Samstag, 10. Dezember 2011

Berufungen und das geistliche Profil – der Regens im Interview

Ein gutes Interview mit dem neuen Regens des Priesterseminars Erfurt, Christoph Karlson (auf dem Bild noch in der Akademiekirche) ist Ende November im Tag des Herrn erschienen. Erwartungsgemäß sind die Antworten klug und durchdacht, wie etwa diese:
Die geringe Zahl an geistlichen Berufungen von Männern und Frauen hierzulande zeugt meines Erachtens von einem Mangel an geistlichem Profil in unseren Gemeinden. Damit will ich unsere Gemeinden nicht schlecht machen. Aber vieles, was die Gemeinden bewegt, ist eher äußerlicher, organisatorischer Art, etwa, wenn es um Zusammenlegungen geht. Doch die eigentliche Frage: Wie und was können wir Menschen von Christus erzählen, wird oft nicht wirklich intensiv gestellt. Wenn die Frage im Mittelpunkt stünde, warum es die Kirche überhaupt gibt, wäre vielen deutlicher vor Augen, daß Menschen nötig sind, die sich ganz in den Dienst des Evangeliums stellen. In unserer abendländischen Tradition braucht es dafür nicht zuletzt den geweihten, zölibatären Priester, der sich lebenslang diesem Dienst widmet, zumal diese priesterliche Lebensform eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist.

Hinzu kommt ein gewisser Prestigeverlust des priesterlichen Dienstes. Vielleicht sind wir als Kirche daran auch selbst ein bißchen schuld, wenn wir versuchen, den Mangel an Priestern auf andere Weise auszugleichen. Ich möchte nicht mißverstanden werden: Es gilt die Laien unbedingt zu stärken, zu fordern und zu fördern. Da gibt es viele gute Entwicklungen. Aber Laien sollten nicht den Priester ersetzen müssen.
und
Es ist so, daß manche der Priesterkandidaten vor einem Leben als Weltpriester „allein auf weiter Flur“ Respekt haben. Ich wünschte mir, daß dies in den Diözesen mehr im Blick wäre. Wir dürfen nicht Strukturen schaffen, an denen die wenigen Priester, die hier Planstellen besetzen, zugrunde gehen. Wo kann sich ein Priester in einer Überforderungssituation leicht und unbürokratisch Hilfe holen? Wo ist der nächste Mitbruder, der aushelfen kann? Es sollte darüber nachgedacht werden, warum das Konzept der vita communis, des gemeinsamen Lebens – wie es vor Jahren mancherorts versucht wurde und etwa noch in der Fokolarbewegung Praxis ist – insgesamt nur noch wenig in den Blick genommen wird oder sogar fast als gescheitert gilt.
Das mit der Erfolgsgeschichte hat mir besonders gut gefallen. Hier gehts zum ganzen Interview.

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