Dienstag, 29. November 2011

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all’ ihr’ Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm tröst uns hier im Jammertal.

O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn, geh auf, ohn’ deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

Das schöne alte Adventslied[1] O Heiland reiß die Himmel auf ist auch eine Paraphrasierung der wunderbaren Antiphon der Roratemessen Rorate coeli desuper et nubes pluant justum (Tauet Himmel, den Gerechten, ihr Wolken, regnet ihn herab) und bringt wunderbar die Freude und das Drängen zum Ausdruck, mit dem die Kirche die erste Ankunft des Herrn erwartet (ehrlich gesagt, empfinde ich im Hinblick auf die Wiederkunft manchmal genauso) – wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?

Ein schöner Brauch, der anscheinend vor allem in Polen verbreitet ist – wo man wiederum offenbar keinen Adventskranz hat –, ist der, mit der Aufstellung der Krippe bereits im Advent zu beginnen: zuerst kommt der noch leere Stall, in den dann Ochs und Esel gestellt werden, dann treffen schon einzelne Hirten und Tiere ein, schließlich kommen Maria und Josef an, am 24. wird das Kind in die Krippe gelegt. In den Tagen zwischen Weihnachten und Epiphanie sieht man von den Königen zuerst die Nasenspitze der Kamele, dann werden sie immer näher an die Krippe gerückt, bis sie schließlich am Fest der Erscheinung dort eintreffen. So führt uns die leere Krippe im Advent bildlich vor Augen, worauf wir warten und vollzieht auch die Liturgie gleichsam mit.

Von im Kloster verbrachten Weihnachtsfesten kenne ich wiederum den Brauch, daß zur Mitternachtsmesse beim Einzug von der Priorin die Figur des Jesuskindes herbeigebracht und in die Krippe gelegt wird. Vor Jahren haben wir das in der Akademiekirche auch einmal gemacht (ohne Priorin allerdings), mit gleich anschließender Inzens der Krippe. Ich fand das einfach wunderschön und freue mich, wenn solches Brauchtum weiterlebt oder vielleicht auch wiederbelebt wird. Das mit der leeren Krippe habe ich in diesem Jahr jedenfalls bei mir begonnen.


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[1] Von dem am ersten Adventssonntag auf Betreiben einer einzelnen Jungfrau übrigens alle Strophen gesungen wurden. Der Organist war allerdings durchaus willens (halb zog sie ihn, halb sank er hin…)

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Den Brauch, die Krippe langsam auf den Advent und Weihnachten hin zu entwickeln (und lange darüber hinaus), den gibt es auch sehr lebendig hier in Göttingen bei St. Michael. Wunderbar mit zu verfolgen, wie sich alles entwickelt!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, das ist natürlich ein echtes Privileg, von sowas können wir hier in der Diaspora wahrscheinlich nur träumen.

Oben hab ich noch vergessen zu schreiben, daß wir das mit dem Christkind nur deshalb nicht wiederholt haben, weil bei der anderen Krippe die Figur des Kindes aus einem Block mit der Maria herausgeschnitzt war.

Anonym hat gesagt…

Den Brauch das Kind zu Heilig Abend in die Krippe zu legen, haben wir hier im Bayerischen Wald auch. Es ist wunderbar, wenn gleichsam das Christkind so sichtbar in die Welt kommt, wie es damals die Hirten angetroffen haben.

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