Samstag, 19. November 2011

Weiß wie Schnee, rot wie Blut – zum Fest der hl. Cäcilia

Der Name der hl. Cäcilia hat die Kirche viele Jahrhunderte hindurch begleitet; sie ist eine der heiligen Jungfrauen, deren Name in jeder Meßfeier im Kanon des Hochgebets genannt wurde. Als jungfräuliche Märtyrin trägt die zweifache Krone des Sieges über das Fleisch und die Welt.

Jungfrauenfeste bedeuten den geweihten Jungfrauen natürlich besonders viel. In dieser Predigt[1], der ersten, die er als neu kreierter Kardinal im Vorjahr in seiner Titularkirche Sant'Agata dei Goti gehalten hat, legt Raymond Leo Kardinal Burke einige sehr schöne Gedanken zum Fest der Heiligen dar:
Die hl. Cäcilia, deren Gedächtnis wir heute feiern, war eine kluge Jungfrau, die sorgfältig Öl für ihre Lampe bereithielt, so daß, als der Herr kam, er sie wachend und mit einer hell brennenden Lampe in Händen vorfand, bereit, ihm zu begegnen.

Wir wissen wenig über ihr Leben, es ist uns aber aus der Überlieferung die Wesenhaftigkeit ihrer heroischen Tugend bekannt. Cäcilia war eine römische Jungfrau, die im christlichen Glauben erzogen wurde. Tatsächlich wuchs in ihr durch Gebet und Buße die Liebe zum Herrn so stark heran, daß sie den Entschluß faßte, ihre Jungfräulichkeit auf ewig dem Herrn zu weihen, das heißt, sich dem Herrn als ihrem Bräutigam auf immer anzuverloben. Entgegen diesem Entschluß bestand ihr Vater darauf, daß sie einen bestimmten Heiden namens Valerian heiraten sollte, jedoch hören wir, daß sie an ihrem Hochzeitstag inmitten der Musik und dem Jubel der Gäste abseits dasaß und in ihrem Herzen ein Lied für Christus sang, ihren wahren Bräutigam. In ihrer mißlichen Lage rief sie Gott um Hilfe an. Man stellt sich unwillkürlich vor, daß sie die Worte der Psalmen wählte, da diese das überlieferte Gebet der Kirche sind, eines, das sich ganz natürlich aus den Gesängen des Judentums entwickelt hat und bis heute in einzigartiger Weise unseren Geist und unser Herz zu Gott erhebt. Gott hörte ihr Gebet, das umso reiner und schöner war, da es ihm als Gesang dargebracht wurde. Durch einen Engel bekehrte sich der ihr gerade vermählte Mann zum Glauben und empfing die Taufe durch den Bischof von Rom, Papst Urban.

Nachdem er durch die Taufe zum Leben gekommen war, achtete Valerian Cäcilias Weihe als Jungfrau in jeder Weise. Mit der hl. Cäcilia wuchs er schnell in der reinen und selbstlosen Liebe, und bald legte er, zusammen mit ihr, das äußerste Zeugnis völliger und treuer Liebe zum Herrn ab, indem er willig das grausame Martyrium für den Glauben auf sich nahm.

Im Leben der hl. Cäcilia sehen wir in höchst eindringlicher Weise die Verheißung der unermeßlichen und niemals endenden Liebe des Herrn zu allen Menschen – ohne Ausnahme – verwirklicht, jene reine Liebe, die wir in vollendeter Weise in diesem heiligen Meßopfer feiern. Der Herr verheißt seinem heiligen Volk: Ich traue dich mir an auf ewig; ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen.

Der Herr hat die hl. Cäcilia dazu berufen, sich ihm in Liebe anzuverloben, ihm ihre Jungfräulichkeit hinzugeben, ihr ganzes Sein. Die hl. Cäcilia antwortete darauf mit ihrem ganzen Herzen und barg ihr Herz im verherrlichten und durchbohrten Herzen des Herrn. Im heiligsten Herzen Jesu wurde die Liebe der Heiligen gereinigt und gestärkt, so daß das Zeugnis ihrer jungfräulichen Liebe in der Krone des Martyriums zur Vollendung kam. Das reine Weiß ihrer jungfräulichen Liebe fand seine Vollendung im beherzten Scharlach ihrer Liebe als Märtyrin für den Glauben.

Das Leben und das Martyrium der hl. Cäcilia stellen uns durch die wenigen Einzelheiten, die uns überliefert sind, wie das Leben jeder geweihten Jungfrau die unmittelbare Gegenwart der Liebe Christi in unserem Leben vor Augen, eine Liebe, die uns einlädt, sich ihm anzuverloben, eines Herzens mit ihm zu sein, indem wir einander lieben, so wie er uns geliebt hat, rein und selbstlos.
Die hl. Cäcilia lehrt uns alle den Weg, auf dem der Herr uns einlädt, uns an ihn und seinen mystischen Leib, die Kirche, zu verschenken und an alle Menschen. In Liebe – ob wir zu einem Leben in treuer und fruchtbringender Liebe in der Ehe, als ehelos Lebender, im geweihten Leben oder im Priestertum berufen sind. An ihrem Festtag bitten wir die hl. Cäcilia, für uns einzutreten, daß jeder von uns standhaft in der Antwort auf den Ruf unseres Lebens bleibt, daß wir niemals Mangel an Öl für unsere Lampen haben, daß der Herr jeden von uns an jedem Tag wachend vorfindet und bereit, ihn willkommen zu heißen, mit hell brennender Lampe. Wir beten, daß der Herr uns auf die Fürsprache der hl. Cäcilia jederzeit bereit findet, unser Herz ganz ihm zu übergeben.

In der Folge führte der Kardinal unter anderem aus, daß zwischen einem Kardinal und den jungfräulichen Märtyrinnen ein besonderes Band besteht. Sie sind ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, in welcher Weise er Christus und die Kirche lieben soll, während jene zugleich machtvoll für ihn eintreten, daß er für die Gläubigen ein Beispiel der unendlichen und unermeßlichen Liebe des Herrn sein möge, bis zum Ende, dem Verströmen seines Lebens für uns auf dem Kalvarienberg, dem Geheimnis, das uns in der Heiligen Messe täglich neu offenbar wird.

Die Farbe des Gewandes eines Kardinals ist das Rot des Blutes der Märtyrer, ein Zeichen, daß auch er bereit ist, äußerstenfalls sein Blut für Christus hinzugeben.

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[1] In meiner Übersetzung (das heißt, die Rechte an der Übersetzung liegen bei mir)

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