Freitag, 25. November 2011

Zuletzt…


Die Lesungen der letzten Wochen im Kirchenjahr kreisen um die Endzeit und die letzten Dinge, und die Kirche mahnt uns, wachsam die Wiederkunft des Herrn zu erwarten. Die allerletzten längeren Lesungen, die der Matutin des Samstags der 34. Woche, finde ich besonders anrührend, denn sie sprechen uns von dem, was das ganze Kirchenjahr trägt und durchdringt, von dem was unseren Durst stillt, von dem wir immer wieder trinken und essen dürfen, auch wenn wir wissen, daß wir irgend wann wieder Durst und wieder Hunger haben werden, dem Quell des Lebens und der Speise die uns nährt, Christus selbst. Der hl. Hilarius von Poitiers schreibt in einer Auslegung zu Psalm 64, eines Flusses Arme erquicken die Gottesstadt:
Der Fluß Gottes ist mit Wasser gefüllt, du schaffst ihnen Speise; du ordnest alles. Über diesen Fluß gibt es keine Zweifel, denn der Prophet sagt: Die Wasser eines Stromes erquicken die Gottesstadt. Und der Herr selbst sagt in den Evangelien: Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt, und wiederum: Wer an mich glaubt, von dem sagt die Schrift: aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollen, die an ihn glauben. Dieser Fluß ist also mit Wasser gefüllt. Wir werden getränkt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und der Fluß Gottes aus der Quelle des Lebens, von Wasser gefüllt, strömt in uns ein. Auch die Speise ist für uns bereit.

Welches ist diese Speise? Jene, die uns darauf vorbereitet, Anteil an Gott zu haben, um uns durch den Genuß des heiligen Leibes dann in die Gemeinschaft des heiligen Leibes zu versetzen. Das meint der vorliegende Psalm, wenn er sagt: Du schaffst ihnen Speise, so ordnest du alles. Denn durch diese Speise werden wir für die Gegenwart gerettet und für die Zukunft bereitet.
Das letzte Tagesgebet des alten Kirchenjahres ist friedvoll und wirft schon einen Blick auf den neuen Beginn:
Gott, unser Vater,
erwecke deine Gläubigen zu neuem Eifer,
damit das Werk deines Erbarmens
in unserem Leben reiche Frucht trägt
und wir einst die Fülle des Heils empfangen.
Da mich im vergangenen Jahr jemand gefragt hat, wann genau das alte Kirchenjahr denn ende und das neue beginnt: das mag von der Uhrzeit her für jeden von uns unterschiedlich sein, aber es ist eigentlich ein ganz bestimmter Augenblick: in dem Moment, in dem wir das Kreuzzeichen schlagen und das Deus in adiutorium der ersten Vesper des ersten Adventssonntages anstimmen, beginnt das neue Kirchenjahr und das alte ist gerade zu Ende gegangen. Wie bei einem Staffellauf, bei dem einer dem anderen die Flamme weitergibt, wird das Licht des Glaubens und des Gebetes weitergetragen in ein neues Kirchenjahr. Ein Tag sagt es dem anderen, eine Nacht ruft es der anderen zu.

In alten Antiphonalen sieht man manchmal am Ende des Kirchenjahres einen Engel mit einer Schriftrolle, auf der Deo gratias steht. Da ich davon ausgehe, daß dies mein letzter Beitrag im alten Kirchenjahr sein wird – Deo gratias!

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...