schlugen die unguten Gefühle, die ihr Onkel ihr bis dahin schon entgegengebracht hatte, in Haß um, denn er verabscheute die Christen. Zu Ostern 1676 empfing Kateri die Taufe und etwa drei Jahre später, am Fest der Verkündigung des Herrn 1679, versprach sie durch ein privates Gelübde immerwährende Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen.

Um vor den Verfolgungen und dem Haß ihrer von ihrem Onkel aufgestachelten Verwandten sicher zu sein und ihren Glauben leben zu können, nahm sie eine Flucht von mehr als 200 Meilen zu Fuß durch die Wildnis der nordamerikanischen Wälder auf sich. In der Siedlung Sault-Sainte-Marie, in der Jesuiten-Missionare wirkten, gab sie katechetischen Unterricht, pflegte Alte und Kranke und verbrachte daneben viel Zeit in der Anbetung vor dem Kreuz und dem Allerheiligsten. Da Priester in der Siedlung lebten, hatte sie die schöne Möglichkeit des täglichen Meßbesuchs.

Durch ihr entbehrungsreiches Leben, und da sie sich nicht schonte, sondern sogar etliches an Askese auferlegte, gab sie schon mit vierundzwanzig Jahren ihre Seele Gott zurück. Daß man sie als die schönste Blume, die je unter den Indianern erblühte bezeichnete, wie auf ihrem Grabmal geschrieben steht, hat sicherlich mit ihren außerordentlichen Gaben zu tun – sie wird als sehr sanft und gütig beschrieben. Es wird aber auch berichtet, daß die Pockennarben, die sie zeitlebens entstellten, in der Stunde ihres Todes vollkommen verschwanden.

Auf Kateri Tekakwitha, die eine große Liebe zum hl. Kreuz auszeichnete, trifft sicherlich das zu, was wir vor einigen Tagen in der Lesung vom hl. Johannes vom Kreuz gehört haben:

Die heiligen Lehrer und die liebenden Seelen der Kirche haben viele Geheimnisse und Wunder in diesem Leben entdeckt. Aber immer noch bleibt der größte Teil zu verkünden und vor allen Dingen zu verstehen.

Deshalb müssen wir in Christus tief schürfen wie in einem reichen Bergwerk, das viele Lager von Schätzen enthält. Wenn einer dort noch so tief gräbt, findet er niemals Ende und Grenze. Ja in der Schicht entdeckt er rechts und links immer neue Adern mit neuem Reichtum. Darum sagt der Apostel Paulus von Christus
In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. In diese Reichtümer kann keiner eindringen, und keiner vermag bis zu ihnen zu gelangen, der sich nicht zuvor durch einen Berg der Mühsale durchgearbeitet und unter inneren und äußeren Leiden eindringt, wenn er nicht zuvor von Gott die Gaben des Verstehens und Fühlens erhält und sich vorher lange im geistlichen Leben übt.

Das alles sind nur untergeordnete Voraussetzungen, um zu der geheimen und hohen Erkenntnis Christi und seiner Geheimnisse zu gelangen, der Erkenntnis, die von allem die höchste Weisheit ist, die wir in diesem Leben erreichen können. Wenn doch endlich alle Menschen erkennen wollten, daß es unmöglich ist, zur Fülle des Reichtums und der Weisheit Gottes zu gelangen, außer durch die Mühe vielfältigen Leidens, wobei die Seele ihre Sehnsucht und das Verlangen nach Trost zurückstellt. Die Seele, die nach dieser göttlichen Weisheit verlangt, begehrt ernstlich, zuerst in die Beschwernisse des Kreuzes einzutreten. …


Das Kreuz ist die Tür, durch die wir zu diesen Reichtümern der Weisheit Gottes eingehen können. Die Tür aber ist eng. Viele wünschen sich die Freude, zu der man durch diese Tür gelangt. Aber wenigen ist das Verlangen eigen, durch die Tür des Kreuzes einzutreten.
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kleines Bild: Grab der Seligen in der Kirche des hl. Franz Xaver in Kahnawake im kanadischen Quebec. Es wird auch durch die Bilder deutlich, welch große Verehrung die kleine Selige dort genießt.

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