Mittwoch, 23. November 2011

Schuhe…

Bei Orbis catholicus secundus gibts ein Foto aus einer Kirche in Ottawa, das ein Gestell mit Schuhen für die Ministranten zeigt. Sursum Corda spricht daraufhin die Hoffnung aus, daß es sich um die mitgebrachten Schuhe der Ministranten und nicht etwa um gemeinschaftliche Fußbekleidung handelt. Also in ein passendes Paar „Gemeinschaftsschuhe“, die dann wohl die Kirche nie verlassen, mit meinen eigenen sauberen Socken hineinzuschlüpfen, fände ich persönlich hygienisch jetzt nicht so erschröcklich.

Es ist schon klar, daß man heutzutage um jeden Ministranten froh sein muß, der zum Dienen kommt, schon deswegen sollte man wohl aus der Schuhfrage keinen Fetisch machen; zumal Kindern und Jugendlichen in dem Alter, in dem die Ministranten meist sind, erfahrungsgemäß schwer zu vermitteln ist, inwiefern ein schwarzer Halbschuh „schöner“ sein soll als einer dieser Panzer, die man heutzutage als Turnschuh trägt. Noch dazu, wenn letzterer auf glatten Marmorböden besseren Halt verspricht. Sagt man ihnen dagegen, daß er „schwärzer“ ist, so kommen sie unfehlbar mit irgendeiner neuen Variante daher, wie etwa schwarzen Flip-flops oder Schuhen mit Blinkern in den Absätzen, die – in der Osternacht! – bei jedem Schritt kundtun, auf welchen Pfaden der junge Diener Gottes grade wandelt.

Ich kann mich aus meiner Anfangszeit als Lektorin gut daran erinnern, daß es mir ein Graus war, ich könnte ausgleiten und lang hinschlagen (der Lektor pflegte, wie wohl meist üblich, zur entsprechenden Zeit feierlich herfürzutreten und der Boden war wirklich extrem glatt gebohnert). Kardinal Meisners kreativen Ausweg aus dieser Situation – „Liegenbleiben!!!“– hab ich erst etwas später kennengelernt. Wenn ich heute an meine damaligen kleinen Ängste denke, muß ich lächeln. Arme Lektorin! (Ich hab mich nicht selbst gemeldet, es war des Pfarrers Idee. Er traute mir immer mehr zu als ich mir selbst.)

Was einem im Altarraum (auch bei Menschen, die aus dem Kindesalter hinaus sind) manchmal für Monströsitäten an Schuhwerk begegnen, ist allerdings wirklich einigermaßen abenteuerlich: Botten in der Größe von Kindersärgen, die ich allenfalls beim Gartenumstechen tragen würde, High Heels, Daisy-Duck-Schuhe und solche mit kleinen Totenköpfen drauf – auch nett. Auf das, was ein paar gute Ministrantenschuhe aus schwarzem Leder unter allen anderen Schuhen auszeichnet und adelt, den Knick, der sich vorn durch das Knien allmählich bildet, muß man dann aber leider verzichten.

Ein Argument für unauffälliges Schuhwerk, das eigentlich jedem einleuchten müßte ist, daß – da der Altarraum zudem oft etwas erhöht ist – sehr augenfällige Schuhe vor allem der Ministranten beim Dienen einen Quell der Ablenkung darstellen: unwillkürlich fällt der Blick der Gläubigen dann doch auf das grellrote Paar Fußballschuhe oder die neongrünen Ballerinas, die auf der Altarinsel hin- und hereilen. Von dem Ohrenschmaus, den ein Paar Flip-flops auf Marmorboden darstellen, noch ganz zu schweigen. Insofern find ich das Schuhgestell zumindest als Notnagel eine kreative Lösung.

Kommentare:

Sursum corda hat gesagt…

Ich gebe es zu: auch ich habe schon einmal mit (sauber geputzten!) Feldstiefeln der Bundeswehr ministriert - es war Winterchaos mit Glatteis, dazu kamen 20 Km Anfahrt. Da ging es nicht anders. War allerdings ein merkwürdiges Gefühl an den Füßen. Gesehen hat man Dank Talar fast nichts...

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich wiederum hab mal mit zwei verschiedenen Strümpfen gedient, einem weißen und einem schwarzen. Das war sicher einigermaßen augenfällig, meine Winterstiefelchen wären es allerdings noch mehr gewesen.

tradi.nl hat gesagt…

@ BdL: ;-))

Libriferar hat gesagt…

Auch ich wurde schon einmal darauf angesprochen, weil ich weisse Turnschuhe getragen habe als Messdiener. Ich finde es aber wichtiger, dass jeder, der im Altarraum während der Messe ist überhaupt ein liturgisches Gewand trägt. Über die Kommunionhelfer(innen)und diejenigen, die den Lektorendienst versehen beklagt sich keiner. Hauptsache, dass neue Kostüm und die Brosche bei Frau X sind zu sehen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Was du ansprichst, find ich ebenfalls unschön, zumal die liturgische Ordnung die Albe (oder "ein anderes rechtmäßig zugelassenes Gewand", also Chorkleidung) vorsieht.

Man muß allerdings gerechtigkeitshalber dazu sagen, daß die Lektoren das nicht überall selbst in der Hand haben. Schwarze Schuhe kann, außer im Notfall, aber tatsächlich jeder tragen.

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