Samstag, 3. Dezember 2011

2. Adventssonntag – eine Stimme ruft in der Wüste

Eine der größten adventlichen Gestalten ist der hl. Johannes der Täufer, der Rufer in der Wüste, dem wir auf der Schwelle zum zweiten Adventssonntag begegnen. Im Brauchtum hat sich das darin niedergeschlagen, daß eine der Kerzen am Adventskranz auch die Johanniskerze genannt wird.

Schaut man sich Darstellungen der christlichen Ikonographie an, die den hl. Johannes in der Wüste zeigen, sieht man eine große Verschiedenheit. Da gibt es den (zeitbedingt) überaus muskulösen und gebodybuildeten Johannes, bei dem man denkt, also so kann er bei seiner Diät aus Heuschrecken und Honig bestimmt nicht ausgesehen haben, den auf Darstellungen, in denen die Wüste schon üppig blüht, und den ziemlich gelangweilt wirkenden bei Hieronymus Bosch, der unter überaus eigenartigen Pflanzen dem Lämmchen Gesellschaft leistet. Am besten gefallen mir die Ikonen, die einen struppigen und einigermaßen verwilderten Johannes zeigen und die etwas von seinem Wesen wiedergeben: asketisch, engelgleich – man nennt ihn auch den Boten, Angelus –, streng, zugleich suchend, sich der eigenen Kraft bewußt und doch voller Demut – nach mir kommt einer, der viel mehr ist.

Daß er sich freiwillig in der Wüste aufhielt und dort von Heuschrecken und wildem Honig lebte, mag auch den Leuten damals seltsam erschienen sein. Und doch zog es sie zu ihmhinaus – seht, eine Stimme ruft in der Wüste. Unter Umständen verstehe ich nicht so ganz, was mich da ruft und zieht und fasziniert, aber ich lasse mich auf die Stimme ein.

Den hl. Johannes nennt man auch den Vorläufer Christi. Ein Vorläufer ist einer, der den Weg bereitet, wie wir es in den Lesungen des zweiten Adventssonntages gleich an zwei Stellen hören: bereitet dem Herrn den Weg. Johannes bereitet den Weg für Jesus, es ist die Botschaft und Sendung seines ganzen Lebens – seht, das Lamm Gottes. Schon im Mutterleib heißt es von ihm, daß er bei der Begegnung mit dem ungeborenen Christus vor Freude hüpfte. Er führte die Menschen zu den Sakramenten der Taufe und der Buße hin, obwohl sie noch nicht eingesetzt waren, denn die Ankunft dessen, der sie einsetzen sollte, steht erst unmittelbar bevor.

Bereitet dem Herrn den Weg durch die Wüste. Was krumm ist soll gerade werden, heißt es beim Propheten Jesaja. Das ist der Weg, dem Herrn in unserem Herzen einen Weg zu bahnen, und auch der Weg, auf dem er zu den Menschen kommt, durch die Spendung und den Empfang der Sakramente. Die Farbe des Advents ist nicht umsonst das Violett der Umkehr und Buße, der Farbe der Stola, die der Priester bei der Spendung des Beichtsakramentes umlegt. Einen Weg durch die Wüste, sagt der Prophet. Diese Wüste ist nicht nur die Wildnis, in die sich Johannes und später auch Jesus fastend und betend aufhielten, es ist die Dürre und Trockenheit unseres eigenen Herzens. Eine Wüste, in der wir allerdings nicht verloren sind. Der Kirchenvater Hieronymus verbindet in sehr schöner Weise das Bild des Johannes und des fastenden Christus in der Wüste, indem er schreibt:
Denn Johannes und Jesus suchen, was in der Wüste verloren ging. Wo der Teufel siegte, da wird er besiegt; wo der Mensch fiel, da ersteht er ... Was aber durch den Brautführer begonnen wird, wird durch den Bräutigam vollendet.

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