Montag, 12. Dezember 2011

Kartäuserinnen, Diakonissen und die Stola – einige Anmerkungen

Es gibt eine Besonderheit im Eigenritus der Kartäuserinnen, die einem aus irgendeinem Grund vor allem im Zusammenhang mit der Erwähnung von Diakoninnen in der Frühzeit der Kirche begegnet. Da ich mich in diesem Zusammenhang in einer Detailfrage auch einmal geirrt hatte (ich schrieb die Übergabe der Stola der Ablegung der feierlichen Profeß zu), mich daraufhin damit beschäftigte und diese Stola-und-Evangeliums-Geschichte an den unterschiedlichsten Orten immer einmal wieder herumgeistert, dachte ich, ein kurzer Blogbeitrag dazu wäre vielleicht ganz interessant.

In der Catholic Encyclopedia heißt es:
Die Kartäuserinnen haben das Privileg, die Jungfrauenweihe zu empfangen, das sie vom Konvent von Prébayon geerbt haben. Die Jungfrauenweihe, die vier Jahre[1][2] nach der Ablegung der feierlichen Profeß gespendet wird, kann nur vom Ortsbischof gespendet werden. Der Ritus weicht leicht von dem im Pontifikale ab. Der Nonne werden Krone, Ring, Stola und Manipel übergeben; der letztere wird am rechten Arm getragen. Diesen Schmuck trägt sie erst wieder am Tag ihres Profeßjubliäums und dann wieder am Tag ihres Todes bei der Aufbahrung. Die Epistel in der Heiligen Messe wird von einer geweihten Jungfrau gesungen, die jedoch den Manipel nicht trägt.
Es ist hierzu anzumerken, daß sich dieser Schmuck (these ornaments) nur auf die Krone, die Stola und den Manipel beziehen kann, denn der Ring ist eine Insigne der Konsekration und wird natürlich dauernd getragen, auch ist er kein Schmuck.

Zum einen: die Stola wird anläßlich der Jungfrauenweihe übergeben, was sich bei den Kartäuserinnen als Besonderheit im Ritus gehalten hat. Im Laufe der Jahrhunderte gab es bei der Spendung diesem altehrwürdigen Sakramentales immer wieder Varianten, die wir so heute nicht mehr im Pontifikale finden, wie etwa die Handauflegung durch den Bischof, die Übergabe einer Krone oder das Anlegen des Schleiers durch den Bischof in der Weise, daß der Schleier über die Schultern und über die Brust und bis zu den Augen herabhängen soll.

Weiterhin: die Kartäuserin trägt nicht – wie man oft liest – in der Heiligen Messe das Evangelium vor, sondern in der Matutin oder Vigil. Das ist übrigens mitnichten eine Besonderheit der Kartäuserinnen oder etwas, das sich irgendwie von dieser Stola ableitet: der Vortrag des Evangeliums bei der Matutin ist in klausurierten Klöstern meines Wissens überall eine Sache der Schwestern, da es zu deren feierlichem Chorgebet gehört. Entweder tut dies die wöchentliche Kantorin (Hebdomadarin) oder, je nach lokalem Brauch, an hohen Festen die Obere. An Festen treten zwei Novizinnen als Leuchterträgerinnen hinzu.

Im Bd. 17 der theologischen Realenzyklopädie heißt es wiederum über die Kartäuserinnen mit feierlicher Profeß:
…ihnen steht die Jungfrauenweihe zu [korrekt], und als Diakonissen [korrekt] verlesen sie im Gottesdienst [korrekt] das Evangelium [korrekt].
Warum das theologische Reallexikon dies für besonders hervorhebenswert hält, weiß ich nicht, es ist zwar in seinen Fakten richtig, aber eben, wie gesagt, keine Besonderheit. Diakonisse ist wiederum wohl ein Synonym für geweihte Jungfrau (eine, die Christus und dem Dienst der Kirche geweiht ist), nicht für Diakonin.[3]

Oben eine historische Abbildung einer Kartäuserin bei der Jungfrauenweihe. In der Hand trägt sie ihre Kerze, die in der Heiligen Messe ihrer Weihe entzündet wird, und hält das Stundenbuch. Dazu trägt sie die oben erwähnte Krone (der Jungfrauen), die Stola und den Manipel. Die Stola, sollte jemand mich drum fragen, sieht im übrigen nicht sehr diakonal aus.
______
[1] Anmerkung der Übersetzerin: Die Kartäuser schreiben selbst von „einigen Jahren“ und denen, „die es wollen“. Die Jungfrauenweihe wird also nicht einfach zu „dazugespendet“.


[2] An irgendeiner Stelle im Internet sind daraus gleich fünfundzwanzig Jahre geworden. Derjenige hat das wohl mit dem Mindestalter für den Empfang der Jungfrauenweihe verwechselt.

[3] Damit wollte ich mich nicht zur Frage des Diakonats äußern, die eine ganz andere ist, sondern es ging mir um die Korrektur von Halbwahrheiten.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Nach der feierlichen Profeß bzw. dem immerwährenden Donationsversprechen können die Nonnen die Jungfrauenweihe empfangen. Dabei handelt es sich um einen feierlichen Ritus, durch den die Kirche die Jungfrau in einen Stand der besonderen Zugehörigkeit zu Gott versetzt. Die Kartäusernonnen haben diesen Ritus als konkretes Zeichen des Rufes zu einem restlos gottgeweihten Leben beibehalten, den Gott an den Kartäuserorden richtet. Das Opfer, das die Nonne während der Weihezeremonie Gott mit ihrer Jungfräulichkeit darbringt, ist dazu gedacht, eine besondere Ausgießung des Heiligen Geistes zu erbitten.

Die Jungfräulichkeit um des Gottesreiches willen ist eine Gabe des Herrn: in ihrer tieferen Bedeutung steht sie für die Reinheit eines Herzens, das ganz auf Gott ausgerichtet ist. In seiner erlösenden Liebe verleiht Jesus seiner Braut den Status der Jungfräulichkeit und schenkt allen die Gabe eines reinen Herzens.

Braut des Lammes hat gesagt…

Lieber Josef, kann im letzten Satz ein Versehen in der Reihung vorliegen? In seiner erlösenden Liebe verleiht Jesus seiner Braut den Status der Jungfräulichkeit kann man meines Erachtens so herum nicht sagen, andersherum …wird die Jungfrau fortan Braut Christi genannt ergibt es einen Sinn.

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